Isle of Jura – Sehenswürdigkeiten, Klima, Anreise

Mehr Hirsche als Menschen – die Isle of Jura bietet Einsamkeit in großartiger Natur. Warum sich ein Besuch lohnt und was die Insel sonst noch ausmacht.

Isle of Jura von Islay aus
Isle of Jura von Islay aus

Infos zur Isle of Jura:

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Wild, bergig und einsam – so lässt sich die Isle of Jura gut beschreiben. Nicht einmal 200 Menschen leben hier, die sich auf der 44 Kilometer langen und 12 Kilometer breiten Insel verteilen. Zum Vergleich: Juras Nachbar Islay ist mit fast 3.300 Einwohnern dagegen dicht besiedelt.

Warum also so wenig Menschen? Zum einen, weil Jura nicht so fruchtbar ist wie Islay. Zum anderen nehmen die Paps of Jura, die drei Berggipfel in der Mitte der Insel einen gewissen Raum ein.

Paps of Jura
Paps of Jura

Von den drei Bergen sind meist nur zwei sichtbar und die runde Form der beiden hat ihnen ihren Namen beschert: „Paps“ kommt aus dem Altnordischen und bezeichnet die weiblichen Brüste.

Auch der Name der Insel kommt von den Wikingern und soll „Insel der Hirsche“ bedeutet. Kein Wunder: Über 5.000 Hirsche sollen hier leben. Andere Deutungen sagen, Jura hieße eigentlich „Insel der wilden Tiere“. So oder so: Als Besucher muss man schon viel Pech haben, kein Rotwild zu sehen.

Hirsche auf Jura
Hirsche auf Jura

Außerdem leben auf der Isle of Jura noch etliche Seeadler, Steinadler, Reiher, Schlangen und Otter.

Eine einzige Straße führt vom Fährhafen Feolin im Westen der Insel über die Südspitze den Westen hinauf vorbei am Hauptort Craighouse und weiter nach Norden bis sie hinter Ardlussa schließlich endet und zum Feldweg wird.

Die meisten Einwohner ballen sich im Hauptort Craighouse im Osten der Isle of Jura. Hier steht auch die Destillerie und gegenüber das einzige Hotel.

Das Jura Hotel in Craighouse

In Craighouse vereint sich alles, was die Insel am Laufen hält, wie die Tankstelle und der Community Store.

Community Store
Community Store

Für Snacks oder Café und Kuchen bietet sich The Antlers in Craighouse an.

The Antlers
The Antlers

Abseits des Hauptortes wird es einsam. Ardlussa weiter im Norden bietet noch eine kleinere Siedlung. Doch das ist es dann schon. Gut für Wanderer, denn die lieben die Insel für ihre Routen. Beliebt ist etwa der Evans‘ walk. und natürlich auch der Aufstieg zu den Paps of Jura, der aber nur von geübten Wanderern gewagt werden sollte.

Ganz Süden gibt es noch das Jura House auf dem Ardfin Estate. Von der Straße aus ist es kaum zu sehen – und das will der Besitzer, der Milliardär Greg Coffey, auch gar nicht. Sein Geld hat er mit Hedgefonds gemacht und später Teile der Insel gekauft. Er schloss die damals berühmten Jura House Gardens und eröffnete stattdessen einen 18 Loch Golfplatz, auf dem aber nur er und seine Freunde spielen dürfen. Im ehemaligen Stallgebäude hat er ein sieben Sterne Hotel eingerichtet – auch eher für Freunde.

Jura House Stallungen
Jura House Stallungen

Isle of Juras Sehenswürdigkeiten

Die Sehenswürdigkeiten als Übersicht auf der Karte:

Camas an Staca

Camas an Staca
Camas an Staca

Viel ist nicht bekannt zum Monolithen „Camas an Staca“. Er ragt 3,5 Meter auf und ist 1,2 Meter breit. Hinter ihm sieht der Besucher die Meeresenge von Islay und dessen Steilküste. Der Stein steht rund 225 Meter südwestlich der Straße, ein Wegweiser zeigt einem die Richtung. Achtung, der Pfad führt durch offenes, ergo matschiges Gelände.

Jura Distillery

Jura Distillery
Jura Distillery

Bereits seit 1810 gab es an dieser Stelle eine Destillerie für den Isle of Jura Whisky. Doch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war erst einmal Schluss, dem damaligen Besitzer ging das Geld aus. 1963 aber eröffneten zwei Inselbewohner die Brennerei erneut und seitdem wird wieder produziert. Besucher können hier an Touren teilnehmen, die am besten über die Webseite vorher gebucht werden.

