Keltische Knoten, geheimnisvolle Fabelwesen und ein Sarkophag, der einst einen König gehalten hat. Die Govan Stones in Glasgow entführen Besucher ins geheimnisvolle Mittelalter.

Dort, wo der Fluss Kelvin in den großen Clyde fließt, gab es einst eine Furt durch das Wasser. Es war ein optimaler Ort für eine Siedlung und eine Kirche. Rund 1200 Jahre später steht hier noch immer eine Kirche: die Govan Old Parish Church. Ihr Inneres bewahrt einen steinernen Ruf aus dem frühen Mittelalter: die Govan Stones.
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Die Govan Stones sind eine Sammlung von Steinen, die aus dem 8. bis 10. Jahrhundert stammen. Steinmetze des frühen Mittelalters haben hier ihre Kunstfertigkeit bewiesen: Schlangen winden sich da als keltische Knoten und fassen Bilder von Kriegern und Jägern kunstvoll ein.
Gleich am Eingang stehen drei ganz besondere Exemplare. Der Sonnenstein zeigt eine Sonne, aus der sich vier dicke Schlangen winden. Auf der Rückseite reitet ein Krieger auf einem Pferd.
Daneben stehen der Jordan-Hill-Stein und der Cuddy-Stone. Ein „Cuddy“ ist ein schottisches Wort für Esel. Der Stein zeigt ein Reittier mit langen Ohren, daher die Bezeichnung.
Ein Höhepunkt erwartet Besucher noch am Altar. Dort findet sich ein Sarkophag. Die Steinmetze nutzten einen riesigen Sandstein und schlugen daraus den Behälter. Außen verzierten sie ihn reich.
Im Sarkophag wurden wohl die Reliquien eines schottischen Heiligen aufbewahrt. Einige vermuten, es handle sich dabei um Constantin, den Sohn von Kenneth MacAlpin, oder dessen Sohn Donald. Andere glauben, es wäre Constantine von Strathclyde gewesen, der im 6. Jahrhundert lebte. Ganz sicher ist das aber nicht.
Auf jeden Fall aber enthielt der Sarkophag bedeutende Überreste. Leider fehlt sein Deckel – und damit auch die Gewissheit über seinen Inhalt.
Makaber ist das Loch im Sarkophag. Es sollte sicherstellen, dass die Flüssigkeiten ablaufen konnten, während sich im Inneren der Leichnam zersetzte. Vermutlich war der Sarkophag dabei für die Öffentlichkeit sichtbar ausgestellt.
Eine weitere Besonderheit sind die sogenannten Hogback-Stones – also: „Wildschwein-Rücken“. Die Form der Grabsteine erinnert tatsächlich daran, sie sollten aber wohl eher Hausdächer symbolisieren.
Diese Art von Steinen war nur dort zu finden, wo ein Einfluss durch Wikinger und nordische Siedler herrschte.
Neben den drei Steinen am Eingang, gibt es über 30 andere in der Kirche. Dazu viele Erklärungen, einen kleinen Shop, einen Shop für gebrauchte Bücher und fantastische Buntglasfenster.
Ein Besuch bei den Steinen von Govan ist nicht nur für den Besucher ein spannendes Erlebnis. Es hilft auch dabei, die Kirche und die Sammlung darin zu erhalten. Und somit die kulturelle Geschichte von Strathclyde und diesem besonderen Ort zu erhalten. Der Eintritt ist zwar frei, aber eine Spende ist wirklich angebracht.
Wissen: Die Govan Steine und das Reich Strathclyde
Zur Zeit um 800 nach Christus gab es drei wesentliche Reiche oder Fraktionen auf dem heutigen schottischen Gebiet: die Pikten, die Gälen von Dal Riata und das Reich Strathclyde. In Govan herrschten die Könige von Alt Clut aus. Heute bekannt als Dumbarton Rock.
Die Steine schlummerten lange im Friedhof an der Kirche. Der Sarkophag wurde schließlich im Jahr 1855 wiederentdeckt und dann im Jahr 1908 in das Innere des Gotteshauses verfrachtet.
Anfahrt
Die Govan Stones sind eine tolle Bereicherung in Kombination mit einem Besuch des Riverside Museums auf der anderen Seite. Dort hält auch der City Sightseeing Bus und es gibt einen Parkplatz. Die neue Brücke über den Clyde ermöglicht dann den Besuch zu Fuß.
Wenn man lieber direkt mit dem Auto nach Govan fahren will, geht das natürlich auch.
Mit Navigationsgerät: „G51 3AQ“ bringt einen in die Nähe.
Ohne Navi: Von der M8 an der Ausfahrt 23 Richtung Clyde Tunnel/Govan auf die A814 abfahren. Anschließend der Broomloan Road (A739) bis Govan Cross folgen und dort links in die Govan Road abbiegen. Die Govan Stones befinden sich in der Govan Old Parish Church an der Govan Road. Parkmöglichkeiten gibt es in den umliegenden Straßen.