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Mount Stuart House – das schönste Haus Schottlands

Schon außen ist Mount Stuart House auf der Isle of Bute einmalig schön. Aber auch hier gilt: Es zählen die inneren Werte. Und die sind einmalig.

Mount Stuart House
Mount Stuart House

Plötzlich war das Mittelalter wieder en vogue. In einer Zeit, da die Industrialisierung noch in vollem Gange war, sehnten sich viele Wohlhabende zurück in ein idealisiertes Mittelalter. Neugotik nennt sich der daraus resultierende Baustil, und genau die wurde im Mount Stuart House auf der Isle of Bute umgesetzt. Klar, das möchte ich sehen. Was ich noch nicht ahne: Nach der Führung werde ich bis heute behaupten, dass dies das schönste Haus in Schottland sei.

Schottland Kalender 2018

Traumhafte Aufnahmen aus dem Herzen Schottlands.
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Schon von außen beeindruckt das Gebäude aus rotem Sandstein. Das ist noch nichts gegen das, was es innen zu sehen gibt. Die Führung bringt uns zunächst in die große Halle, die mir schier den Atem verschlägt.

Fenster in der Halle
Fenster in der Halle

Es heißt, so sagt die Fremdenführerin, im Mount Stuart Haus sei mehr Marmor verbaut als in jedem anderen Haus in Großbritannien und sogar mehr als in der Sixtinischen Kapelle in Rom. Ich glaube es ihr sofort, als ich meinen Blick die Halle hinaufschweifen lasse.

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Doch der Marmor bietet auch die Leinwand, auf dem sich die Farben aus dem Licht der Buntglasfenster niederschlagen. Jeweils drei sind ganz oben auf jeder Seite der Halle eingelassen, zwölf also insgesamt. Sie zeigen als Motive jeweils einen Monat des Jahres.

Große Halle des Mount Stuart House
Große Halle des Mount Stuart House

Am Himmel, der sich zwischen den Fenstern spannt, zeigen sich die Sternzeichen. Sie sind eingelassen als kleine Glasfenster, die aufleuchten, wenn die Sonne darauf scheint.

Ich merke: Alleine in der großen Halle könnte ich einigen Stunden verbringen und mich kaum sattsehen. So viele Details. Zum Beispiel die zunächst kaum augenfälligen Bronzegitter, die zwischen den Spitzbögen des erstens Stock eingelassen sind – übrigens exakte Kopien der Gitter, die am Grabe Karls des Großen in Aachen zu sehen sind, verrät mir die Fremdenführerin. Der Architekt holte sich nämlich viele Anregungen auf seinen Reisen in Europa.

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Von der Halle aus gehen freilich auch Räume ab. Zum Beispiel der Drawing Room, der Salon des Hauses, mit seinem auffälligen Spiegel über dem Kamin.

Drawing Room
Drawing Room

An der Decke leitet der Bauherr seine adlige Herkunft sichtbar für seine Gäste her. Der Stammbaum ist kunstvoll geschnitzt über unseren Köpfen.

Stammbaum der Stuarts
Stammbaum der Stuarts

Auch ein Blick auf die Säulen lohnt sich, denn in den Verzierungen der Säulenenden finden sich kleine Tiere in den Blattornamenten.

Ornamente an den Säulen
Ornamente an den Säulen

Das nächste Zimmer ist eine Bibliothek. Hier gibt es eine wunderschöne alte Uhr zu sehen und auch eine Büste von Robert the Bruce.

Alte Uhr in der Bibliothek
Alte Uhr in der Bibliothek

Über diese großen Gegenstände mag man vielleicht etwas wichtiges kleines übersehen: die drei Bücher. Es handelt sich um die Shakespeare First Folio, ein Sammelwerk der Stücke des berühmten Dichters, das sieben Jahre nach seinem Tod veröffentlich wurde. Eine ähnliche Ausgabe wurde im Jahr 2003 für 3,5 Millionen Pfund versteigert.

Danach führt die Fremdenführerin die Gruppe wieder durch die Halle und zum Treppenaufgang. Auch er ist erstaunlich, denn sogar die Handläufe, die in die Wand eingelassen sind, bestehen aus Marmor.

Treppenaufgang
Treppenaufgang

Oben befinden sich die Schlafgemächer und Bäder. Und sogar die sind fulminant. Neben einer Duschkabine – eine echte Neuerung im Viktorianischen Zeitalter – gefällt mir am besten die Wanne mit Ausblick.

Badewanne
Badewanne

Sogar ein Bidet hatten die Herrschaften damals schon.

Bidet
Bidet

Die Neugotik greift äußerlich zurück auf ein idealisiertes Mittelalter, doch im Inneren des Mount Stuart Houses tickte damals neueste Technik. Die Warmwasserleitungen zum Beispiel. Außerdem war Mount Stuart das erste Haus in Schottland, das durch elektrische Beleuchtung erhellt wurde.

Die Technik hat sich durchgesetzt, doch der Bauherr, der 3. Marquess von Bute, glaubte auch an Astrologie. Im Astrological Bedroom zeigt sich das deutlich und fantastisch, denn der Schlossherr ließ hier die Sternenkonstellation zu seiner Geburt verewigen.

Sternenkonstellation in der Decke
Sternenkonstellation in der Decke

Und natürlich wiederholt sich auch hier das Motiv der gotischen Spitzbögen auf Säulen. Diesmal geben sie den Durchgang zu einem viktorianischen Wintergarten frei.

Astrological Room
Astrological Room

Wegen seines guten Lichts wurde der übrigens auch schon als Operationssaal verwendet.

