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Glasgow: Sehenswürdigkeiten und Infos

Einst war Glasgow das schmuddelige Sorgenkind Schottlands. Heute jedoch ist die Stadt ein lohnenswertes Ziel für Besucher. Warum, steht hier.

Glasgow Clydefront

Infos zu Glasgow:

» Sehenswürdigkeiten
» Einkaufen
» Bus & Bahn
» Geschichte

Glasgow galt einst als die Mörder-Hauptstadt Westeuropas. Doch das hat sich seit Beginn des neuen Jahrhunderts gründlich geändert. Aus dem einstigen „Sorgenkind“ Glasgow ist nun Schottlands sympathischste Stadt geworden – nicht immer schön und glatt, sondern ehrlich und rau. Genau das macht Glasgow so authentisch.

Glasgow ist also eine Reise wert. Zur Orientierung kommen hier die schönsten Sehenswürdigkeiten der westschottischen City. Außerdem gibt es Informationen zu den Bewohnern und dem Dialekt. Schließlich kommt noch ein Abriss der Geschichte Glasgows, der wiederum stark mit den Sehenswürdigkeiten der Stadt verknüpft ist. All das illustriert durch viele Fotos.

Menschen: Schottlands größte Stadt hat die freundlichsten Einwohner

Der Census 2011 zählte noch 593.245 Einwohner, für 2014 schätzt man die Zahl schon auf knapp 600.000 Menschen. Glasgow ist damit tatsächlich noch deutlich größer als die Hauptstadt Edinburgh mit ihren zirka 492.680 Einwohnern.

Aber Glasgow hat auch noch immer ein Image-Problem, denn gerade in den 1990ern hat es sich einen Ruf erworben als schmutzige Stadt mit hoher Kriminalität. Dieses Problem geht die Stadtverwaltung jedoch offensiv an. Die Kampagne „People make Glasgow“ – zu Deutsch „Die Menschen machen Glasgow aus“ – bewirbt mit vielen Partnern zusammen ein positives Image. Mit Erfolg: Eine Erhebung von Roughguides in den sozialen Netzen hat Glasgow zur „freundlichsten Großstadt 2014“ gekürt.

People make Glasgow Banner
„People make Glasgow“-Banner am George Square

Übrigens erscheint Glasgow auch als Internet-freundliche Stadt: Im gesamten Zentrum gibt es freien Zugang über WLAN, der mal gut, mal weniger gut funktioniert.

Kriminalität: Glasgow ist immer noch Schottlands gefährlichste Stadt

Obwohl sich das Image verbessert und obwohl sich Besucher der Stadt im Zentrum recht sicher fühlen können, darf man diese negative Seite Glasgows auch nicht verschweigen.

Im Jahr 2014 kamen gerechnet auf 10.000 Einwohner im Schnitt 892 Verbrechen. Davon sind 26 jeweils schwere körperliche Angriffe gewesen. Zum Vergleich: In Edinburgh sind es nur 18. Doch das alles hat nichts mehr mit der einstigen Gewalt in den 1990ern zu tun. Die Kriminalität insgesamt ist in Schottland derzeit auf dem niedrigsten Niveau seit 40 Jahren. In Glasgow sank sie um satte vier Prozent – im Gegensatz zu Edinburgh, wo die Rate anstieg. Raubüberfälle gerade in den Großstädten haben deutlich abgenommen.

Allerdings findet diese Gewalt meist zwischen Bandenmitgliedern statt in Randbezirken der Stadt, in die sich kaum Touristen verirren.

Dennoch: Besucher sollte wie überall eine gewisse Vorsicht walten lassen. Zumal gerade sexuelle Übergriffe leider etwas angestiegen sind.

Dialekt: Glaswegian oder Glasgow Patter

Glasgows Einwohner haben eine herrliche Sprachmelange entwickelt, zu der Iren, Highlander und Lowlander etwas beigetragen haben. „Glaswegian“ oder „Glasgow Patter“ zählt jedoch offiziell zu „Scots“, der Sprache der Lowland-Schotten.

Worte wie „a wee bit“ für „ein klein wenig“ sind noch die geringsten Hindernisse im Verständnis. Wenn ein echter Bürger Glasgows allerdings loslegt, kommt der deutsche Besucher mit seinem Schulenglisch nicht mehr mit.

