Ist wildes Campen mit dem Wohnmobil in Schottland erlaubt?

Viele Wohnmobil-Seiten und Blogs vermitteln noch immer, dass freies Stehen und wildes Campen mit dem Wohnmobil erlaubt sei. Warum das so nicht stimmt, steht hier.

Hier sollte das Wohnmobil nicht stehen

Kurz vorweg: Auch wenn das jetzt alles streng klingt, soll es niemanden den Urlaub mit dem Wohnmobil vermiesen. Es geht schlicht um Konfliktvermeidung mit den Behörden oder den Menschen vor Ort.

Hier erfährst Du:

Ist in Schottland freies Stehen mit dem Wohnmobil erlaubt?

Nein! Das mag nun einigen komisch vorkommen, die immer wieder lesen, es sei erlaubt. Hier sind viele Seiten aber nicht auf Stand der Dinge. Es ist nicht per se gestattet und wird auch mehr und mehr kontrolliert und eingeschränkt.

In den meisten Fällen kommt es zu diesem Missverständnis, weil der Scottish Outdoor Access Code das wilde Campen erlaubt. Hier hören dann viele auf zu lesen, denn wenige Zeilen weiter werden Ausnahmen aufgelistet.

Und dort hat der Gesetzgeber eben sämtliche motorisierten Vehikel von diesen Zugangsrechten ausgenommen.

Camping mit Wohnmobil: Fragen und Antworten

Kann ich über Nacht auf einem großen Parkplatz stehen?

Das Kampieren auf Parkplätzen ist nicht gestattet. Als Kampieren reicht es bereits, wenn ein Stuhl vor das Wohnmobil gestellt wird. Das reine Parken ist dann erlaubt, wenn es kein Schild verbietet. Aber auf immer mehr Parkplätzen wird das „Overnight Parking“ wiederum verboten, um solche Übernachtungen zu verhindern. Oft sind auf Parkplätzen Schilder mit viel Text. Die gilt es aufmerksam zu lesen, da sich auch darin noch ein verbot oder Hinweis verbergen kann.

Warum heißt es so oft, dass freies Stehen erlaubt sei?

Früher haben sowohl Besitzer als auch Behörden gerne mal ein Auge zugedrückt und das hatte sich herumgesprochen. Dann kam die Pandemie und alles wurde anders.

Denn während 2021 fluteten Wohnmobile – hauptsächlich aus Großbritannien selbst – die Highlands. Und das, wo ein großer Teil der dortigen Infrastruktur noch geschlossen war, wie etwa offizielle Campingplätze oder öffentliche Toiletten.

Die Folge war eine ziemliche Belastung der ohnehin schon gebeutelten Bevölkerung vor Ort. Und das hat die Haltung zu Wohnmobilen und den Umgang damit noch einmal verändert. Zeitweise konnten Wohnmobile zum Beispiel nicht nach Islay übersetzen, ohne eine Campingplatz-Buchung vorzuweisen.

Fährfahrt zu den Inseln: Muss ich einen Stellplatz vorweisen?

Nein – immerhin das nicht. Diese Maßnahme war kurze Zeit während der Pandemie versucht worden. Fährbetreiber CalMac sah und sieht sich aber außer Stande, das zu kontrollieren.

Allerdings gibt es einige Inseln, die das möchten. Dazu gehören Colonsay, sowie Coll & Tiree.

Kann ich ohne Vorbuchung spontan auf eine Fähre?

Schwierig! Wer mit seinem Wohnmobil oder Wohnanhänger keine Buchung für eine Überfahrt hat, darf sich nicht auf in die Standby-Queues im Hafen stellen. Es wird dann schwer in der Nähe einen Parkplatz in der Nähe zu finden. In einigen Orten wie Oban ist es fast nicht möglich.

Heißt gerade für den Sommer: Ohne Buchung der Fähren in Voraus wird es schwer.

