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Schottlands Flagge und Wappen: Von Löwen, Einhörnern und Disteln

Woher Schottlands Nationalflagge kommt, warum ein Löwe für Schottland ebenso steht wie das Einhorn und was es mit der schottischen Distel auf sich hat, lest Ihr hier.

Schottlands Wappen
Schottlands Wappen

Die Schotten sind stolz auf ihr Land, und das drücken sie gerne auch aus. Dabei nehmen sie nicht nur die weiß-blaue Nationalflagge her. Auch weitere Symbole wie der Löwe, das Einhorn oder die Distel sind häufig zu sehen. Wie kommt es, dass die Schotten derart viele Symbole kennen? Und was bedeuten sie? Das möchte ich hier erklären. Dabei spielt das königlich schottische Wappen eine zentrale Rolle, denn es vereint alle Symbole auf einmal in sich. Doch wir beginnen mit der Fahne.

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Die Flagge: Was Schottlands Fahne bedeutet

Weißes Andreaskreuz auf blauem Grund – das ist die Nationalflagge Schottlands. Einheimische nennen sie nur „the Saltire“. Saltire ist Englisch für Schragenkreuz oder Andreaskreuz. Und tatsächlich weist das X-förmige Kreuz auf den Nationalheiligen Andreas oder St Andrews hin, einem der zwölf Apostel von Jesus. Der wurde an so einem Gestell von den Römern in Griechenland gekreuzigt.

Schottlands Flagge, Maße 5:3 mit Pantone 300 Hintergrundfarbe
Schottlands Flagge, Maße 5:3 mit Pantone 300 Hintergrundfarbe

Doch wie kamen St Andrews und sein Kreuz nach Schottland? Die Legende berichtet von einem christlichen König der Pikten namens Óengus II. Am Vorabend einer Schlacht gegen heidnische Sachsen und Angeln träumte er vom Heiligen Andreas, der ihm den Sieg versprach. Am nächsten Morgen zeigte sich am Himmel ein Andreaskreuz aus Wolken vor einem blauen Himmel. Dieses gute Vorzeichen ermutigte die piktische Armee derart, dass sie den Sieg errangen. St Andrews wurde von da an der Schutzheilige Schottlands und das weiße Kreuz vor blauem Grund zur Nationalflagge.

By Andreas Faessler (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons
von Andreas Faessler (Eigenes Werk)
[CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Ob sich das wirklich so zugetragen hat, kann man nicht sicher belegen. Allerdings steht fest, dass die schottische Flagge eine der ältesten der Welt ist. Zumindest das Andreaskreuz findet sich bereits auf Siegelringen der Verwalter Schottlands im 13. Jahrhundert – allerdings war dabei jeweils der sterbende Apostel mit abgebildet.

Das Kreuz alleine wurde ab dem 14. Jahrhundert eingesetzt. Denn da wurde beschlossen, dass schottische Soldaten es als Erkennunsgmerkmal vorne und hinten zu tragen hätten.

Um 1542 taucht die Flagge in heutiger Form im Register schottischer Wappen auf. Allerdings variierte das Blau im Hintergrund häufig, es wurde mal dunkler mal heller. Im Jahre 2003 machte die schottische Regierung dem ein Ende und legte die Farbe Pantone 300 als richtig fest.

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Das köngliche Wappen: Der „Lion Rampant“

Es gibt noch eine inoffizielle Fahne der Schotten, die zum Beispiel oft von den Fans bei Fußballspielen der Nationalmannschaft geschwenkt wird: ein steigender Löwe auf gelbem oder goldenem Grund, umringt von einer roten doppelten Borde, die mit Lilien versehen ist. Auf Englisch heißt sie „Lion Rampant“.

Königswappen
Königswappen „Lion Rampant“ in Stirling Castle

Dabei handelt es sich um das ursprüngliche Königswappen der Schotten, das sich bis zu Alexander II. zurückverfolgen lässt. Alexander II. regierte im 13. Jahrhundert. Vermutungen aber gehen soweit, dass eigentlich schon Wilhelm I. das Wappen geführt hätte. Denn er wurde oft als „William the Lion“ – „Wilhelm der Löwe“ bezeichnet. Er war in den Jahren 1143 bis 1214 König von Schottland.