Einen kleinen Kurs in Glaswegian könnt Ihr hier ansehen:

Sehenswürdigkeiten: Glasgows Geschichte sorgt für beeindruckende Vielfalt

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In seiner Geschichte erlebte Glasgow Auf und Abs, die für jede Epoche deutliche Spuren hinterlassen haben. Und so wirkt Glasgow ein Stück härter und gezeichneter als Edinburgh, auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz so glatt und schön.

Und doch steht die Architektur Glasgows der Edinburghs in keiner Weise nach. Der Mix ist nur etwas seltsam. Man findet alte Bauten aus dem 17. Jahrhundert, viele aus dem viktorianischen Zeitalter, gleich neben Meisterwerken der Moderne.

Übrigens: In einigen der schönsten Gebäude Glasgows befinden sich Museen und Kunstsammlungen. Hier kommt eine zweite Besonderheit Glasgows zu tragen: Alle städtischen Museen kosten keinen Eintritt.

Schnell-Überblick: Einige von Glasgows wichtigsten Sehenswürdigkeiten

Hier eine Auswahl der aus meiner Sicht wichtigsten Sehenswürdigkeiten Glasgows, jeweils mit Bild.

George Square und die City Chambers

City Chambers/George Square
City Chambers/George Square

Das Zentrum Glasgows. Direkt daneben liegt Queen Street Station und damit auch eine wichtige Zentrale des Nahverkehrs. Fast alle Busse fahren am George Square vorbei, der von vier pulsierenden Straßen eingegrenzt wird. An seinem Westende liegen die beeindruckenden City Chambers, also das Rathaus von Glasgow. So oder so: Man kommt eh nicht an dieser Sehenswürdigkeit vorbei.

Kelvingrove Art Gallery and Museum

Kelvingrove Halle
Kelvingrove Halle

Außen hui … innen auch! Kelvingrove hat eine beeindruckende rote Fassade, innen finden sich wunderbare Hallen mit großartigen Leuchtern und interessanten Ausstellungsstücken. Für Alle ist etwas dabei: Kunst, Technik und Natur. Und auch hier gilt wie bei allen öffentlichen Museen Glasgows: Eintritt frei.

Mehr Infos zu Kelvingrove Art Gallery and Museum hier.

University of Glasgow

Innenhof der University of Glasgow
Innenhof der University of Glasgow

Die zweitälteste Universität Schottlands (nach St Andrews) besteht seit 1451. Über die Jahrhunderte hat sie sich vergrößert und ist nun auch ein Genuss für das Auge. Man kann sich auf dem Campus herumtreiben oder an einer Führung teilnehmen. Besonders schön anzusehen sind die Cloisters. „Cloister“ ist an sich ein klösterlicher Kreuzgang. Da die tragenden Säulen unter einem der Gebäude ähnlich aussehen, trägt dieser Bereich diesen Spitznamen.

In der Universität gibt es den wunderschönen Bute-Saal, der allerdings nur selten zu besichtigen ist. Kostenlos besuchen kann man dagegen das Hunterian-Museum in der Universität, dessen Saal und Ausstellungsgegenstände ebenfalls wunderschön sind. Gegenüber der Hauptgebäude über der Straße befinden sich weitere Ausstellungen, zum Beispiel auch das Charles Rennie Mackintosh Haus, das durch seine besondere Innenausstattung im Jugendstill glänzt.

Botanischer Garten

Botanischer Garten
Botanischer Garten

Bereits 1817 wurden die Glasgow Botanic Gardens gegründet. Seitdem sammeln die Gärtner dort Pflanzen aller Art. Bis 1873 errichtete John Kibble dann die einzigartige viktorianische Glaskonstruktion, die heute zu sehen ist. Und auch hier gilt: Eintritt frei!

Die Necropolis

Glasgow Necropolis
Glasgow Necropolis

Glasgows Stadt der Toten beherbergt 50.000 (ehemalige) Bürger. Die reichsten davon haben sich mit wunderbaren Grabanlagen verewigen lassen. Mehr Details im ausführlichen Beitrag hier.

