Zwischen 80 und 100 Highland Games finden jährlich in Schottland statt. Doch woher stammt diese Tradition eigentlich?

Highland Games faszinieren durch ihre typisch schottischen Disziplinen. Da werden im Tossing the Caber Baumstämme zum Überschlagen gebracht, da werden Gewichte kopfüber über eine Latte geworfen (Weight over Bar) und auf der Bühne auf Zehenspitzen zum Dudelsack getanzt.
Highland Games sind schon eine sehr eigene Art von Veranstaltung. Wie kam es dazu? Woher kommen diese Spiele und ihre Disziplinen?
Wir müssen zwischen Mythos und belegten Fakten unterscheiden.
Mythos: Iren haben Highland Games erfunden
Wettkämpfe sind und waren schon immer in menschlichen Gesellschaften verankert. Darum lassen sich solche Spiele auch in der keltischen Welt weit zurückverfolgen.
Eine der ältesten Erzählungen soll – je nach Quelle – bis nach 1800 vor Christus zurückreichen. In Irland fanden damals zu Ehren der Göttin und Königin Tailté Spiele statt.
Die Tailteann Games sollen jeweils Ende Juli abgehalten worden sein. Einige der Disziplinen waren Hoch- und Weitsprung, Laufen, Schwimmen und Weitwerfen. Dazu kamen kriegerische Wettkämpfe im Speerwurf, Schwertkampf, Wagenlenken, Ringen, Faustkampf und Bogenschießen.
Viele dieser Disziplinen waren typische Wettstreits, wie sie auch in den Olympischen Spielen vorkommen und -kamen.
Doch wie sicher ist es, dass es die Tailteann Games wirklich gab? Ausgrabungen beim irischen Ort Teltown haben Strukturen aus der Eisenzeit zutage gefördert. Die könnten als Sportstätten genutzt worden sein.
Allerdings waren die Spiele nur ein Teil des Festes, das insgesamt eigentlich als Totenfeierlichkeiten gedacht war. Doch bei so einem großen Treffen wurde gleich viel Soziales erledigt: Gesetze wurden verkündet und Ehen geschlossen. Die Rechtmäßigkeit der Ehen auf solchen Festen wurde in Brehon-Gesetzestexten anerkannt und bis ins 13. Jahrhundert erlaubt.
Damit kann angenommen werden, dass es die Tailteann Games tatsächlich gab, dass sie Teil des irischen Lebens waren und sie über mehrere Jahrhunderte immer wieder einmal gefeiert wurden. Vermutlich hat erst die normannische Invasion Irlands im Mittelalter dem ein Ende gesetzt.
Nicht sicher ist jedoch, in welchem Jahrhundert sie wirklich zum ersten Mal stattfanden, wie durchgängig sie gefeiert wurden und ob sie etwas mit den heutigen Highland Games in Schottland zu tun haben.
Auch wenn das eben behauptet wird.
In Irland wurden die Tailtean Games übrigens zu Beginn des 20. Jahrhunderts wiederbelebt. Auch heute gibt es sie immer wieder einmal, etwa in Kells.
Mythos: Entstehung der Highland Games in Schottland
Eine Möglichkeit wäre natürlich, dass die Tradition der Tailteann Games mit den Scotti nach Schottland gekommen wäre. Allerdings ist selbst die Theorie um diese Einwanderung nicht unumstritten. Darum kann auch das nicht sicher behauptet werden.
Ein anderer Mythos führt die Highland Games auf König Malcolm III. von Schottland zurück. Angeblich soll er ein Rennen den Berg Creag Chòinnich bei Braemar hinauf gestartet haben. Er wollte so den besten Botenläufer für sich finden. Doch auch diese Geschichte ist nicht durch solide Quellen gesichert. Auch das ist also ein Mythos.
Fakten: Was wir sicher wissen
Wettkämpfe werden auch in Schottland ganz natürlich entstanden sein. Die Idee, einen Hammer möglichst weit zu werfen, liegt im wahrsten Sinne nahe, wenn Menschen damit vorher gearbeitet haben.
Doch wie mögen wohl Unikate wie Tossing the Caber entstanden sein? Hier bringen Wissenschaftler das „Raising the Couples“ – zu Deutsch: „Anheben der Sparren“ – ins Spiel. Also eine Tätigkeit, die sich rund um den Hausbau erstreckte.
Die gälische Tradition war einige Jahrhunderte lang stark mündlich getrieben. Es gab kaum Aufzeichnungen. Das änderte sich mit dem 18. Jahrhundert.
Da geben zum Beispiel die „court books of the regality of Grant“ von 1703 Aufschlüsse. Sie beschreiben unter anderem auch die Organisation einer Serie von Wettbewerben durch den Clan Grant. Die Teilnehmer waren verpflichtet, in Highland-Kleidung zu erscheinen und Waffen wie Gewehr, Schwert, Pistole und Dolch zu tragen.
Nach der Niederlage der Jakobiten bei Culloden gab es zunächst eine Durstphase, zumindest bei der Überlieferung. Doch nachdem die Jakobiten als echte Gefahr gebannt waren, begann eine Wiederbelebung und Romantisierung der Highlands und damit auch der Wettkämpfe.
So wissen wir zumindest von folgenden Veranstaltungen:
- 1781 Falkirk: Dudelsack-Wettbewerb am Viehmarkt
- 1788 Inverness: Erste moderne „Revival Games“
- 1819 St Fillans: St Fillans gilt als erste „vollständige“ Veranstaltung nach heutigem Verständnis.
- 1823 Lonach: Etablierung einer bis heute jährlich stattfindenden Tradition. (Webseite der Games hier)
- 1932 Braemar: Erste Wettkämpfe in der heutigen Hochburg der Games.
Doch für den großen Durchbruch sorgte Queen Victoria. Sie bereiste Schottland und fand eine echte Bewunderung für das Land. Im Jahr 1848 besuchte sie die Spiele in Braemar. Das begründete die bis heute dauernde königliche Schirmherrschaft über die Highland Games von Braemar.
Gegenwart: Die Highland Games heute
Victoria löste eine Art Initialzündung aus. Zwischen 1840 und 1900 initiierten etliche andere Orte Highland Games. Zwischen 1900 und bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges kamen kaum neue Veranstaltungsorte hinzu. Doch zwischen 1960 und 2000 folgte ein echter Boom.
Dabei zeichneten sich zwei Arten der Spiele ab: die, die kommerziell ausgerichtet wurden, durch einen Veranstalter. Und die, die von der Gemeinde vor Ort organisiert wurden. Oft kleiner und herzlich. Leider aber auch anfällig dafür, wenn nicht genügend Freiwillige zu finden waren.
Ob Mythos oder Fakt: Heute erfreuen sich Highland Games einer ungebrochenen Beliebtheit. Zwischen Mai und Oktober gibt es etliche Termine für Highland Games in Schottland.
Quellen
- Brewster, M., Connell, J., & Page, S. J. (2009). The Scottish Highland Games: evolution, development and role as a community event. Current Issues in Tourism, 12(3), 271–293. https://doi.org/10.1080/13683500802389730
- Twenty Long Decades – A Few Glimpses of Braemar Royal Highland Society’s Early Years on the Occasion of its Bicentenary, https://www.braemargathering.org/early-years