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Inverness – die Highland-Metropole

Sie ist die nördlichste Stadt Großbritanniens, Hauptstadt der Highlands und Tor in den Norden Schottlands. Die Geschichte von Inverness: Natürlich blutig – was sonst?

Brücke in Inverness
Brücke in Inverness

Passend zur Jahrtausendwende schaffte es die Hauptstadt der Highlands: Im Jahr 2000 wurde Inverness zur “City” erklärt, also zur Großstadt. Kein Wunder, denn mittlerweile arbeiten und leben hier rund 60.000 Schotten – für die Highlands eine gewaltige Zahl.

Und noch etwas macht Inverness ein wenig untypisch. Denn die Einwohner hier verdienen nicht nur mit dem Tourismus ihr Geld, wie es an vielen anderen Orten der Fall ist. Die Stadt stützt die schottische Wirtschaft auch durch andere Einnahmequellen, wie zum Beispiel mit der Herstellung von Medizintechnik.

Aber natürlich ist Inverness dem Tourismus auch nicht ganz abgeneigt. Schließlich liegt das berühmte Culloden-Schlachtfeld nur einen Steinwurf weit entfernt, ebenso wie das geheimnisvolle Loch Ness oder auch Fort George, Cawdor Castle oder Elgin.

Inverness selbst hat zwar eine lange Geschichte, versprüht aber nur wenig von dem Mittelaltercharme, den zum Beispiel Edinburgh besitzt. Es wechseln sich alte Kirchen und Häuser mit hässlichen Betonklötzen ab. Viele alte Gebäude wurden nämlich um 1960 im Sinne de “Modernisierung” abgerissen – leider nicht zum Vorteil des Stadtbildes.

Inverness Victorian Market
Inverness Victorian Market

Immerhin: In den Häusern gibt es verborgene Schätze. Zum Beispiel den Victorian Market, der 1870 erbaut wurde. Außen kaum zu erkennen, ist er innen eine wunderschöne Ansammlung bunter Ladenzeilen, beleuchtet von edlen Laternen mit reichlichen Verzierungen. Der Markt verhilft einem sozusagen zu einem kleinen Zeitsprung mit gemütlichem Geschäftsbummel direkt im Stadtkern nahe der frequentierten Fußgängerzone. Letztere führt übrigens zur modernen Entsprechung des Victorian Market: Das Eastgate Shopping Centre. Deutlich kühler bietet es großen auch sehr großen Geschäften Platz.

Direkt am Fluss thront ein Wahrzeichen: die Inverness Castle – eigentlich ein Gerichtsgebäude, das auch heute noch für die Rechtsprechung genutzt wird. Bemerkenswert ist vor allem die Statue vor dem Eingang des Gebäudes. Eine Lady hält Ausschau in Richtung Süden. Das ist Flora MacDonald, der hier eine Denkmal gesetzt wurde.

Inverness Castle mit Flora MacDonald-Monument
Inverness Castle mit Flora MacDonald-Monument

Unterhalb der Castle an der Hauptstraße, gleich über dem Tourist Info, befindet sich Inverness Museum & Art Gallery. Dort staunen die Besucher über Fundstücke aus den Highlands, die von der Steinzeit über das Mittelalter bis in die heutige Zeit hineinreichen – Waffen, Kunst, Schmuck sind mit dabei. Eine Fotosammlung zeigt das Leben in Nordschottland zu früheren Zeiten.

Es gibt auch eine grüne Lunge in Inverness, denn der River Ness teilt die Stadt in zwei Hälften. Um ihn herum gruppieren sich zuerst schöne Häuserzeilen teils mit Gärten, die im Süden aber bald von Parkflächen abgelöst werden. Rund eineinhalb Kilometer südlich vom Stadtkern gibt es sogar kleine Inseln im Fluss, die sich prima zum Spazieren darauf eignen.

Wissen: Name und Geschichte von Inverness

Der Name Inverness kommt vom gälischen “Inbhir Nis” und heißt zu deutsch: Die Mündung des Ness. Der Fluss fließt aus dem berühmten Loch Ness, das sich ein Stück weiter süd-westlich im Great Glen befindet.

Inverness war auch immer ein wichtiger strategischer Punkt im Kampf um Schottland. Wer die Stadt und die Brücke kontrollierte, hatte die Macht über die Highlands. 1411 etwa wurde Inverness von den Lords of the Isles eingenommen, die Brücke wurde dabei eingerissen. Und 1746 sah Inverness das blutige Ende des Jakobiten-Aufstands. Danach nutzen die Engländer Inverness, um von hier aus die Highlands zu kontrollieren und keine weiteren Erhebungen der Clans mehr zuzulassen.

Tipp: Der Ness Islands Walk

Holz-Nessie im kleinen Park
Holz-Nessie im kleinen Park

Möchte man die alten Häuserzeilen und den besonderen Flair des Flusses genießen, lohnt sich ein Spaziergang auf dem Ness Island Walk. Man startet an der Inverness Castle und geht den Weg hinunter an der Island Bank Road, vorbei am War Memorial und vielen kleinen Blumenbeeten, die hier liebevoll gepflegt werden. Nach etwas über einem Kilometer erreicht man eine kleine Metall-Hängebrücke, die nur einige Meter zu einer kleinen Insel im Fluss führt. Hier beginnt der Spaziergang auf den Ness Islands, bei dem man die große Holz-Nessie und andere Nettigkeiten sehen kann.

Die Inseln verlässt man dann auf der anderen Seite des River Ness, so dass man auf dem Weg zurück an der Kathedrale, der Universität und einigen schönen alten Häusern vorbeikommt. Man kann dann bis zur Ness Bridge vorlaufen und dort den Ausflug beenden.

Persönliche Anmerkungen: Gelernt, was Prost auf Gälisch heißt

An einem Tisch in einem Pub von Inverness habe ich viel erfahren. Zum Beispiel, dass manche Schotten die Deutschen mögen, weil die im Zweiten Weltkrieg die Engländer bombardiert haben. Obwohl ich das gar nicht lustig finde, habe ich damals wenig widersprochen – die Schotten waren doch einschüchternd groß …

Infirmary Bridge
Infirmary Bridge

Die wichtigere Lektion allerdings in dieser Kneipe ging über das Trinkverhalten. Ich wunderte mich zum Beispiel, warum die Schotten damals stets zwei Biere holten. Eines tranken sie gleich, das andere stellten sie in die Mitte des Tischs. Ich begriff es erst, als um 23 Uhr die Glocke zur “Last Order” bimmelte. Während fast alle anderen Gäste schnell zur Theke rannten, blieben diese Schotten sitzen und griffen gemütlich zu den Gläsern in der Mitte – allerdings funktioniert der Trick auch nur mit britischem Bier, das nicht so schnell schal wird.

Und derweil brachten die Schotten mir noch bei, wie man richtig Prost auf Gälisch sagt: “Slàinte mhath!” – “Gute Gesundheit” (Auf dieser Seite gibt es eine Hörprobe). Ich musste es eine ganze Weile lernen an diesem Abend …

Anfahrt:

Von Edinburgh einfach drei Stunden lang die A9 hochdonnern. Schon ist man da … wenn man dann Inverness Richtung Norden verlassen will, kommt man über die noch recht neue und eindrucksvolle Kessock Bridge auf die Black Isle.

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