St Mungos Cathedral

St Mungo's Cathedral innen
St Mungo’s Cathedral innen

Gleich neben der Necropolis steht die herrliche Kathedrale des Stadtgründers St Mungo. Sie ist auch von Innen sehr sehenswert.

Riverside Museum und das Tall Ship

Riverside Museum und die Glenlee
Riverside Museum und die Glenlee

Neuste Bauarchitektur am River Clyde: Im Riverside Museum ist vor allem die Verkehrsgeschichte ausgestellt. Dazu gehören aber zum Beispiel auch Kinderwägen oder Spielzeuge. Außerdem sind ganz Straßenzüge des alten Glasgow nachgebaut. Ein Highlight liegt vor dem Gebäude auf dem Fluss: Die Glenlee ist ein riesiges Segelschiff, das mehrmals die Welt umrundet hat. Und Besucher können auch hier kostenlos an Bord kommen und das Schiff von außen und innen bestaunen.

Gallery of modern Art

Gallery of modern Art
Gallery of modern Art

Mitten im Zentrum Glasgows steht die GoMA, wie sie abgekürzt genannt wird. Vor ihr steht eine Statue des Duke of Wellington, die meist ein Verkehrshütchen trägt – hier wird schon klar: Respekt vor konservativer Kunst ist hier nicht angebracht. Und das Innere der Galerie bestätigt es: moderne Kunst in wechselnden Ausstellungen. Und wieder ist der Eintritt kostenlos.

Glasgow Science Centre, SECC, das Gürteltier und das Clyde Arc

Glasgow Science Centre
Glasgow Science Centre

Das Gebäude des Glasgow Science Centre sieht aus, wie ein Stück Zitrone auf einem Schnitzel. Das moderne Gebäude liegt direkt am River Clyde im Westen der Stadt, darin können Besucher die Auswirkungen wissenschaftlicher Entdeckungen erkunden – meist mit lustigen Spielzeugen. Darum ist das Science Centre durchaus auch für Kinder geeignet. Gleich daneben befindet sich der größte komplett schwenkbare Turm und das IMAX-Kino. Der Eintritt kostet nichts.

Es lohnt sich auf jeden Fall im Anschluss einen Spaziergang am Clyde zu unternehmen, denn hier ballt sich moderne Architektur, wie das SECC, das „Armadillo“, zu Deutsch „Gürteltier“, der gigantische Finnieston Crane und die Brücke „Clyde Arc“. All das ist übrigens ganz oben auf dieser Seite als Bild zu sehen.

Glasgow Green und People’s Palace

Peoples Palace
Peoples Palace

Ein Palast für das Volk in einem Park mitten in der Stadt. Das Glasgow Green stammt noch aus dem 15. Jahrhundert, der Volkspalast wurde 1898 eröffnet und sollte ein kulturelles Zentrum für Glasgows Osten sein. Heute ist darin ein Museum, das das Leben von Damals zeigt, eine Gartenanlage unter einer wunderbaren Glaskonstruktion mit einem Café. Auch der Eintritt in den Volkspalast und sein Museum kostet den Besucher nichts.

Zum Glasgow Green und den People’s Palace gibt es hier noch genauere Infos.

NATÜRLICH sind das nicht alle Sehenswürdigkeiten, sondern nur einige, die es in Glasgow gibt. Ich freue mich, wenn Ihr in den Kommentaren schreibt, was Euch am besten gefallen hat, wenn Ihr schon einmal in Glasgow wart.

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Shopping-Tour: Einkaufen in Glasgow

Natürlich gibt es in der Innenstadt schon ab dem George Square gute Einkaufmöglichkeiten. Eine der Shopping-Meilen ist die Buchanan Street, an der auch das Buchanan Quarter und die Buchanan Galleries liegen.

Fußgängerzone Buchanan Street
Fußgängerzone Buchanan Street

Die Buchanan Street verläuft übrigens zwischen zwei großen Einkaufzentren. Am Ennoch Square steht das gleichnamige große Einkaufcenter anschließt.

St Ennoch Centre innen

Am anderen Ende die Buchanan Galleries, mit der Royal Concert Hall darin.