Eine Fahne mit dem Lion Rampant darf allerdings nicht einfach so geschwenkt werden. Erlaubt ist es nur dem britischen Monarchen, seinem Hochkommissar (Lord High Commissioner to the General Assembly of the Church of Scotland), dem Wappenkönig Schottlands (Lord Lyon King of Arms) und dem könglichen Regiment von Schottland. Alle anderen benötigen laut Gesetz eine Erlaubnis – was die Fußballfans allerdings wenig schert.

Der Lion Rampant ist dabei eigentlich nur ein Teil des gesamten schottischen Wappens, genauer gesagt befindet er sich auf dessen Schild, also dem zentralen Element. Wappen heißt auf Englisch „Coat of Arms“ und bei dem „Lion Rampant“ spricht man vom „Royal Coat of Arms“. „Coat of Arms“ heißt auf Deutsch „Waffenrock“. Das mag verwunderlich klingen, es ist aber durchaus verwand mit dem Wort „Wappen“. Das nämlich ist nur eine alte Form von „Waffen“ und umfasst auch Schilde und Rüstungselemente, die damals als Verteidigungswaffen galten.

Das vollständige Wappen von König James in Stirling zum Beispiel sieht so aus:

Schottlands komplettes Wappen
Schottlands komplettes Wappen

Darauf sind folgende Einzelteile von oben nach unten zu erkennen:

  • Motto: „In defens“
  • Helmzier: roter Löwe mit Schwert, Zepter und Schottlands Krone auf dem Haupt
  • Helm: ein mit Visier und Krone versehener Helm
  • Schild: the Lion Rampant
  • Schildhalter: zwei stehende Einhörner, die jeweils eine Standarte mit den beiden Flaggen Schottlands halten
  • Orden: heiliger Andreas, der das Andreas-Kreuz hält als Zeichen des Distelordens
  • Postament: schottische Distel

Das Motto: „In defens“ und „Nemo me impune lacessit“

Motto des Distelordens
Motto des Distelordens

„In defense“ oder in modernem Englisch „in defence“ ist eine Verkürzung des Beginns eines alten schottischen Gebets:

„In my defens God me defend
And bring my saulle to ane good end.“

Das verkürzte Motto wurde von den Stewart Königen ausgewählt. Mit Gewissheit führte es James IV im Wappen, der von 1488 bis 1513 regierte. Leider hatte er genau seine Verteidigung vernachlässigt und so wurde James IV der letzte schottische König, der in einer Schlacht getötet wurde, nämlich während seiner Niederlage bei Flodden.

Später führten die Stuarts noch das zweite Motto „Nemo me impune lacessit“ ein, auf Deutsch „Niemand fordert mich ungestraft heraus“. Es findet sich meist auf dem späteren Wappen, das bereits die Einheit zwischen der schottischen und englischen Krone unter den Stewarts darstellt.

Wahlspruch des Distelordens in Edinburgh
Wahlspruch des Distelordens in Edinburgh

Es handelt sich dabei um den Wahlspruch des Ordens der Distel, dem zweithöchsten Ritterorden Großbritanniens und dem höchsten Schottlands. Der Spruch findet sich oft als Banner unten oder auch als Umrandung auf der Plakette, die am Schild hängt – auch sie steht für den Distelorden.

Britische Version: Das Königswappen der geeinten Reiche

Das Royal Coat of Arms der britischen Krone hat starke Ähnlichkeit mit dem schottischen. Das liegt daran, dass das schottische Königshaus ab dem 17. Jahrhundert den König in Personalunion für England, Irland, und Schottland stellte. 1707 gab es dann das Vereinte Königreich unter Anne Stuart.

Die schottische Nationalflagge ging im Union Jack auf, das Königwappen wurde deutlich verändert:

Britisches Wappen in der Glasgow-Kathedrale
Britisches Wappen in der Glasgow-Kathedrale

Nun steht dem Einhorn ein Löwe gegenüber, beide Tiere tragen Kronen und eigene Nationalflaggen: rechts Schottland, links England. Auf dem Schild befindet sich zweimal der „Lion Rampant“, einmal die drei Löwen aus dem englischen Königswappen und die Harfe für Irland.

Außerdem gibt es ein neues Motto: „Honi soit qui mal y pense“ – „Ehrlos sei, wer Schlechtes dabei denkt“. Das ist der Spruch des Hosenbandordens, des höchsten Ritterordens Großbritanniens vor dem Distelorden.

