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An Garradh Mòr – der letzte alte Garten der Äußeren Hebriden

Harte Winde vom Atlantik und saurer Torfboden machen South Uist fast unfruchtbar. Doch der Garradh Mòr, der große Garten, trotzt den Elementen schon seit über 300 Jahren. Ein Besuch. 

Eingang des großen Gartens bei Kilbride - (Foto: Martin Goldmann)
Eingang des großen Gartens bei Kilbride – (Foto: Martin Goldmann)

Sein Haus und sein Garten waren Alexander MacDonald I. of Boisdale wichtiger als die rückwärtsgewandte Rebellion eines dahergelaufenen Prinzen, der nie zuvor Fuß auf schottischen Boden gesetzt hatte. Und so kam es zu jener Begegnung, die Alexander heute noch zu einer Berühmtheit macht.

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Es war 1745: Charles Edward Stewart, heute besser bekannt als Bonnie Prince Charlie, wollte für seine Familie den Thron Großbritanniens zurückerobern. Am 23. Juli ankerte der Prinz mit dem französischen Kriegsschiff La Doutelle vor Eriskay, der Nachbarinsel von South Uist. Sofort rief er MacDonald of Boisdale zu sich. Der war ein wichtiges Mitglied des Clanranald. Als Boisdale aber sah, dass der Prinz weder eine Armee, noch genügend Geld bei sich hatte, gab er Charles nur den Rat, sich sofort wieder dahin aufzumachen, wo er her kam.

Im Garradh Mòr - (Foto: Martin Goldmann)
Im Garradh Mòr – (Foto: Martin Goldmann)

Boisdale hatte gute Gründe dafür. Er war kein Romantiker, sondern ein Kind der Aufklärung, ein praktisch veranlagter Mensch. Und er hatte sich fünf Jahre vorher für den Bau seines Hauses verschuldet. Eines Hauses, das einen großen Garten brauchte, der seine Bewohner ernähren konnte.

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Experimentierfreude herrschte damals schon in seinem Garten, dem Garradh Mòr. 1740 sollen hier die ersten Kartoffeln auf den Äußeren Hebriden angepflanzt worden sein. Ein Grund, warum der Garten heute als Listed Building geführt wird.

Die halbgaren Pläne des Prinzen setzten 1745 das alles aufs Spiel, doch Boisdale spielte die richtige Karte, als er Bonnie Prince Charlie nicht unterstützte. Im Gegensatz zu vielen seiner Clangenossen musste er nicht nach Frankreich ins Exil.

Rund hundert Jahre später aber trafen sein Haus und Garten ein Schicksal, das Leid über die ganzen Highlands brachte: die sogenannten Clearances. 1840 hatte der einst hier herrschende Clanranald seine Güter an Colonel John Gordon of Cluny verkauft, dem zum Beispiel auch Vatersay gehörte. Cluny interessierten nur Schafe und Geld, keine Gärten. So wurde der Grund aufgeteilt und das Crofting-Dorf Kilbride entstand.

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Blick auf die Mauern des Gartens - (Foto: Martin Goldmann)
Blick auf die Mauern des Gartens – (Foto: Martin Goldmann)

Boisdales Haus überdauerte die Zeit nicht, es wurde 1911 abgerissen. Spätestens jetzt verwilderte der Garten endgültig. Und so wäre der Garradh Mòr bald verschwunden und vergessen worden, wäre da nicht fast hundert Jahre später ein englisches Ehepaar vorbeigekommen.

Im Jahr 2002 begannen Denise und Jonathan Bridge damit, den Garten wieder aufzubauen – die Mauern standen zwar noch, doch einen Garten konnte man das Innere nicht mehr nennen. Wie Boisdale hatten sie mit Widrigkeiten zu kämpfen. Der verheerende Hurricane von 2005, der auch etliche Inselbewohner tötete, vernichtete die bisherige Arbeit.