Buchanan Galleries
Buchanan Galleries

Tipp: Für eine Pause in einem besonderen Glasgow Ambiente, kann man sich in den Willow Tearoom setzen. Der ist zwar nicht unbedingt günstig, aber die Einrichtung wurde von Charls Rennie MackIntosh entworfen:

Willow Tearoom
Willow Tearoom

Alternativ kann man sich in die Byres Road im Westen der Stadt begeben. Sie hat nicht nur Geschäfte, sondern auch Bars und Restaurants zu bieten.

Byres Road
Byres Road Nebenstraße

Am Nordende der Byres Rd, Ecke Great Western Road, steht übrigens Oran Mòr, eine umgebaute Kirche, die nun ein gehobeneres Pub beherbergt. Hier gibt es Livemusik, gutes Essen und bezahlbaren Whisky. Dementsprechend kann es auch mal recht voll sein. Wir haben es aber auch schon fast leer an einem Sonntag Abend genossen.

Oran Mòr
Oran Mòr

Aus meiner Sicht kaum noch zu empfehlen ist dagegen der altehrwürdige Markt Barras, der noch immer bei Stadtrundfahrten als Station angefahren wird. War er vor gut 20 Jahren noch interessant und sehenswert, empfinde ich ihn mittlerweile als abstoßend. Es findet sich mehr Müll als Ware dort.

Barras
Barras

Öffentliche Verkehrsmittel: Glasgow erkunden

Glasgow ist die einzige schottische Stadt mit einer U-Bahn-Linie, und das schon seit dem Jahr 1896. Damals noch als Kabelbahn, wurde die Strecke in den 1930ern elektrifiziert. Glasgow war mit der U-Bahn im europäischen Vergleich sehr früh dran. Nur London, Istanbul und Budapest eröffneten ihre Untergrundschienen früher.

Heute wird kommt man mit der Subway einmal um den Stadtkern von Glasgow – sie ist damit ein ausgezeichnetes Bewegungsmittel für Besucher. Betrieben wird sie von Strathclyde Partnership for Transport (SPT), die auch einige Buslinien an den U-Bahn-Stationen vorbeiführen. Dazu kommen weitere Busunternehmen, die quer durch die Stadt fahren. Am bekanntesten sicher SimplyCity, die über ein ausgeprägtes Netz verfügen. Ein Konkurrent sind die Glasgow CityBusses, die etwas weiter rausfahren.

Ebenso verbindet die Scottish Railway die Vororte und etwas weiter außen gelegen Bezirke der Stadt mit vielen Linien, die entweder in der Central Station oder Queen Street Station enden. Beide befinden sich mitten im Stadtkern.

Zug in Glasgow
Zug in Glasgow

Mein Tipp: City Sightseeing Glasgow klappert im Uhrzeigersinn die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt ab und hält dort auch jeweils. Die Tour startet direkt am George Square, der Mitte Glasgows, fährt erst in den Westen, kommt anschließend noch einmal am George Square vorbei ehe der Bus in den Osten weiterfährt. Die Touren starten etwa alle 20 Minuten.

Um einen Überblick zu gewinnen und als Einstieg, kann ich diese Rundfahrt wirklich empfehlen. Das Ticket ist mit 15 Pfund (stand 2017) zunächst recht teuer, doch es lohnt sich, wenn man das 15 Pfund teure Zweitagesticket kauft und damit dann auch am nächsten Tag noch von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit fährt.

Geschichte Glasgows

Gründung durch St Mungo

Eine erfolgreiche Stadt braucht eine gute Gründungslegende. Am besten einen Heiligen. St Mungo liefert diese Legende für Glasgow. Um 600 nach Christus etwa, soll er in der Gegend um den Fluss Clyde gewirkt haben. Drei Wunder soll er dabei vollbracht haben: Ein totes Rotkehlchen soll er zum Leben erweckt haben und ein Feuer mit einem gefrorenen Haselzweig entfacht haben.