Öffnungszeiten:
April-Oktober
Mo-Sa: 10:00-16:30 Uhr
So: geschlossen
November-März
Mo-Fr: 10:00-16:00 Uhr
Sa & So: geschlossen

Eintritt:
Tour: zwischen 6 und 25 Pfund je nach Art der Tour

The Whisky Island Gallery and Studio

The Whisky Island Photostudio
The Whisky Island Photostudio

Wie die Isle of Jura und auch Islay bei Nacht aussehen, wenn die Aurora darüber scheint, wie sie sich im Winter zeigt oder von oben aus dem Flugzeug – in der Isle of Jura Gallery & Studio stellt Fotograf Konrad Borkowski seine Werke aus. Der in Polen geborene Künstler war schon für etliche bekannte Printmagazine in der ganzen Welt unterwegs, ehe er sich auf Jura niederließ. Seine Bilder in der kleinen Ausstellung zeigen übrigens auch Aufnahmen aus Destillerien, für deren Werbe-Shootings er gebucht war. Und freilich kann der Besucher hier Bilder, Kühlschrankmagneten oder Fotoalben kaufen.

Öffnungszeiten:
Bis Oktober
Mo-Fr: 10:30-17:00 Uhr
Sa: 11:00-15:00 Uhr

Eintritt: frei

Jura Parish Church/Keils Church

Jura Parish Church
Jura Parish Church

Sie sieht sehr einfach aus, die Gemeindekirche von Craighouse. Doch steht sie immerhin schon seit 1777 an diesem Ort. In der Kirche ist besonders das runde Buntglasfenster mit dem Wappen der Campbells interessant. Oben im Haus ist zudem eine kleine Photoausstellung, die alte Aufnahmen mit dem Leben auf Jura in Schwarzweiß zeigt. Einige Gebäude, die heute verfallen am Straßenrand stehen, sind dort intakt und mit Personen abgebildet. Zum Beispiel die alte Schule. Der Aufgang zu dieser Ausstellung liegt hinter der Kirche über eine eigene Treppe.

Öffnungszeiten:
täglich immer, Gottesdienst So 11:30 Uhr

Kilearandale Burial Ground

Keils Graveyard
Keils Graveyard

Am meisten fällt hier freilich das kleine Mausoleum auf. Es wurde 1838 erbaut und wacht über die sterblichen Überreste der Campbells of Jura. Der Friedhof ist allerdings wesentlich älter, was einige Grabsteine beweisen, die die typisch mittelalterlichen Verzierungen aufweisen, wie sie etwa auch bei Kildalton oder Finlaggan auf Islay zu sehen sind.

Angeblich soll sogar der Heilige Ernan aus dem 6. Jahrhundert hier begraben liegen. Er war immerhin der Onkel von St Columba, demjenigen, der das Christentum nach Schottland brachte.

Corran Sands

Corran Sands
Corran Sands

Ein wunderbarer langer Sandstrand ein Stück nördlich von Craighouse. Die Bucht war früher auch ein guter Hafen, um Rind zu verschiffen. Und leider war es auch dieser Strand, von dem aus viele Einwohner Juras im Zuge der Highland Clearances auswanderten.

Lussa Gin

Lussa Gin
Lussa Gin

Im Jahr 2015 taten sich drei Frauen zusammen, um Gin zu brennen. Das Ergebnis heute ist der Lussa Gin, eine echte Erfolgsgeschichte der Isle of Jura im Ort Ardlussa. Georgina Kitching, Claire Fletcher und Alicia MacInnes wissen dabei nicht nur viel über die Kräuter und Pflanzen der Insel, sondern auch über deren Geschichte.

Touren:
Mo-Fr: 11:30 und 14:30 Uhr (vorher besser nachfragen)

Corryvreckan

Die Welle "Great Race"
Die Welle „Great Race“

Der Corryvreckan liegt im Norden der Insel und ist immerhin der drittgrößte Mahlstrom der Welt. Er kann zu Fuß durch eine lange Wanderung von Lealt aus erreicht werden. Wenn er dank passender Gezeitenlage richtig aktiv ist, kann man ihn da sogar hören. Leichter und sogar interessanter ist eine Bootstour in den Strudel. Touren bietet Jura Boat Tours zwischen März und September von Craighouse aus an.

Nicht immer sieht man einen Strudel deutlich, aber in dem Schlauchboot mit festem Boden (RIB), wird einem die Gefahr des Ortes schnell klar. Zudem gibt es hier stehende Wellen, wo Strömungen gegen Fels auflaufen. In jedem Fall ist der Corryvreckan eine Erlebnis. Preise liegen bei zirka 40 Pfund pro Person.

Mehr Info Bilder und Erlebnisbericht zum Corryvreckan hier.

