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Preston Mill – eine Mühle wie aus dem Märchenbuch

Rote Wände, ein spitzes Dach und eine idyllische Umgebung – das macht den Charme der Preston Mill aus. Kein Wunder, dass die Mühle eine TV-Berühmtheit wurde.

Preston Mill
Preston Mill

Er warf gerne Äste in das Mühlrad, um es zu blockieren. Dann kam Geordie, der Müller, brüllend aus seiner Mühle und jagte ihn. Erwischt hat der Müller ihn nie. Der Müller ist längst tot und der Junge ein alter Mann. Sein Schicksal aber ist weiter mit der Preston Mill verbunden, er ist heute Tour Guide. Und ab und an, wenn er von den Lausbubenstreichen erzählt, blitzt noch etwas Jungenhaftes in ihm auf.

An der Preston Mill bekommt der Besucher also (noch) Informationen aus erster Hand, von Menschen, die die Mühle tatsächlich noch in Aktion gesehen haben. Korn wurde hier noch bis 1959 gemahlen, und jeder im Dorf East Linton kannte den Müller. Die Mühle war auch ein Treffpunkt der Gemeinschaft, Zentrum für Tratsch und Klatsch – vor dem Cottage der Müllerfamilie. Heute ist in dem Haus eine Ausstellung über das Leben in der Mühle untergebracht.

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Links das Haus der Müllerfamilie, rechts die Mühle
Links das Haus der Müllerfamilie, rechts die Mühle

Tratschen kann der Besucher hier dennoch, es gibt Eis, Café und eine Bank mit Blick auf die Mühle. In die anderen Gebäude kommt man nämlich nur im Rahmen einer Führung und es kann sein, dass man hier einige Minuten warten muss.

Die Preston Mill ist sicher keine typisch schottische Mühle.Der damalige Bauherr ließ das Gebäude nach dem Vorbild holländischer Windmühlen gestalten – freilich ohne die Flügel. Herausgekommen ist ein recht krummes und wunderbares Gebilde mit zauberhaftem Charme.

Der Trockenboden der Preston Mill
Der Trockenboden der Preston Mill

Zauberhaft für uns, aber nicht für den Müller, der hier arbeiten musste. Was da aussieht, wie ein Zauberhut, ist der Trockenboden der Mühle. Hier wurde unten Feuer angemacht, dessen Wärme oben das Korn trocknete – fast wie bei der Herstellung von Whisky. Dazu musste er das Korn auch mehrfach wenden. Ein Knochenjob, der der Gesundheit nicht gut tat. Denn er atmete dabei Staub und Kornhüllen ein, während der Rauch nach oben durch das Dach abzog. Der Aufsatz ganz oben ist drehbar, so dass der Rauch immer mit dem Wind abziehen konnte. Manchmal zur Ärgernis der Nachbarn.

Das Dach des Trockenbodens von innen
Das Dach des Trockenbodens von innen

Das Trocknen geschah meist zu Beginn der Woche. In den verbleibenden Tagen kam das Korn säckeweise vom Trockenboden hinüber in das Mühlhaus. Das Schleppen der Säcke war eine Knochenarbeit.

Steg zwischen Trockenboden und Mühlhaus
Steg zwischen Trockenboden und Mühlhaus

Immerhin: Im zweistöckigen Haupthaus der Mühle half dem Müller ein Wunderwerk damaliger Technik. Es ist auch heute noch voll durch automatisiert. Für die Energie sorgt das Wasserrad am Mühlbach, der vom nahen Fluss Tyne abgezwackt wurde.

Mühlrad der Preston Mill
Mühlrad der Preston Mill

Ob es sich dreht, entschied früher der Müller, heute der Fremdenführer mit einer Stange, die wiederum mittels einer Klappe das Wasser auf das Rad oder vom Rad weg leitet. Sobald sich das Mühlrad zu drehen beginnt, erwacht auch das Innere der Mühle zum Leben:

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Das ist wohl auch einer der Gründe, warum es nur geführte Touren in der Mühle gibt. Nur die Guides können und dürfen die Mechaniken rund um die Mühle vorführen. Und es lohnt sich das Räderwerk von vor rund hundert Jahren in Aktion zu erleben.

Zusätzlich sind hier verschiedene Szenen aus dem Alltagsleben dargestellt, und sogar der Müller selbst ist darin zu finden.

