Kleine Häuser reihen sich entlang der Straße zum See. Um sie herum: eine traumhafte Landschaft. Ein Besuch in Luss am Loch Lomond.

Luss ist schon fast Romantik-Overkill. Die kleinen Häuschen an der Straße mit Schieferdächern und wunderschönen Gärten bilden einen Ort, der einzigartig in Schottland ist.
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Um den Ort herum breitet sich eine herrliche Natur aus, die Berge und der See geben die passende Kulisse. Der Fluss Luss Water schmiegt sich kurz vor seiner Mündung in das Loch Lomond an die Flanke des Ortes.
Vom Pier in Luss legen auch Wassertaxis und Ausflugsboote ab. Der Blick vom Ufer aus auf das Panorama mit dem Anleger davor ist großartig.
Aber – das gehört eben auch zur Realität von Luss – der Anleger und die Bekanntheit des Ortes machen ihn im Sommer zu einem beliebten Ziel. Auf der zentralen Straße, der Pier Road, sind dann viele Besucher unterwegs.
Das Gute aber: Zwei große Parkplätze für Besucher entlasten den Ort vom Verkehr. Viele Fußgänger, aber wenigstens kein Autoverkehr.
Im Ort gibt es mehrere kleine Sehenswürdigkeiten, die sich zu entdecken lohnen.
Luss Gin & Loch Lomond Whisky
Die lokale Brennerei produziert Ben Lomond Scottish Gin in einem modernen Gebäude. Es gibt natürlich einen Shop, in dem Besucher Flaschen und Souvenirs erstehen können. Mit unter dem Dach ist auch die Loch Lomond Whisky Experience, die Verkostungen anbietet.
Im Nebengebäude gibt es ein sensorisches Erlebnis für Gin- und Whisky-Freunde. Und natürlich serviert das Café bis in den Nachmittag hinein Erfrischungen und Snacks.
Luss Parish Church & Hogback Stone
Die kleine Kirche im Ort stammt aus dem Jahr 1875. Sir James Colquhoun ließ sie für seinen Vater errichten, der zwei Jahre zuvor ertrunken war. Das Dach soll auch an ein umgedrehtes Boot erinnern.
Die Luss Parish Church ist in einer Art gotischem Stil errichtet worden. Im Inneren sind Clan-Wappen und Buntglasfenster zu sehen. Sie wurde dem Gründer des Ortes geweiht, dem Heiligen Kessog.
Das Highlight ist aber auf dem Friedhof zu bewundern. Dort liegt ein sogenannter Hogbackstone.
Diese besondere Art von Grabsteinen ist relativ selten (Ausnahme ist die Sammlung in den Govan Stones). Dieser stammt aus dem 11. Jahrhundert (die Zuordnung auf der Infotafel vor Ort auf 1260 ist nicht korrekt). Er verweist auf anglo-skandinavische Einflüsse in der Region, die damals zum Umfeld des Königreichs Strathclyde gehörte. Es heißt, die Form würde einem typischen Wikinger-Haus entsprechen.
Auf dem Friedhof stehen übrigens noch ältere Grabsteine.
Queen’s Tree
Weiter oben an der Pier Road steht eine Roteiche mit einem Ring aus Inschriften um den Wurzelbereich. Das ist der Queen’s Tree.
Der Baum erinnert an Königin Elisabeth II. Als sie im Jahr 2015 Queen Victoria als am längsten regierende Monarchin des Königreichs ablöste, pflanzten örtliche Organisationen in Luss den Baum als Erinnerung daran.
Loch Lomond Arms
Das Luxushotel am Kopf der Pier Road fällt schon äußerlich auf: An der Fassade sind Hirschgeweihe angebracht.
Das Haus stammt aus dem 17. Jahrhundert, damals war es ein Gasthaus für Kutschen, ähnlich dem Drovers Inn rund 30 Kilometer weiter nördlich.
Wissen: Heilige, Clans und Soap-Operas
Die Gründungslegende von Luss lautet so: Ein irischer Mönch Kessog kam um 510 nach Christus nach Schottland. Also gut ein halbes Jahrhundert bevor St Columba nach Iona ging. Kessog stellte sich gut mit den Königen von Dal-Riáta und vollbrachte Wunder in der Gegend.
Er hat hier eine Kirche gegründet, damals hieß der Ort noch Clachan dubh, „schwarzes Dorf“. Als er dann durch Räuber den Märtyrertod fand, balsamierte man seinen Körper in Kräuteröl, und auf seinem Grab sollen auch Kräuter gewachsen sein. Auf Gälisch heißen Pflanzen „lus“ – daraus soll Luss geworden sein.
Die heutige Kirche ist zwar neueren Datums, aber die Grabsteine um sie herum stammen fast noch aus der Zeit des Heiligen Kessog – sie sollen bis ins 7. Jahrhundert zurückreichen.
Später hat sich hier der Clan Colquhoun niedergelassen – in etwa „ko-huun“ ausgesprochen. Ihr Wahlspruch lautet „Si je puis“ – „Wenn ich kann“. Ein recht zögerliches Motto. Die Geschichte dazu: Im 15. Jahrhundert soll der schottische König James I. den Colquhoun-Chief John aufgefordert haben, den nahen Dumbarton Rock zu erobern. Ein schier unmögliches Unterfangen, daher seine Antwort: Wenn ich kann.
Luss war im 18. und 19. Jahrhundert bekannt für seine Schiefer-Steinbrüche. Damit die Arbeiter besser leben konnten, baute der Gutsherr die Häuser aus. Das Ergebnis sieht man heute noch in Luss, auch wenn die Häuser heute nicht mehr die ganz alten sind. Aber die Dächer sind immer noch schiefergedeckt.
Wegen dieser Kulisse, der wunderbaren Kirche und des Sees wurde ab den 1980ern für zwanzig Jahre lang hier eine Soap-Opera gedreht. In „Take the High Road“ war Luss als Glendarroch bekannt. Auch das treibt heute noch Besucher in die Straßen.
Luss entdecken: Die Touren
Um alles zu entdecken, gibt es vier kurze Touren zu Fuß, die in diesem PDF abgebildet sind.
- Weg am See (15 Minuten) – führt durch das Dorf und am Ufer entlang auf ebenem, gleichmäßigem Untergrund
- Flusspfad (30 Minuten) – führt auf ebenem, gleichmäßigem Untergrund am Ufer des Luss Water entlang
- Schiefersteinbruch (30 Minuten) – führt an einer der alten Mühlen und einem Schiefersteinbruch vorbei, mit einigen steilen Abschnitten und Stufen
- Luss Heritage Walk (1 Stunde) – eine Rundwanderung durch das Dorf, am Fluss entlang und durch die umliegende Landschaft, mit einigen steilen Abschnitten und Stufen
Anfahrt
Mit Navigationsgerät: „G83 8PG“ eingeben, das bringt einen nach Luss.
Ohne Navi: Luss ist leicht zu finden. Die A82 am Loch Lomond entlangfahren und einfach auf das Hinweisschild achten. Dann auf die Straße nach Luss abbiegen. Es kommt gleich der erste Parkplatz. Hier kann schon nach einem Stellplatz gesucht werden. Falls alles voll ist, gibt es weiter im Süden einen weiteren Parkplatz. Die Kosten liegen bei rund zwei Pfund die Stunde.