St Mungos Cathedral
St Mungos Cathedral

Das dritte Wunder hatte mit der Königin Languoreth von Cadzow zu tun – Cadzow liegt etwa 20 Kilometer südlichöstlich von Glasgow in South Lanarkshire. Ihr König schenkte ihr einen Ring, den sie einem Ritter gab. Der verärgerte Gemahl stahl den Ring und warf ihn in den Clyde. Danach bedrohte er seine Königin, dass er sie töten würde, falls sie ihm den Ring nicht zeigen könne. Die Königin wandte sich an St Mungo um Hilfe. Der befahl seinen Schülern, sie sollen am Clyde fischen und ihm den ersten Fang bringen. Gesagt, getan. Mungo nahm den ersten Fisch und der trug prompt den Ring im Maul. Die Königin war gerettet.

Abgesehen davon, dass er Wunder wirkte, richtete St Mungo beim Flüsschen Molindar auch eine Diözese ein. Angeblich soll er vom Papst selbst eine Glocke für seine Kirche erhalten haben. Hier starb Mungo und hier wurde er beerdigt. Der Molindar fließt heute unterirdisch an der Necropolis vorbei, der einstige Bischofssitz ist heute St Mungo’s Cathedral.

St Mungos Wunder in der Lampe
St Mungos Wunder in der Lampe

All die Geschichten um Mungo finden sich in Glasgows Stadtwappen wieder. Zuoberst steht Mungo selbst, dann kommt das Rotkehlchen, das auf dem Baum sitzt (der Baum steht für den Haselstrauch), an dessen Wurzeln der Fisch mit dem Ring im Maul liegt. Rund um die Kathedrale von St Mungo findet man diese Symbole auch an den Straßenlampen.

Passend dazu gibt es die Zeilen:

Here is the bird that never flew
Here is the tree that never grew
Here is the bell that never rang
Here is the fish that never swam.

Mungo war übrigens nur der Spitzname des Heiligen. In südlichen Gefilden der britischen Insel ist er als Kentigern bekannt.

Aufstieg im Mittelalter

Die Niederlassung von St Mungo wuchs entlang des Molindar Burn bis hinunter zum River Clyde, wo sie sich dann bald mit den dortigen Fischersiedlungen verband. Durch Straßenkreuzungen bildeten sich weitere Ballungszentren. Eines der wichtigsten entstand dort, wo heute das Mercat Cross steht.

Mercat steht für den Marktplatz, der hier entstand und die Namen der Straßen Saltmarket und Trongate weisen noch darauf hin. Erste kommt vom Lachs-Pökeln mit Salz, zweite bezeichnet mit „trone“ eine Waage. Die Endung „-gate“ übrigens hat nichts mit etwaigen Stadttoren zu tun – Glasgow besaß nie eine Stadtmauer -, sondern bezeichnet einfach eine Straße. Es ist wohl eng verwandt mit der deutschen „Gasse“. Wohin die Gallowgate dann führte, dürfte klar sein … an den Galgen.

Im 16. und 17. Jahrhundert war die Gegend um das heutige Mercat Cross das boomende Zentrum, aus dieser Zeit stammt auch der Tolbooth Steeple – das ist der Turm, der heute noch zu sehen ist. Allerdings war er früher Teil eines Gebäudes für Zoll, Verwaltung und mehr.

Das Marktkreuz mit der Einhornstatue darauf hingegen stammt aus dem Jahr 1930 – ist also nicht sehr alt.

Mercat Cross am Gallowgate
Mercat Cross am Gallowgate

Der Aufstieg der Händler

2014 war Glasgow die einzige Großstadt die im Referendum ja zur schottischen Unabhängigkeit sagte. Dabei brachte die Einheit zwischen England und Schottland der Stadt einst einen Aufschwung. 1603 wurde der schottische König James VI. auch zum englischen König gekrönt. Diese Personalunion bescherte den schottischen Händlern die Expansion in den englischen Markt. Und als 1707 sogar beide Königreiche vereint wurden, eröffnete das auch den Zugang zu bisher rein englischen Kolonien.

Dadurch war plötzlich nicht mehr die Nordsee mit ihren Häfen im Osten wichtig, sondern der Atlantik im Westen als Wasserweg nach Amerika – kurz: Glasgow profitierte.

