Es ist die Top-Sehenswürdigkeit auf Shetland. Und das zu Recht. Denn der Jarlshof ist ein faszinierendes Stück Geschichte vor beeindruckender Kulisse.

Das Besondere am Jarlshof: Er ist wie ein Bohrkern durch die Geschichte Shetland. Man sieht in Schichten, welche Menschen hier wie gelebt haben. Von der Jungsteinzeit, dem „Neolithikum“ bis ins 17. Jahrhundert – also rund 4000 Jahre – sind hier zu bewundern. An einem Ort!
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Jarlshof liegt ganz im Süden der Shetlands – man kann von hier aus das Sumburgh Head Lighthouse sehen, das das Ende der Inseln markiert. Es liegt direkt am Meer, auch wenn sich die Küste über die Jahrtausende sicher verändert hat.
Der dauernde Wind hat den Sand der Dünen und Strände in die Ruinen getragen und sie versiegelt. Schicht für Schicht. Und immer wieder haben neue Volksgruppen an der Stelle ihr Heim errichtet.
Die Stelle ist auch günstig, lässt sich doch von hier aus der natürliche Hafen von West Voe überblicken und überwachen.
Diese Verbindung war wichtig. Denn spätestens seit der Eisenzeit um 500 vor Christus handelten die Bewohner mit anderen Europäern.
Die flache Bucht bot Bewohnern durch die Jahrtausende aber auch leichten Zugang zu Fischgründen und Muschelbänken. Eine wichtige Nahrungsgrundlage. Zusammen mit Frischwasser-Zugang machte das Stück Land rund um den Jarlshof so dauerhaft begehrt.
Heutige Besucher des Jarlshofs erwartet ein Rundgang durch die verschiedenen Epochen. Es beginnt bei den Überresten des ersten Hauses aus der Zeit um 2000 vor Christus.
Relativ selten sind auf Shetland Funde aus der Bronzezeit. Im Jarlshof jedoch stehen die Überreste einer Bronze-Schmiede aus 800 vor Christus. Die Schlacke belegt das – und auch, dass es damals schon Handelsbeziehungen gab. Denn Bronze besteht aus Kupfer und Zinn. Und Zinn gab es damals in Britannien nur in Cornwall und Devon – also Südwestengland. Ohne Handel und Seefahrt kann es also nicht hierhergekommen sein.
Die Eisenzeit ist schon etwas angeknabbert von der See. Das einstige Broch steht nur noch zur Hälfte und dennoch ist es beeindruckend. Es wird begleitet von vier Radhäusern. Sie gehören zu den besterhaltenen Bereichen – Besucher können hineingehen und sich in die Zeit zurückversetzen.
Die größte Fläche auf dem Gelände nimmt der nordische Hof ein. Er existierte hier von 800 nach Christus. Es begann mit einem sogenannten Feuerhaus, also einem länglichen Haus, in dessen Mitte sich eine große Feuerstätte befand. Eine typische Konstruktion nordischer Siedler, die sich an vielen Siedlungen wiederholt.
Für Archäologen interessant: Im 11. oder 12. Jahrhundert ändert sich die Siedlung hin zu Langhäusern mit Stallungen darin. Immer noch nordisch, zeigt sich darin der Wandel der Gesellschaft. Die Vermutung: Steuern zwangen die Bewohner nun dazu, die Milchproduktion des Viehs zu erhöhen, was in warmen Gebäuden leichter möglich war.
Bis Ende des 13. Jahrhunderts hatte der Hof auch eine Scheune und eine Getreidedarre. Dieses Merkmal markiert den Übergang zu einer mittelalterlichen Farm.
Das dicke Ende kam dann mit dem, was als Jarlshof bekannt wurde. Eine Bezeichnung, die übrigens vom schottischen Nationaldichter Walter Scott verliehen wurde. Das große Herrenhaus wurde erbaut von Earl Patrick, der auch den Earl’s Palace auf Orkney hat erbauen lassen.
Bevor Scott den Namen Jarlshof erfand, war das Gebäude einfach als Sumburgh House bekannt. Heute sind es nur noch Mauern. Doch auf den alten Turm führen Treppen hinauf, und von hier aus können Besucher die Gebäude des Jarlshof noch einmal von oben bewundern – zusätzlich zum Blick über die Landschaft der Umgebung.
Der Rundgang durch all diese Stadien der Shetland-Geschichte endet wieder am kleinen Visitor Centre. Diese Sehenswürdigkeit auf Shetland sollten sich Besucher der Inseln keinesfalls entgehen lassen. Darum hat der Jarlshof auch das ganze Jahr über geöffnet.
Wissen: Die Übernahme der Wikinger auf Shetland
Ähnlich wie bei Skara Brae auf Orkney, legte ein Sturm die ersten Überreste der Siedlungen am Jarlshof circa 1890 frei. Über die nächsten 60 Jahre gruben Archäologen die Häuser aus.
Und dabei war ein Aspekt recht interessant. Denn eines der Häuser markierte einen Übergang zwischen piktischer und nordischer Kultur offen. Eines der Häuser zeigte eine Kombination aus piktischer und nordischer Bauweise. Dazu wurden auch Funde beider Volksgruppen gefunden. Es könnte damit eines der Gebäude sein, die den Übergang markieren.
Denn die Übernahme durch Siedler aus Schweden hat wohl in Etappen stattgefunden: Zunächst eine Pionierphase, in der die Nordmänner nur kurzzeitig nach Shetland kamen, um zu handeln und zu rauben. Dann eine Siedlungsphase, in der noch beide Völker koexistierten. Und schließlich die vollständige Übernahme durch die Neulinge.
Das Haus könnte einen Hinweis auf die ersten beiden Phasen geben, in denen vielleicht sogar zwischen den Völkern geheiratet wurde.
Anfahrt
Mit Navigationsgerät: Der Postcode „ZE3 9JN“ führt nach Sumburgh.
Ohne Navi: Jarlshof liegt an der A970 zwischen Sumburgh Head und West Voe Beach direkt beim Flughafen Sumburgh. Die Abbiegung ist ausgeschildert.