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Dunadd – in den Fußstapfen der Könige von Dalriada

Auf dem Fels von Dunadd thronte einst die Festung, in der die Könige des schottischen Reichs Dalriada gekrönt wurden. Ein Ritual war dabei besonders wichtig.

Dunadd Fußabdruck
Fußabdruck beim Fort Dunadd

Er setzte seinen Fuß in den steinernen Abdruck, die Menge unter ihm jubelte. Ab heute würde er, Áedán mac Gabráin, die Geschicke des Reiches führen. Von hier aus, von Dunadd aus.

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Es würde keine leichte Aufgabe werden, die Feinde Dalriadas waren stark: westlich auf Irland die Uí Néills, im Osten die Pikten und im Süd-Osten die Angel-Sachsen. Er umklammerte den Griff des großen Schwerts, das ihm während der Königsweihe übergeben worden war. Mit starkem Arm würde er das Reich verteidigen und vergrößern. Doch die Stärke des Reichs fußte nicht nur auf Waffengewalt.

Hier oben auf Dunadd hatte er einen klaren Blick über das, was wichtig war: fruchtbares Land. Land, das seine Untertanen ernähren musste. Der Abdruck im Stein, in den Áedán sein Fuß gesetzt hatte, symbolisierte die Verbindung zwischen dem König und der Mutter Erde.

Fruchtbares Land in der Ebene
Fruchtbares Land in der Ebene

Er hob den Kopf und blickte in das lange Tal mit den Steinriesen und den alten Grabhügeln. Er spürte den Segen der Vorfahren und wusste: er würde ein erfolgreicher Herrscher sein.

Wissen: Was geschah wirklich auf Dunadd?

Natürlich entspringt die obige Szene teilweise der Fantasie. Doch sie basiert im Kern auf Wissenschaft. Der Archäologe Ewan Campbell von der Universität Glasgow hat in seiner Arbeit „Royal Inauguration in Dál Riata and the Stone of Destiny“ recht gut belegt, warum eine ähnliche Zeremonie anzunehmen sei.

Der Name Dunadd setzt sich aus dem gälischen Wort „dùn“ für Festung und dem Namen des nahen Fluss „add“ zusammen.

Blick auf den River Add und das Meer in der Ferne
Blick auf den River Add und das Meer in der Ferne

Dùn findet sich übrigens in vielen Ortsnamen Schottlands wie zum Beispiel Dundee und sogar Edinburgh heißt auf Gälisch „Dùn Èideann“.

Über Dunadd weiß man heute einiges sehr gut, anderes bleibt im Dunkel. Sicher scheint folgendes zu sein:

  • bereits um 300 vor Christus gab es hier ein kleines Fort
  • es folgten in den nächsten Jahrhunderten weitere Wallanlagen
  • in Dunadd wurde ab 500 nach Christus Metall kunstvoll verarbeitet, etwa zu Broschen aus Gold
  • es gab Handelsbeziehungen nach Frankreich und bis hinein in den Mittelmeerraum
  • Dunadd prägte die Kunst der Zeit damals bis hin zum Book of Kells
Der Felsen von Dunadd
Der Felsen von Dunadd

Über die Wichtigkeit von Dunadd für das Reich Dalriada (oder Dál Riata) hingegen streiten sich die Archäologen. War es wirklich dessen „Hauptstadt“? Oder nur die eines sogenannten „Cenéls“? Dunadd liegt an der Schnittstelle zweier solcher Unterreiche, nämlich dem Cenél nGabráin und Cenél Loairn; heute besser bekannt als Kintyre und Lorne.

Wie schon erwähnt, hatte Dunadd Handelsbeziehungen, die weit über die anderer Orte hinausgingen. Und die Menge an Artefakten, die zu einer Königsweihe gehören könnten, sind nur selten zu finden. Außerdem liegt es am Ausläufer des Tales von Kilmartin, in dem sich die höchste Dichte prähistorischer Monumente Schottlands findet. Grabhügel, Zisternen und alte Steinkreise.

Standing Stones bei Ballymeanoch
Standing Stones bei Ballymeanoch

Die Annahme, dass Dunadd also tatsächlich das politische Zentrum Dalriadas war, wird durch all das stark untermauert.

Dunadd blieb wichtig bis ins Jahr 736 nach Christus. Da eroberten die Pikten die Festung und Dalriada wurde Teil deren Reichs. Früher ging man davon aus, dass das Fort danach unbewohnt war, doch vermutlich war es weiter genutzt bis ins 10. oder 11. Jahrhundert hinein.

Wer Dunadd besucht, darf seinen Fuß übrigens gerne in den Abdruck stellen, so wie es rund 50.000 Menschen jährlich tun. Denn der Stein vor Ort ist nur eine Kopie. Der Ort des echten Steins bleibt Besuchern verborgen, damit er nicht abgenutzt wird und so der Wissenschaft weiter zur Verfügung steht.

Überreste der Zisterne ganz oben
Überreste der Zisterne ganz oben

Áedán mac Gabráin, der 574 gekrönt wurde, führte gerade zu Beginn erfolgreiche Feldzüge bis hinauf zu den Orkneys. Bis in die Mitte der 590er blieb er siegreich, danach wendete sich das Blatt und er verlor gegen die Pikten und Northumbria. Er starb etwa 608 im hohen Alter von 74 Jahren.

Tipp: Unbedingt nach oben!

Der Aufstieg dauert nicht lang, aber er lohnt sich. Der Blick ist gigantisch, zum Beispiel über das Mòine Mhòr, das große Torfmoor im Südwesten des Felsens. Es ist ein Naturreservat.

Mhòine Mhòr - das große Torfmoor
Mhòine Mhòr – das große Torfmoor

Auf dem Weg nach oben finden sich immer weider Hinweistafeln, die dabei helfen, sich das alte Fort vorzustellen.

So sah das alte Fort wohl aus
So sah das alte Fort wohl aus

Anfahrt:

Mit Navigationsgerät:“ bringt einen nach Kilmichael, von da aus sind es nur wenige Kilometer.

Ohne Navi: Von Oban kommend nimmt man die A816 Richtung Süden nach Lochgilphead. Man passiert Kilmartin und einige Zeit später den Hinweis auf die „Crinan Ferry“. Danach ist es die nächste Einfahrt nach rechts – hier ist auch bereits ein Hinweis-Schild aufgestellt.

Von Lochgilphead aus dem Süden kommend, fährt man nach Oban und Kilmartin Glen. Wenn man das „Horseshoe Inn“-Schild passiert hat, ist es nicht mehr weit, ehe die Straße nach links zum Dunadd Fort abzweigt. Am Ende der Straße gibt es einen Besucherparkplatz, von dem aus der Pfad nach oben startet.

Hier geht der Aufstieg los
Hier geht der Aufstieg los

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