Glasgows Geschäftsleute setzte die neuen Möglichkeiten um, sie handelten vor allem mit Tabak und Zucker. So stieg der Stern der Stadt in den folgenden Jahrzehnten immer weiter auf, das heutige Viertel „Merchant City“ mit seinen Gebäuden zeugt vom Reichtum der Tabak-Lords. In den einstigen Markt- und Lagerhäusern haben sich nun allerdings Bars und Cafés eingenistet, wie zum Beispiel beim Merchant Square zu sehen:

Merchant Square
Merchant Square

Wo Geld ist, ballt sich auch Macht: Die reichen Händler konnte immer wieder Einfluss auf die Stadtoberen nehmen. Viele Entscheidungen, die das heutige Aussehen Glasgows entscheidend prägen, lassen sich darauf zurückführen. Zwei katastrophale Brände 1652 und 1677 hatten gezeigt, wie gefährlich Holzhäuser waren. Also wurden Holzhäuser auch auf Betreiben der Händler verboten – aus Sicherheitsgründen. Und so erwarb sich Glasgow bald den Ruf einer „steinernen Pracht“.

Ein Problem hatte Glasgow allerdings: Der Clyde-Fluss war nicht tief genug für moderne Frachtschiffe. Die ankommenden Güter mussten daher weiter draußen in der Mündung des Clyde entladen werden. Die dortigen Städte wie Greenock verlangten dafür allerdings satte Gebühren.

Die wollten sich die „Tabacco Lords“ von Glasgow gerne sparen. So hatten sie bereits 1668 Land bei Newark gepachtet – rund 30 Kilometer westlich von Glasgow – und darauf Hafenanlagen errichten lassen. Schon 1710 war das der Hauptumschlagplatz der Waren im Clyde. Aus Newark wurde kurzerhand „Port Glasgow“.

Dennoch wurde auch die Vertiefung des River Clyde vorangetrieben. Bisher war der Fluss nämlich zu seicht gewesen für hochseetüchtige Schiffe. Und so wurden diese in Port Glasgow mehrere Kilometer entfernt entladen. Ab 1770 wurde der Clyde jedoch schiffbar gemacht und so wurde Glasgow selbst zum wichtigen Hafen – und später nicht nur zum Hafen, sondern auch zu einem Zentrum für Schiffsbauer.

All der Aufschwung ließ die Bevölkerung wachsen: 1780 lebten über 42.000 Menschen in Glasgow, 1801 waren es schon 77.000 und bis 1821 explodierte sie fast auf 147.000 – und überholte damit Edinburgh.

Die industrielle Revolution

Die Erfindung der Dampfmaschine setzte die industrielle Revolution in Gang und Glasgow war eines der Zentren, die davon profitierten. Das Jahr 1811 sollte einen ganz neuen Industriezweig in Glasgow etablieren. Denn in diesem Jahr ließ der Ingenieur Henry Bell einen Schaufelraddampfer bauen. Es war nicht seine Idee, es gab Vorgänger. Doch Bell schaffte es ein Jahr später den „Paddlesteamer Comet“ als erstes kommerziell erfolgreiches Dampfschiff zu etablieren. Rund 20 Jahre später befuhren bereits 60 dieser Boote den Clyde, alle gebaut in und um Glasgow. 1864 gab es bereits 20 Werften am Clyde. Um sie herum gruppierten sich die Zulieferer für Kessel und Materialien, die Rohstoffe kamen aus dem Hinterland zum Beispiel über den Forth-Clyde-Kanal von Falkirk aus.

Glasgow avancierte zu einem DER Schiffbauzentren weltweit.

Heute sieht man nur noch eines dieser Schiffe auf dem Clyde. Die Waverley ist der letzte funktionstüchtige und hochseetaugliche Schaufelraddampfer. Er liegt vor dem Museum of Science, fährt aber auch regelmäßig Touren entlang der Westküste Großbritanniens.

PS Waverley
PS Waverley

Dem Schiffsbau folgte der Bau von Lokomotiven, die wiederum per Schiff zu ihren Käufern transportiert wurden. Kräne wie der beeindruckende Finnieston Crane wurden zum Verladen der tonnenschweren Gefährte errichtet. Glasgow war bald bekannt für seine Schwerindustrie – und deren Qualität.