Abgesehen davon weist auch Calmac auf den Zeitplänen auf besondere Verhaltensregeln hin, etwa für die Äußeren Hebriden. Da steht:

Comhairle nan Eilean Siar (Western Isles Council) request that visitors in caravans, motorhomes and campervans stay in official campsites and or designated overnight spots. Plan your trip carefully by booking sites where you can and do not stay out with these campsites/overnight spots. This will help to manage numbers, alleviate pressure on our fragile environment and avoid excessive impact on our communities.
Deutsch: Comhairle nan Eilean Siar (Western Isles Council) bittet darum, dass Besucher mit Wohnwagen, Wohnmobilen und Wohnmobilen auf offiziellen Campingplätzen oder ausgewiesenen Übernachtungsplätzen übernachten. Planen Sie Ihre Reise sorgfältig und buchen Sie Plätze, wo Sie können, und bleiben Sie nicht außerhalb dieser Campingplätze/Übernachtungsplätze. Dies wird dazu beitragen, die Besucherzahlen zu kontrollieren, den Druck auf unsere empfindliche Umwelt zu verringern und übermäßige Auswirkungen auf unsere Gemeinden zu vermeiden.

Vor allem der empfindliche Machair in Strandnähe wird für viele als „toller Rasenparkplatz“ verkannt. Es handelt sich um eines der fragilsten Naturphänomene auf den Hebriden.

Hassen die Schotten Wohnmobile?

Nein. Wer sich vernünftig verhält und eben möglichst auf einem Campingplatz übernachtet oder die Erlaubnis des Besitzers einholt, der ist willkommen in Schottland.

Wohnmobil in Schottland: Daran solltest Du Dich derzeit halten

Es gibt tolle Plätze, an denen das Stehen mit Wohnmobil und -anhänger erlaubt ist

Durch das Boomen der Campervans und Wohnmobile in den letzten Jahren, ist die große Freiheit nicht mehr immer möglich. So nimmt Fährbetreiber Calmac keine Wohnmobile und Wohnwägen ohne Buchungen mehr mit.

Folgende Vorbereitungen sind also angebracht:

  • Vorbuchen aller Fähren zu den Inseln
  • frühzeitiges (!) Vorbuchen von Campingplätzen

Vor Ort sollte man beachten:

  • bei freiem Stehen muss vorher der Landbesitzer um Erlaubnis gefragt werden
  • Abwasser (auch Spülwasser) und chemische Toilette sind beide ausschließlich und nur an entsprechenden Abfallentsorgungsstellen zu entsorgen
  • So hinstellen, dass niemand behindert wird zu keiner Zeit
  • Auch wenn es erlaubt scheint: Niemals einen Parkplatz an einem Friedhof nutzen
  • Darauf achten, dass andere Menschen die Landschaft auch genießen möchten
  • Übrigens: Im Highway Code unter Punkt 169 wird vorgeschrieben, dass man Autos hinter einem passieren lassen muss: „Do not hold up a long queue of traffic, especially if you are driving a large or slow-moving vehicle. Check your mirrors frequently, and if necessary, pull in where it is safe and let traffic pass.“

Gesetze zum freien Stehen und Übernachten mit Wohnmobilen

Es gibt drei wichtige Gesetze und Regelungen, die sich auf das freie Stehen und Übernachten mit dem Wohnmobil in Schottland beziehen – und Achtung: die schottischen Regeln weichen teils von denen im restlichen United Kingdom ab.

Scottish Outdoor Access Code

Der Scottish Outdoor Access Code ist eine Richtlinie, die auf dem Land Reform Act von 2003 basiert. Eine Passage scheint dabei für die größten Missverständnisse bezüglich Campings zu sorgen. Denn im Scottish Outdoor Access Code wird das Kampieren auf dem Land grundsätzlich als erlaubt betrachtet: in kleiner Zahl an Menschen, nicht länger als drei Nächte und mit leichter Ausrüstung.