Wintergarten mit Glasfenster-Tür
Wintergarten mit Glasfenster-Tür

Wie krude der Stilmix teilweise ist, zeigt sich an den Stühlen im Raum. Sie verweisen auf altägyptische Mythologien. Weniger schön sind sie aber nicht.

Stuhl mit ägyptischen Verzierungen
Stuhl mit ägyptischen Verzierungen

Doch das war noch nicht einmal der Schlafraum seiner Hoheit. Der wirkte noch viel prachtvoller, vor allem wegen seiner goldenen Decke.

Decke und Kamin des großen Schlafsaals
Decke und Kamin des großen Schlafsaals

Dafür wirkten die Möbel schon fast schlicht und erinnern an den Jugendstil.

Wappen am Bett
Wappen am Bett

Alle diese Räume verbinden zauberhaft schöne Gänge.

Gänge auf dem zweiten Stock
Gänge auf dem zweiten Stock

Bei so viel Luxus und dem Glaube an Astrologie, kann der Marquess of Bute sicher kein gläubiger Christ gewesen sein, oder? Doch. Und sein Ehrgeiz ließ ihn auch eine Kapelle erbauen, die es mit Rom aufnehmen sollte.

Altar in der Kapelle
Altar in der Kapelle

Auch hier spielen Licht und Fenster eine zentrale Rolle. Bei Sonne erstrahlt die Kapelle in einem zarten Rosa, das von den Deckenlichtern erzeugt wird.

Deckenlicht der Kapelle
Deckenlicht der Kapelle

Die Führung endet schließlich, und dennoch bleibt die Dame in der Nähe für Fragen, die sie bereitwillig beantwortet. Von nun an können wir uns noch einmal alle Räume in Ruhe ansehen (und in Ruhe fotografieren).

Mich aber treibt es zunächst nach draußen, um all die bunten und stilistischen Eindrücke zu verdauen. Ich nehme mir die Fassade einmal vor und umrunde den Rasen vor dem Haus.

Mount Stuart House
Mount Stuart House

Dann nehme ich mir nochmal Zeit, um alle Zimmer des Hauses erneut zu besuchen. Wer Mount Stuart besucht und wirklich sehen will, benötigt Zeit. Ein halber Tag reicht fast nicht. Denn rund um das Haus zieht sich auch noch ein weitläufiger Park, durch den es eine gute viertel Stunde bis zum Eingang des Geländes braucht. Shuttlebusse verkehren hier alle paar Minuten. Doch zumindest in eine Richtung sollte man zu Fuß gehen und zum Beispiel die Gärten mit dem Gewächshaus besuchen.

Gewächshaus in den Gärten
Gewächshaus in den Gärten

Fast 20 festangestellte und freiwillige Gärtner und deren Helfer kümmern sich um die Pflanzen und Wälder auf dem Grundstück.

Weg durch den Park
Weg durch den Park

Am Ende besteige auch ich den Shuttlebus, der mich zum Eingangsgebäude und den Parkplatz zurückbringt.

Eingangsgebäude zu Mount Stuart
Eingangsgebäude zu Mount Stuart

Ich verdaue noch immer die Eindrücke im Haus. Die Räume sind luxuriös, knallig, prunkvoll ausgestattet. Und dennoch empfinde ich nichts an dem Haus kitschig oder zu überladen. Es beeindruckt mich, überfordert mich vielleicht auch etwas, bleibt dabei aber stilsicher, edel und für damalige Zeiten innovativ.

Kurz: Ich habe das schönste Haus in Schottland hier gefunden.

Wissen: Die Erbauer des Mount Stuart House

John Crichton-Stuart, geboren 1847, war der 3. Marquess von Bute. Bereits mit sechs Monaten erbte er das Vermögen, die Ländereien und den Titel. Er interessierte sich bald schon für Glauben aber auch Okkultismus, was sich auch im Hause niederschlägt. Mit 21 tat er etwas für die damalige Gesellschaft ungewöhnliches: er konvertierte zum Katholizismus.

Stuart war Gelehrter und Menschenfreund. Und er interessierte sich für Architektur. Er und Robert Rowand Anderson waren die Masterminds, die ab 1878 Mount Stuart House erbauten. Als John Crichton-Stuart 1900 starb, war das Haus noch gar nicht fertig – und es ist es auch heute noch nicht. Denn einige Säulen sind nicht verziert, wie die anderen.

Tipp: Das Mount Stuart Haus und die Kunst

Mount Stuart bemüht sich, nicht in der Vergangenheit stehen zu bleiben. Immer wieder bietet es auch moderner Kunst eine Heimat. Plötzlich stehen dann Gebilde in den alten Gemäuern, die dort gezielt deplaziert erscheinen. Etwa in der Krypta der Kapelle.

Moderne Kunst in der Kapelle
Moderne Kunst in der Kapelle

Wem das weniger gefällt, dem zeigt das Haus auch ein paar alte Meister in der Bute Collection – und was für welche! Rubens sei hier nur als ein Beispiel genannt.

Kunstausstellung
Kunstausstellung

Übrigens: Auch in diesem Raum lohnt sich der Blick auf die Details …

Verzierungen an der Decke
Verzierungen an der Decke

Anfahrt:

Mit Navigationsgerät: „PA20 9LR“ eingeben und los.

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Ohne Navi: Von Butes Hauptort Rothesay, wo die Fähren anlegen, schlägt man den Weg Richtung Süden an der Uferpromenade ein. Also von der Fähre aus nach Links auf die A844. Kurz nachdem die Straße vom Meer weg landeinwärts führt, erscheint ein braunes Hinweisschild zum Mount Stuart House. Die Einfahrt befindet sich links von der Straße gut sichtbar. Hinter fahren bis zum Parkplatz vor dem Besucherzentrum.

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