Keltische Einwanderer nannten ihr Reich “Dál Riata”. Bei den Römern aber hießen sie “Scoti”. So trägt heute das Land ihren Namen: “Scotland”. Doch wer waren diese Urschotten?
Sie kamen aus dem Nord-Osten Irlands und eroberten weite Landstriche im Westen Schottlands. Dabei brachten diese keltischen Einwanderer – die auch Gälen oder Skoten genannt werden – ihre Sprache und Kultur mit sich und verdrängten die dort ansässigen Pikten. Die heutige Identität der Highlands und ganz Schottlands leitet sich von diesen Urschotten ab.
Die Gründung Dalriadas – Mythos gegen Ausgrabungen
Vieles über Dalriada bleibt im Nebel der Zeiten verborgen, denn es gab nur wenig Geschichtsschreibung in diesen Tagen: So ist unklar, wann genau die keltischen Skoten von Irland über das Meer auf die britische Insel kamen.
Natürlich gibt es einen Gründungmythos, der durch Aufzeichnungen in christlichen Klöstern verbreitet wurde. Demnach setzte Anfang des sechsten Jahrhundert ein gewisser Fergus Mór – zu deutsch heißt das “Fergus der Große” – mit seinen drei Söhnen und 150 Mann aus Irland über das Meer. Er nahm die Westküste Schottlands in Besitz und herrschte mit seinen Nachkommen über das Reich.
Doch Ausgrabungen deuten darauf hin, dass gälische Einwohner schon einige Jahrhunderte früher in der Gegend gesiedelt hatten. Dazu passt auch die Bezeichnung “Dál Riata” – das heißt Übersetzt “Riatas Anteil”. Ein klarer Hinweis auf einen weiteren, früheren, Gründer des Reichs.
In den Jahren 500 bis etwa 800 erstreckte sich Dalriada hauptsächlich über Inseln und Küstenabschnitte. So gehörte ein Teil der Nord-Ostküste Irlands genauso dazu, wie Teile der Westküste des heutigen Schottlands und die Inseln Mull, Islay und später Skye. Auch Iona – die Insel mit dem wichtigen und berühmten Kloster des heiligen Columba – war Teil von Dalriada. Die Skoten waren also geübte Seefahrer und konnten die meisten Reisen in ihrem Reich bequem und schnell mit Booten zurücklegen.
Das Macht-Zentrum des schottischen Dalriada bildete die Felsenfestung von Dunadd, gelegen im heutigen Argyll und Bute.
Dalriadas Blütezeit – Beutezüge bis zu den Orkneys
Im Jahr 574 krönte der Heilige Columba von Iona persönlich Aedan mac Gabhrann zum König. Unter diesem Herrscher erreichte Dalriada um 600 herum seine größte Ausdehnung; Gabhrann rang den Pikten Land ab. Außerdem schuf er ein Kriegsflotte, mit der er Beutezüge auf den Orkneys im Norden und der Isle of Man im Süden unternahm.
Größer sollte Dalriada jedoch nicht mehr werden. Aedan mac Gabhranns Sohn nahm zwar noch Teile von Skye in Beschlag, doch Gebiete im Süden musste er bereits wieder abtreten.
Schon Gabhranns Enkel verlor schließlich Schlacht um Schlacht und büßte Territorium ein. Mitte des siebten Jahrhunderts kam Dalriada schließlich unter Herrschaft des Königreichs von Northumbrien.
Im Jahr 736 gelang es den Pikten sogar das Machtzentrum Dunadd zu überrennen und die Herrschaft an sich zu reißen. Ab hier wissen die Historiker nicht mehr viel über Dalriada. Doch es sollte bald wieder von sich reden machen …
Dalriadas lebendiges Erbe
Zunächst spielte Dalriada im Sinne einer Kriegsmacht keine große Rolle mehr. Doch existierte die Herrschaftslinie Dalriadas weiter. König Alpin MacEchdach versuchte um 800 herum wieder mit kriegerischen Mitteln gegen die Pikten anzugehen – wenig erfolgreich, er wurde im Jahr 834 von ihnen enthauptet und zur Schau gestellt.
Sein Sohn sollte jedoch mehr Glück haben, aufgrund einer Eigenheit der piktischen Erbfolge: Denn bei den Pikten wurde der Herrschaftsanspruch mütterlicherseits vererbt. Da Alpin MacEchdach mit einer piktischen Prinzessin verheiratet war, ging deren Erbe auf seinen Sohn Kenneth Mac Alpin über. Diesen Anspruch unterstützten sowohl Pikten als auch die Gälen, so setzte sich Kenneth durch. Seinen verbleibenden Widersacher brachte er kurzerhand um.
Unter Kenneth MacAlpin also vollzog sich 844 die Einheit des Reichs der Pikten und Gälen von Dalriada. Das war gut so, denn man hatte mittlerweile einen gemeinsamen neuen Feind: Die Wikinger bedrohten von Norden und Westen das Land, nahmen dort Inseln und Küstenabschnitte in Besitz und plünderten sogar das heilige Kloster von Iona. So brachten die Gälen die Relikte ihrer Heiligen in Sicherheit, transportierten sie ins piktische Kernland und ließen sich dort nieder.
Der Bedrohung der Wikinger stand nun ein vereintes Reich aus Pikten und Kelten gegenüber: Das Reich Alba, das erste schottische Reich. Und obwohl die Pikten lange kriegerisch den Einwohnern Dalriadas überlegen waren, setzte sich dennoch die Sprache, Musik und Kultur der Gälen durch – es ist noch heute n den Highlands lebendig. Über das Piktische dagegen weiß man heute so gut wie nichts mehr.
Übrigens: Im Westen, in Stammgebiet Dalriadas, sollte sich nach nur wenigen Jahrhunderten wieder ein neues, gälisches Reich bilden – das Territorium der “Lords of the Isles” … doch das ist eine andere Geschichte.









