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Vatersay – Hausbesetzung einer Trauminsel

Eine kleine Insel ganz im Süden der Äußeren Hebriden. Heute ist Vatersay mit seinen Traumstränden eine Idylle für Besucher. Doch um das Jahr 1900 tobte ein erbitterter Streit um die Besitzrechte.

Vatersay
Vatersay mit seinen Stränden, im Hintergrund die kleineren Inseln

Lady Gordon Cathcart war kein schlechter Mensch. Sie war einfach nur nie da. Und das ließ schlechten Menschen wiederum freie Hand. Als ihr Mann im Jahr 1878 gestorben war, erbte Lady Cathcart eine Reihe von Ländereien und Inseln. Darunter auch North und South Uist, Barra und das kleine Vatersay.

Es war die Zeit der Highland Clearances und in deren Tradition handelte die neue Besitzerin auch. Sie ließ etliche Familien von ihren Ländereien kurzerhand nach Kanada verfrachten. Und so wurde auch die Insel Vatersay eine einzige große Farm. Eine Farm, die ihre Herrin nicht ein einziges Mal zu Gesicht bekam. Das war nicht ungewöhnlich, es gab jede Menge solcher „absentee Landlords“ – abwesende Gutsherren – die ihre Ländereien ausquetschten, während sie in Großstädten in Saus und Braus lebten. Die Methoden überließen sie dabei meist ihren Angestellten. Da das Ziel Gewinnmaximierung hieß, wurden Pächter von ihren Schollen vertrieben oder die Abgaben erhöht.

Vatersay liegt ganz im Süden der Äußeren Hebriden, direkt unterhalb von Barra – weiter südlicher gibt es noch die kleineren Eilande Sandray, Pabbay, Mingulay and Berneray (nicht zu verwechseln mit dem Berneray bei North Uist). Einige dieser südlichen Inseln waren noch bewohnt von Bauern-Familien. Und deren Leben war hart und wurde immer härter, während die Zustände auf Vatersay geradezu paradiesisch erschienen. Auch auf der großen Insel Barra gab es Bauern (Crofter), die dringend neues Land benötigten. Die Regierung versuchte zu helfen, stellte neue Crofts bereit – doch es reichte nicht.

Vatersay war nahezu leer.

Oststrand Vatersay
Oststrand Vatersay

Schließlich fassten die Crofter einen Entschluss: Besitzverhältnisse hin oder her, sie würden sich ein Stück der Insel Vatersay nehmen. Angeblich gab es ein altes irisches Gesetz, das besagte, dass man eine Familie nicht von einem Land vertreiben dürfe, wenn sie dort innerhalb eines Tages ein Haus mit einem Feuer in einem Herd errichtet hätten. Ob es dieses Gesetz tatsächlich jemals gab, sei dahin gestellt. Sicher ist: Es war zu dieser Zeit nicht gültig in Großbritannien. Doch die Männer fühlten sich im Recht. Sie organisierten Boote auf Barra und auf Mingulay und im Juli 1906 segelten zehn Mann nach Vatersay um dort zu bleiben. 1908 lebten bereits 31 Familien illegal auf der Insel.

Lady Gordon was not amused.

Es kam, wie es kommen musste: Die zehn ursprünglichen Landbesetzer mussten sich in Edinburgh vor Gericht verantworten und wurden zu zwei Monaten Haft verurteilt. Doch das Gesetz ist das eine. Der Druck der Öffentlichkeit ist etwas anderes. Die zehn Männer waren nämlich beim einfachen Volk Schottlands mittlerweile zu Helden geworden. Die Nöte, gegen die sich die Insel-Besetzer zur Wehr setzten, es waren die Nöte vieler Menschen in den Highlands und Islands.

Dieser öffentliche Druck brachte die Politiker schließlich auf Trab. Im Jahr 1909 kaufte die schottische Regierung die Insel von Lady Gordon und teilte sie unter 54 Bauern auf.

Wissen: Über Vatersay

Seit der Besetzung der Vatersay Raiders ist die Zahl der Einwohner Vatersays stark gesunken. Ein Grund war auch hier, dass die Insel einfach zu abgeschieden von der Zivilisation war. Das änderte sich erst 1991 als eine Dammstraße gebaut wurde, die Vatersay mit Barra verbindet. Heute ist Vatersay die westlichste Insel, die permanent bewohnt ist. Die rund 90 Bewohner (nach der Zählung von 2011) stammen zum Teil noch von den Männern ab, die nun als „Vatersay Raiders“ in die Geschichte eingegangen sind.

Weststrand Vatersay
Weststrand Vatersay

Vatersay ist übrigens nicht sonderlich groß. Etwa sechs Kilometer breit und fünf Kilometer lang. Auch einen Berg gibt es dort, der sich auf 190 Meter erhebt: der Heisebhal. Hauptort ist Baile Bhatarsaigh – grob übersetzt „Dorf von Vatersay“. Dabei handelt es sich aber eher um eine kleine Ansammlung von Häusern.

Aus deren Mitte stammt übrigens eine schottische Band, die über die Grenzen hinaus bekannt wurde, die Vatersay Boys. Hier eine Coverversion des Titellieds von Local Hero.

Tipps: Strände, Denkmäler, Dörfer

Wunderschön ist der „Doppelstrand“ von Vatersay. Denn in der Mitte der Insel liegen zwischen Ost- und Weststrand nur 600 Meter. Allerdings zeigt das Meer auch manchmal seine grausigen Seiten: Am Oststrand „Tràigh Siar“ findet man das Denkmal zur Annie Jane, einem Schiff voller Auswanderer, das 1853 von Liverpool nach Kanada segeln wollte. Bei starkem Seegang traf es auf die Felsen westlich von Vatersay und sank in wenigen Minuten. Von 450 Passagieren und Crewmitgliedern konnten nur hundert gerettet werden, den Rest verschlang die eisige See.

Ein ebenso trauriges Denkmal, aber schön anzusehen, ist das verlassene Dorf Eorasdail, von dem nur noch Außenmauern stehen.

Persönliche Anmerkung: Running up the Hill

Heiseabhal
Heiseabhal

Ich hatte es in einem Buch gesehen: Beide Strände der Insel auf einem Foto vereint. Doch wo stand der Fotograf? Als wir im Sommer 2014 auf Vatersay ankamen, wurde es mir klar: Nur von ganz oben auf dem Berg Heisebhal konnte diese Aufnahme gelingen.

Dumm nur: Es war schon abends und wir hatten noch Plätze im Gasthaus serviert. Ich hatte also nur etwa eine halbe Stunde, ehe wir weiter mussten. Und so rannte ich wie ein Wilder den Berg hoch. Man glaubt gar nicht, wie sich rund 190 Höhenmeter ziehen können, wenn der Boden matschig ist. Doch ich habe es geschafft und bin stolz auf die Aufnahme.

Gefährlicher ist es übrigens, den Berg wieder hinunter zu rennen …

Anfahrt:

Mit Navigationsgerät: „HS9 5YU“ bringt einen bis in den Ort der Insel.

Ohne Navi: Auf der Isle of Barra fährt man die Ringstraße Richtung Süden, bis das Schild „Nasg Bhatarsaigh – Vatersay“ am Straßenrand auftaucht. Dort abbiegen und dem Weg folgen, bis er über den Damm führt. Hinter dem Damm geht es rechts. Diese Straße immer weiter und immer auf der Hauptstraße bleiben, bis linker Hand der große Strand erscheint. Am Strand bieten sich Parkmöglichkeiten.

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