Dass sich nun die beiden Schildhalter Einhorn und Löwe für die beiden Reiche gegenüberstehen, hat bereits im 17. Jahrhundert ein Spottlied hervorgebracht:

The lion and the unicorn were fighting for the crown
The lion beat the unicorn all around the town.
Some gave them white bread, and some gave them brown;
Some gave them plum cake and drummed them out of town

Oft findet sich außerdem der Spruch: „Dieu et mon droit“ noch auf dem Wappen, was „Gott und mein Recht“ heißt. Er stammt vom englischen König Heinrich VI, der im 15. Jahrhundert die Krone Englands und Frankreichs trug.

Das Nationaltier: Die Bedeutung des Einhorns in Schottland

Stolz, wild, freiheitsliebend und dennoch rein und wunderschön. Dem Einhorn wurden nicht nur in Schottland wunderbare Eigenschaften nachgesagt, denn im Mittelalter glaubte fast die ganze Welt an das Fabeltier. Mit seinem Horn wurde sogar Handel betrieben – meist waren es aber Stoßzähne von Narwalen oder anderen Tieren.

Auch mit dem Christentum wurde das Einhorn verbunden, zum Beispiel mit Keuschheit und der heiligen Jungfrau Maria. Darum – so die Legende – könne auch nur eine Jungfrau das Tier in eine Falle locken. Schließlich hatte das Einhorn auch Heilkräfte. Es heißt, mit seinem Horn könne es vergiftetes Wasser reinigen.

Wandteppich mit Einhorn
Wandteppich mit Einhorn

Die Eigenschaften des Einhorns – existent oder nicht – waren gut geeignet um einige von Schottlands Idealen auszudrücken, zum Beipsiel lieber zu sterben als in Gefangenschaft zu geraten. Darin mag man auch eine klare Ansage im immerwährenden Freiheitskampf gegen England erkennen.

Unter den Stewarts tauchte das Einhorn im schottischen Wappen zuerst auf. Links und rechts hält je eines davon den Schild mit dem Löwen und gleichzeitig eine Flagge. Auf der linken Fahne ist erneut der „Lion rampant“ zu sehen, auf der rechten die Saltire, also das Andreaskreuz auf blauem Grund.

Wann genau die Einhörner auf das schottische Wappen kamen, ist nicht sicher. Anscheinend gibt es in Rothesay Castle aber eine Abbildung, die aus der Zeit vor dem 15. Jahrhundert stammen könnte.

Ein wichtiges Detail: freie Einhörner sind gefährlich. Darum sieht man die beiden Exemplare auf dem Wappen durch Goldketten gebunden.

Übrigens sieht man das Einhorn auch häufig alleine, zum Beispiel auf dem Marktkreuz von Glasgow oder Stirling.

Einhorn Stirling Marktkreuz
Einhorn Stirling Marktkreuz

Die Distel: Warum sie Symbol für Schottland ist

Fast noch häufiger begegnet einem gerade in den Highlands die Distel – als Symbol und auch als reale Pflanze.

Distel auf dem Wallace-Monument
Distel auf dem Wallace-Monument

Freilich gibt es auch hier eine Legende, die folgendermaßen geht: Im 13. Jahrhundert sollen sich nordische Krieger (Nachfahren der Wikinger) an schlafende Highlander herangeschlichen haben. Um leiser zu sein, hatten die Angreifer die Schuhe ausgezogen. Der Plan wäre aufgegangen, wenn nicht einer der Nordmänner in eine Distel getreten wäre. Er schrie vor Schmerz auf und verriert so den heimlichen Angriff. Die Highlander konnten sich erfolgreich wehren.

Angeblich soll es sich dabei sogar um die Schlacht bei Largs gehandelt haben, in der Alexander III von Schottland König Hakon III von Norwegen vertrieb. Daraus resultierte schließlich, dass sich die Norweger ganz aus Schottland zurückzogen.

Schottische Distel
Schottische Distel
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Die Distel wurde später immer wieder als Nationalsymbol verstanden, steht sie doch auch für einige typische schottische Eigenschaften wie Wehrhaftigkeit, Widerstandsfähigkeit und Verbundenheit mit dem Boden.

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