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Die Wikinger in Schottland und den Highlands

Angst und Schrecken brachten sie – aber auch Handel und Handwerk, Sprache und Kultur. Die Wikinger herrschten für vier Jahrhunderte lang über weite Teile der Highlands. Und haben bis heute Spuren hinterlassen …

Wikinger Langboot

Wikinger Langboot

Das Verhältnis zwischen den in Schottland ansässigen Kelten und den Wikingern fing – gelinde gesagt – nicht gut an: Am 8. Juni 793 stürmten Männer, die auf seltsamen Booten gekommen waren das Kloster von Lindisfarne. Sie mordeten und plünderten – schließlich verschwanden sie wieder von der kleinen Insel an der Ostküste Schottlands.

Es war der erste Gruß der Wikinger – aber bei weitem nicht der letzte.

Karte Wikinger in Schottland

Wikinger in Schottland – Kartenmaterial: Openstreetmap.org

Denn fortan ließen sich die Männer aus dem Norden häufig blicken: Das Kloster auf Iona im Westen Schottlands, ein wichtiges spirituelles Zentrum der Gälen von Dalriada, überfielen sie in den Jahren 795, 802 und 806. Die Kirchen auf der Insel Islay waren ebenso im Visier der Angreifer (die dort wohl grausamen Ritualen nachgingen, wie ein Fund bei Kildalton belegt). Kurzum: Die Wikinger waren eine Heimsuchung für die Highlands und die westlichen Inseln.

Zu dieser Zeit waren die Shetlands und Orkneys, also die Inseln im Norden, bereits fest in der Hand der Skandinavier. Der Norden und Teile des Ostens des schottischen Festlands sollten folgen; Caithness und Sutherland fielen den Nordmännern anheim. Über die äußeren Hebriden, Skye, Mull, Islay, die Highlands im Westen … kurz: über weite Landstriche Großbritanniens – ja, auch in England und Irland – herrschten nun bald Männer aus Norwegen, Schweden und Dänemark.

Den Plünderern und Eroberern folgten die Siedler: Wikinger ließen sich in den Highlands und auf den Inseln nieder und gaben den Orten eigene Namen; Namen, die bis heute noch von den Nordmännern künden.

Broadford auf Skye etwa birgt den “Fjord” in sich, es kommt von “breida-fjord” und bedeutet  “breiter Meeresarm”. Oder die Insel Jura bei Islay kommt vom nordischen “dyr ey” – die “Rotwild-Insel”. Die Liste ließe sich lange fortsetzen.

Dorf mit Blackhouses

Blackhouse Dorf © Stephen Finn – Fotolia.com

Die Wikinger-Siedler brachten neben der Sprache auch ihr Handwerk mit. Damit prägten sie zum Beispiel den Hausbau. Die später verbreiteten schottischen Blackhouses etwa weisen darum starke Ähnlichkeit mit den Langhäusern der Nordmänner auf.

Und nicht zu vergessen: Die Wikinger waren geübte Seefahrer und Schiffsbauer. Auch diese Kunst teilten sie mit der Urbevölkerung. Sie bildete sogar die Grundlage für die bald folgende Herrschaft der “Lord of the Isles”. Deren schnelle Boote, die Birlinns trugen später Truppen und Waren quer durch das Hoheitsgebiet. Die Birlinns waren nichts anderes als Weiterentwicklungen der nordischen Drachenschiffe.

Doch aus der Ferne ließen sich die Gebiete Großbritanniens nicht ewig regieren …

Das Ende der Herrschaft der Wikinger

Im Jahr 1113 gebar eine nordische Mutter einem gälischen Vater einen Sohn. Sie nannten ihn Somerled – den “Sommer Reisenden”. Und er sollte zu dem Mann heranwachsen, der die Macht der Nordischen Herrscher über Schottland brechen würde.

Ab 1135 holte er sich Stück für Stück Ländereien der Nordmänner – meist durch Gewalt, einmal aber auch indem er eine Herrschertochter heiratete. Schließlich war er 1160 so mächtig geworden, dass er auch für den Schotten-König Malcom IV im Osten zur Bedrohung wurde. So kam es zwischen beiden zu einer Schlacht, die keiner so recht gewinnen konnte. Ein wackliger Friede wurde ausgehandelt, der aber nur vier Jahre hielt. 1164 zog Somerled erneut mit einem Heer gegen Schottland aus. Doch ehe es zu nennenswerten Kämpfen kam, wurde er heimtückisch ermordet.

Was Somerled hinterließ waren von Fremdherrschaft befreite Inseln. Seine Nachfahren formten aus diesem Nachlass später ein neues Reich, das Gebiet der Lords of the Isles.

Nachfahren hatte Somerled übrigens viele, man könnte sagen, er sei ein schottischer Übervater. Denn eine DNA-Studie geht davon aus, dass er heute noch 500.000 lebende Nachfahren weltweit hat. Eine Zahl, die nur von Dschingis Khan übertroffen wird. Kein Wunder, denn mehrere Clans, etwa die bekannten McDonalds, stammen von ihm und seinen Kindern ab. Und die haben sich auch durch die Highland Clearances über die ganze Welt verstreut.

Und da er eben auch zum Teil nordischen Geblüts war, leben in diesen Nachkommen auch die schottischen Wikinger weiter.

Was von den Wikingern blieb

Die Macht der Nordmänner war durch Somerled gebrochen worden, die übrigen Gebiete wurden ihnen Stück für Stück abgenommen. Schließlich herrschten die Norweger (zu derzeit konnte man schon nicht mehr von Wikingern reden) nur noch über die Inseln im Norden – die Orkneys und Shetlands. Das sollte bis 1468 so bleiben, ehe auch diese Gebiete an Schottland fielen. Friedlich. Als Mitgift einer Hochzeit zwischen James II. von Schottland und Margarete von Dänemark.

Am längsten hielt aber sich die Wikinger-Sprache: Das sogenannte Norn wurde auf Orkney und den Shetlands bis ins 18 Jahrhundert gesprochen und fließt noch heute in den Dialekt ein.

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