Beste Reisezeit: Wetter und Klima

Die Isle of Jura hat mit den Paps drei hohe Berge. Natürlich fangen sich daran auch Regenwolken, dennoch hat die Insel nicht wesentlich mehr Niederschlag zu verzeichnen als der Nachbar Islay.

Auch hier gilt: Der Wonnemonat ist der Mai. Die Tage sind lang und der Regen gering. Allerdings sind das eben Durchschnittswerte. Und so kann es eben genau einmal einen regenreichen Mai und einen trockenen Dezember geben.

Die monatlichen Durchschnittswerte bei Craighouse
Die monatlichen Durchschnittswerte bei Craighouse

Anreise: Fähren zur Isle of Jura

Es gibt zwei Fähren nach Jura. Wer das eigene Auto auf die Insel mitnehmen will, muss über die Feolin-Ferry kommen, die von Port Askaig auf Islay ablegt. Man muss also mit dem Auto zunächst nach Islay anreisen.

Die Feolin-Ferry braucht gerade mal 5 Minuten über den Caol Ìle, die Meerenge zwischen Islay und Jura. Dabei muss sie stets gegen die starke seitliche Strömung kämpfen.

Die Fähre in Feolin
Die Fähre in Feolin

Die Überfahrt mit Rückfahrt kostet zirka 16 Pfund mit Auto und zirka 4 Pfund zu Fuß. Die Fähre verkehrt zwischen alle 6:30 und 18:30 Uhr relativ unregelmäßig, aber ungefähr alle halbe Stunde. Die genauen Daten stehen auf dieser Webseite.

Wer direkt von Festland zu Fuß nach Craighouse will, nimmt die Passagierfähre von Tayvallich aus. Sie fährt viermal täglich und benötigt 50 Minuten für den Weg. Die einfach Fahrt kostet zirka 20 Pfund. Mehr Infos auf der Webseite.

Einen Flughafen gibt es auf Jura nicht.

Geschichte Juras: Von Wikingern und Campbells

Einst war die Isle of Jura ein Paradies. Ein Paradies für Jäger und Sammler, die um 8.500 vor Christus hier ankamen und sich am Wild und den Meeresfrüchten bedienten. Beweise dafür liefern unter anderem Pfeilspitzen, die bei Lussa gefunden wurden. Damals war Jura bedeckt mit Wald.

Das sollte sich dann in der Jungsteinzeit ändern, als die Menschen begannen Landwirtschaft zu betreiben. Bis 1.000 vor Christus waren viele Wälder abgeholzt und Torf begann der Insel die heutige Form zu geben. Aus dieser Zeit und der Bronzezeit stammen auch einige der stehenden Steine (der in Craighouse ist aus moderner Zeit).

Standing Stone Tarbert, Jura
Standing Stone Tarbert, Jura

Während des frühen Reiches Dalriada wurde Jura kaum schriftlich erwähnt. Aber die Insel lag mitten im Reich und es gibt klare Hinweise auf die frühen Missionare, die das Christentum nach Schottland brachten.

Die Wikinger drückten der Insel ihren Stempel schon mit den Namen auf. Jura und Paps, beide kommen aus der alten nordischen Sprache. Später war Jura ein Teil des Kingdom of the Isles und später der Lords of the Isles, die von der Nachbarinsel Islay aus regierten.

Im Süden der Isle of Jura sieht der Besucher noch deren Spuren. Auf der Fraoch Eilean, der „Heide Insel“, lassen sich noch die Reste der Claig Castle erkennen. Zu sehen von der Straße aus – wenn man es weiß.

Claig Castle
Claig Castle

Nachdem die MacDonalds nach dem Zerfall der Lords of the Isles stückweise ihr Land abgeben mussten, übernahmen die Campbells auch auf Jura die Macht.

Campbell Wappen in der Kirche von Craighouse
Campbell Wappen in der Kirche von Craighouse

Im 19. Jahrhundert war Jura noch keine einsame Insel: rund 2.300 Menschen lebten hier noch im Jahr 1831. Doch über die nächsten Jahrzehnte wanderten viele aus, teils getrieben von Hunger, als die Kartoffelfäule in den Jahren um 1845 zuschlug. Dazu kamen Umsiedlungen und neue Chancen sowohl auf dem Festland als auch in Übersee.

Doch auch die Campbells mussten irgendwann weichen. 1938 verkauften sie die letzten Ländereien auf der Insel.

Erwähnenswert ist ein späterer Bewohner: Der Schriftsteller Eric Blair, besser bekannt als George Orwell, schrieb von 1946 bis 1948 seine Dystopie „1984“ im Barnhill House im Norden Juras. Er wäre übrigens fast bei einer Segeltour im Corryvreckan umgekommen.