Im Inneren der Mühle
Im Inneren der Mühle

Die Szenen, die Demonstrationen und die Erklärungen des alten Tour Guides hauchen der alten Mühle wieder Leben ein. Und selbst die, die sich nur wenig für Technik begeistern können, werden danach wissen, wie das Korn, das das Umland versorgte, einst hier gemahlen wurde.

Filmkulisse: Ein nackter Outlander

Die Preston Mill hat es mittlerweile zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. Schuld daran ist – wie auch im Falle einiger anderer Orte – die Geschichte Outlander. In Folge zwölf der ersten Staffel der TV-Serie spielt die Preston Mill die Rolle der Mühle auf den Ländereien von Lallybroch, dem Gut von Jamie. Der springt kurzerhand nur mit einem Hemd bekleidet in den Mühlbach, um das blockierte Rad wieder in Gang zu bringen. Als er wieder auftaucht, trägt er allerdings gar nichts mehr – und so machte eine Nacktszene die Preston Mill ein Stück bekannter.

Wissen: Die Geschichte der Preston Mill

Wie lange es hier bereits eine Mühle gibt, lässt sich wohl nicht mehr genau sagen. Einige Quellen sagen, dass an diesem Ort schon seit dem 13. Jahrhundert Korn gemahlen wurde. Die jetzigen Gebäude stammen aber vermutlich aus dem 18. Jahrhundert. Das Werk im Inneren aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Die Mechanik im Inneren der Mühle stammen aus dem 10. oder 20. Jahrhundert
Die Mechanik im Inneren der Mühle stammen aus dem 10. oder 20. Jahrhundert

Der Standort der Mühle erwies sich in den Jahrhunderten nicht immer als optimal. Der nahe Fluss Tyne trat bereits mehrfach über seine Ufer und überschwemmte auch die Mühle. An der Außenwand wurden die höchsten Pegel des letzten Jahrhunderts festgehalten. 1948 stand das Wasser bis zum Dach.

Hochwassermarker an der Mühle
Hochwassermarker an der Mühle

Tipp: Ein Spaziergang zur Phantassie-Doocot über den River Tyne

Ein bisschen Bewegung verschafft der kleine Ausflug zur Phantassie-Doocot. Der interessante Taubenschlag ist zirka 500 Meter entfernt. Der Weg führt dabei zunächst über eine Brücke am River Tyne.

Brücke über den Fluss Tyne
Brücke über den Fluss Tyne

Unterwegs hat der Spaziergänger einen schönen Blick auf East Linton.

East Linton
East Linton

Der Taubenschlag ist hingegen keine Schönheit (gemessen zum Beispiel an dem der Tantallon Castle in der Nähe). Aber er ist in seiner Form einzigartig und sie stammt aus dem 16. Jahrhundert.

Phantassie Doocot
Phantassie Doocot

Tauben waren damals eine Delikatesse und reiche Landeigner hielten sie sich in solchen Schlägen. Das Problem dabei: Die rund 500 Tauben darin ernährten sich vom Saatgut der Bauern und den Körnern der Mühle. Der Taubenschlag war damit beim Müller nicht sehr gelitten.

Anfahrt:

Die Preston Mill liegt zirka 40 Autominuten von Edinburgh entfernt.

Mit Navigationsgerät: „EH40 3DS“ eingeben und dann auf die blauen Hinweisschilder achten.

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Ohne Navi: In Edinburgh auf die A1 Richtung Berwick. Die Ausfahrt für Haddington und East Lindon auf die A199 nehmen. Im ersten Kreisel nach North Berwick und East Linton abfahren. Nach einer Weile steht East Linton mit einer halben Meile nach links angegeben. Hier ist auch schon ein blaues Hinweisschild für die Preston Mill zu sehen. In den Ort hinein fahren. Direkt hinter der Eisenbahnbrücke in die Straße links einbiegen. Auch hier ist wieder ein Schild angebracht, das man aber nach der Brücke auch mal übersehen kann. Es geht durch den Ort und nach einer Weil muss man aufpassen, denn dann geht die Preston Road rechts ab, auch hier gibt es wieder das blaue Hinweisschild auf die Mühle. Es geht vorbei an einer Kirche und man sieht schon das Ende des Ortes und die Straße dahinter kommen. Aber Vorsicht! Vor dem letzten Haus auf der rechten Seite geht eine geschotterte Einfahrt hinein. Auch hier steht wieder ein blaues Schild als Hinweis. Den Weg hinter fahren und auf dem Parkplatz bei der Mühle das Auto abstellen.

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