Der wichtige Teil für Wohnmobil-Reisende wird aber so beschrieben:

7 Access rights do not extend to: […]
any form of motorised recreation or passage (except by people with a disability using a vehicle or vessel adapted for their use);

Das schließt auch Wohnanhänger mit ein. Der Outdoor Access Code definiert freies Stehen und Übernachten in einem Wohnmobil also nicht als wildes Camping.

Land Reform (Scotland) Act 2003

Der Land Reform (Scotland) Act 2003 bildet die Basis für den Scottish Outdoor Access Code. Da der Grund & Boden – übrigens auch Strände – sich meist in Privatbesitz befinden, braucht es diese Regelung, damit Menschen überhaupt spazieren und wandern dürfen. Hier werden aber, wie dann im Access Code ausgeführt, motorisierte Vehikel ausgenommen von den Zugangsrechten, die Fußgängern und Radfahrern gewährt wird.

Road Traffic Act 1988

Er macht schließlich das klar, was vielen nicht bewusst ist. Nämlich, dass man die öffentlichen Straßen an sich gar nicht verlassen darf.

Section 34:
Prohibition of driving mechanically propelled vehicles elsewhere than on roads.
(1)Subject to the provisions of this section, if without lawful authority a person drives a mechanically propelled vehicle—
(a)on to or upon any common land, moorland or land of any other description, not being land forming part of a road, or
(b)on any road being a footpath, bridleway or restricted byway,
he is guilty of an offence.

Eine kleine Erlaubnis erfolgt später:

It is not an offence under this section to drive a mechanically propelled vehicle on any land within fifteen yards of a road, being a road on which a motor vehicle may lawfully be driven, for the purpose only of parking the vehicle on that land.

Heißt: Man kann sich rund 14 Meter von der Straße entfernen, um zu parken. Wobei hier eben wieder nicht das Kampieren gemeint ist.

Nach Abschnitt 22 ist es eine Straftat, ein Fahrzeug oder einen Anhänger in einer Position abzustellen oder zu belassen, die eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer darstellt.

Eine Infobroschüre für Landverwalter fasst alles noch einmal zusammen (übersetzt auf Deutsch):

Schlafen in Wohnmobilen, Wohnwagen, Autos und anderen motorisierten Fahrzeugen:
(a) Übernachten und Parken in Wohnmobilen, Wohnwagen, Autos und anderen motorisierten Fahrzeugen
(b) Die Zugangsrechte erstrecken sich nicht auf diese Tätigkeiten, da Kraftfahrzeuge von den Rechten nach dem Gesetz ausgeschlossen sind (Abschnitt 9.f), und diese Aktivitäten in einem motorisierten Fahrzeug stattfinden.
(c). Die Nutzung und das Abstellen von Wohnmobilen und Autos auf Straßen und Parkplätzen unterliegt im Allgemeinen den Straßenverkehrsgesetzen und -vorschriften. Es gab in jüngster Zeit Veränderungen in Bezug auf die Gültigkeit der meisten „No Overnight Parking“-Schilder an Straßen und Parkbuchten im Rahmen dieser Verkehrsvorschriften in Schottland.
Das Parken eines Kraftfahrzeugs abseits der Straße, auf dem Seitenstreifen oder auf angrenzenden Grundstücken kann als Hausfriedensbruch gelten, wenn keine Erlaubnis oder rechtmäßige Befugnis vorliegt – siehe Road Traffic Act 1988 s.34(5).
Das Gesetz sieht vor, dass Nebengesetze im Rahmen des Gesetzes (Abschnitt 12) die Benutzung von Fahrzeugen regeln oder verbieten können, um die Interessen von Personen zu schützen und zu fördern, die Zugangsrechte ausüben oder ausüben könnten; und Nebengesetze im Rahmen der Nationalparkgesetzgebung können die Benutzung von Fahrzeugen außerhalb einer Straße regeln.