Heute strahlt An Garradh Mòr wieder in all seiner Pracht. Er ist allerdings kein Blumengarten für Besucher, sondern dient seinem ursprünglichen Zweck: dem Ernähren seiner Bewohner. Doch kaufen kann der Besucher hier sehr wohl: frisches Gemüse, Honig, Fleisch, Eier und vieles mehr. Außerdem befindet sich auf dem Gelände noch die Hebridean Woolshed, in der es Wolle und Häkelsachen gibt.

Hebridean Woolshed - (Foto: Martin Goldmann)
Hebridean Woolshed – (Foto: Martin Goldmann)

Der Garten wird aber nicht nur von den Bridges bewohnt. Katzen kümmern sich dort um einige Schädlinge.

Eine Katze, vermutlich Tabatha, im Garradh Mòr - (Foto: Martin Goldmann)
Eine Katze, vermutlich Tabatha, im Garradh Mòr – (Foto: Martin Goldmann)

Und die Moral von der Geschicht: Gärtner sind zäh – ob im 18. oder 21. Jahrhundert.

Wissen: An Garradh Mòr und Walled Gardens

Walled Gardens waren in Schottland schon immer weit verbreitet. Die Mauern wurden aus den Steinen der Umgebung gebaut und mit Kalk verfugt. Sie schützten den Boden und die Pflanzen vor dem Wind, dahinter entstand ein eigenes Mikroklima, das selbst den Anbau nicht heimischer Pflanzen erlaubte. Gleichzeitig hielten die hohen Mauern Schädlinge ab.

Die Mauern bieten Schutz vor dem Wind - (Foto: Martin Goldmann)
Die Mauern bieten Schutz vor dem Wind – (Foto: Martin Goldmann)

In den meisten Fällen aber muss auf den Hebriden zunächst noch fruchtbarer Boden geschaffen werden. Denn der ist hier meist entweder torfig sauer oder sandig. Nur an der Nahtstelle zwischen beiden entsteht der sogenannte Machair, der fruchtbare Wiesen hervorbringt. Für den Anbau von Gemüse reicht das aber nicht. Darum wurde also in den Mauern auch Erde gebracht.

Man vermutet, dass diese Erde sogar teilweise aus Frankreich stammt. Denn die Äußeren Hebriden brachten Vieh dorthin. Auf dem Rückweg nahmen sie leichtere Luxusgüter mit und mussten daher Ballast aufnehmen. Das konnte auch sogenannte „Night Soil“ – „Nachterde“ sein – eine nette Umschreibung für menschliche Exkremente, die nachts von Putzkolonnen aus den Latrinen geholt wurden. Sicher ist, dass im Garten auch immer wieder mit Seegras gedüngt wurde. Gut einen Meter dick ist die Schicht aus fruchtbarer Erde nun.

Anfahrt:

Mit Navigationsgerät: „HS8 5TT“ bringt einen nach Kilbride, der Garten liegt direkt an der Straße.

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Ohne Navi: Auf der Hauptstraße von South Uist von Norden kommend immer weiter fahren. In Dalabrog aber nicht weiter nach Loch Baghasdail, sondern nach Pol a‘ Charra und Eirisgeigh abbiegen. Der Straße B888 folgen. Sie macht irgendwann einen Knick nach rechts. Dann auf den Campingplatz achten. Direkt dahinter liegt An Garradh Mòr. Bitte vorsichtig und vernünftig einen Parkplatz suchen.

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2 Antworten zu “An Garradh Mòr – der letzte alte Garten der Äußeren Hebriden”

  1. Thomas Beinlich

    Ich würde gerne per Paypal Geld schicken, aber nach dem Einloggen bei Paypal ist für mich nicht ersichtlich, wie das funktionieren soll. Für „Geld senden an Freunde“ (wenn das so laufen soll) braucht man eine E-Mail-Adresse des Empfängers.
    Ich würde mich gerne erkenntlich zeigen für die Informationen; in 6 Wochen mach ich mich wieder auf nach Fort William.
    Würde mich freuen, wenn das klappt mit der Zahlung. Mit Social Media habe ich übrigens nichts am Hut.
    Mit herzlichen Grüßen
    Thomas Beinlich

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