Finnieston Crane

Es gab Arbeit. Glasgow war darum ein begehrtes Ziel für Zuwanderer. Die kamen zum großen Teil aus Irland. Und dann natürlich auch aus den Highlands and Islands Schottlands. Denn dort wurde Land für Schafzucht benötigt und so wurden viele Land-Bewohner umgesiedelt oder vertrieben. Als Highland-Clearances geht diese unrühmliche Epoche später in die Geschichtsbücher ein.

Es bildete sich eine Gälisch sprechende Gemeinde heraus, die zwar über die Stadtviertel verstreut lebte, sich aber unter der Brücke der Central Station traf. Sie ist heute als Hielanman’s Umbrella, „Regenschirm des Highlanders“ bekannt. Neuankömmlingen wurde hier meist weitergeholfen – keiner wurde im „Regen stehen gelassen“.

Hielanman's Umbrella
Hielanman’s Umbrella

Dem Bevölkerungswachstum zur Zeit der industriellen Revolution folgte eine Verelendung der Unterschicht, verstärkt durch gelegentlich auftretende Wirtschaftskrisen. Schlechte Wohnanlagen und Unterversorgung begünstigten ansteckende Krankheiten. Pocken forderten unzählige Todesopfer, hauptsächlich Kinder. Typhus- und Cholera-Epidemien wüteten Anfang des 19. Jahrhunderts.

All dem begegneten die Stadtoberen mit einem Gesundheitsprogramm, das zum Beispiel auch für genießbares Trinkwasser sorgte. Dennoch blieb der Gesamtzustand der Unterschicht schlecht. Und das änderte sich nicht so schnell.

Glasgow im 20. Jahrhundert

Die große Depression und zwei Weltkriege verschlimmerten die Probleme der Stadt nur. Vor allem das Problem der Slums bekamen die Regierenden nur langsam in der Griff: Durch Erweiterung der Stadtfläche und Umsiedlung verbesserte sich zwar die Lage etwas, aber selbst in den 1950ern waren noch fast die Hälfte aller Wohnungen überbevölkert. Viele Viertel waren schmutzig und eine Dunstglocke aus Abgasen schwebte über der ganzen Stadt.

Die Verwaltung begann nun das Problem zu entzerren. Sie baute Hochhäuser und stampften Trabantenstädte wie Easterhouse aus dem Boden. Dorthin verlagerte sie einen großen Teil der Bevölkerung. Das tat Glasgow zwar insgesamt gut, aber die Vorstadt Easterhouse ist heute zum Beispiel ein Brennpunkt der Bandenkriminalität. Und um die Jahrtausendwende war Glasgow die Stadt mit den meisten Morden in Westeuropa.

Doch Glasgow versank deswegen nicht in Depression, sondern ackerte sich hoch, startete eine Image-Kampagne in den 1980ern namens „Glasgow’s better“. Die Stadt war Gastgeber verschiedener  Festivals und Ausstellungen.

SSE Hydro und Armadillo
SSE Hydro und das „Armadillo“

Glasgow heute

Das neue Jahrtausend fängt gut an für Glasgow. Immer mehr bekommt man zum Beispiel die Kriminalität in den Griff, etwa durch die Violence Reduction Unit. So konnten die Zahl der Morde halbiert werden.

Dazu kamen nach und nach Architektur-Prestigeobjekte an der Clyde Waterfront: 2001 das Glasgow Science Centre, 2011 das Transport Museum und  2013 die SSE Hydro-Arena. Und schließlich gaben die Commonwealth Games 2014 noch einmal einen Schub.

Aus dieser Zeit stammen übrigens auch die vielen mit Sportlern bemalten Wände. Die Stadt beauftragte dazu den Künstler Sam Bates, auch bekannt als „Smug“. Die „Murals“, wie sie auf Englisch heißen, sind nun quer über die ganze Stadt zu sehen, gehen jedoch schon lange vom Sportmotiv weg. Eine der lustigsten dürfte zum Beispiel die Kneipenszene in der Argyle-Einkauf-Straße sein:

Wandgemälde Argyle Street
Wandgemälde Argyle Street

Es gibt aber quer über die Stadt verstreut etliche weitere Wandgemälde.

Glasgow hat sich seit Beginn des Jahrtausends gemacht. Und heute lohnt sich ein Besuche dieser ehrlichen und aufstrebenden Stadt.

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