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Mackintosh at the Willow – Glasgows schönste Baustelle

Zum 150. Geburtstag des berühmten Architekten Charles Rennie Mackintosh schickt sich Glasgow an, eines seiner schönsten Häuser wieder zugänglich zu machen. Das Teehaus „Mackintosh at the Willow“.

Fassade des Mackintosh at the Willow
Fassade des Mackintosh at the Willow

Die Fassade passt so gar nicht zwischen die Neubauten und die alten viktorianischen Häuser der Sauchiehall Street: weiche Schwünge statt kantiger Geraden, ein großes Frontfenster, das sich nach außen wölbt und symmetrische kleine Verzierungen, die sich an den Seiten entlang ziehen. Es ist das Teehaus „Mackintosh by the Willow“, das komplett von Glasgows Stararchitekten Charles Rennie Mackintosh entworfen wurde.

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So sah es im Tearoom früher aus - (Photographs provided courtesy The Willow Tea Rooms Trust)
So sah es im Tearoom früher aus – (Photographs provided courtesy The Willow Tea Rooms Trust)

Und es ist kaputt. Wechselnde Besitzer haben das Gebäude innen und außen verkommen lassen, haben Umbauten vorgenommen und Mobiliar entfernt. Sie haben ein Kunstwerk fast zerstört.

Doch rechtzeitig zum 150. Geburtstag von Charles Rennie Mackintosh wird es nun wieder in altem Glanz erstrahlen. Im Sommer 2018 soll der Tearoom in möglichst originaler Form wieder zugänglich sein. Verantwortlich dafür ist der Willow Tearoom Trust.

Im Rahmen der VisitScotland Expo wurde mir die Ehre zuteil, einer Führung auf der Baustelle zu folgen und mehr über die Hintergründe zu erfahren. Ich hörte einige wirklich erstaunliche Geschichten.

Ich bei der Führung
Ich bei der Führung

Die Pläne für das Mackintosh at the Willow

Das Gebäude ist einer der berühmten Tearooms, die Mrs Cranston zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Glasgow etabliert hatte. Als Treffpunkte für die Gesellschaft ohne Alkohol. Die Gestaltung übertrug sie Charles Rennie Mackintosh, der in diesem Fall sowohl das Interieur als auch die Fassade entwerfen durfte. Insofern war dieser Tearoom besonders.

Darum soll er so originalgetreu wie möglich wiederhergestellt werden. Heißt: Was überlebt hat, bleibt. Rund 80 Prozent. Doch vieles davon ist zumindest beeinträchtigt. Und viele Möbel sind gar nicht mehr da. Wie also das Ziel erreichen?

Die Stiftung geht hier lange Wege. Zum Beispiel bei den Stühlen. Es wurden Kopien nach Originalskizzen von verschiedenen Handwerkern angefordert und anschließend von einer Fachjury beurteilt – denn trotz der klaren Anleitung, glich kein Nachbau-Vorschlag dem anderen. Jeder dieser nachgemachten Stühle kostet übrigens 1.100 Pfund.

Ganz ähnlich beim Geschirr, das es – allerdings nur mit schwarzer Glasur – auch zu kaufen geben wird.

Geschirr für das Teehaus - (Photographs provided courtesy The Willow Tea Rooms Trust)
Geschirr für das Teehaus – (Photographs provided courtesy The Willow Tea Rooms Trust)

Im Haus selbst gibt es noch teurere Stücke. Die Eingangstür zum Salon Deluxe ist zwar noch als Original vorhanden, doch soll sie nicht im täglichen Gebrauch abgenutzt werden. Darum wird die ursprüngliche Tür restauriert und kommt dann in die Ausstellung im Visitor Centre nebenan – ihr Wert liegt bei 1,5 Million Pfund. Die Replik kostet stolze 160.000 Pfund.

Die Salon-Deluxe-Tür in der Ausstellung, wenn alles fertig ist - (Photographs provided courtesy The Willow Tea Rooms Trust)
Die Salon-Deluxe-Tür in der Ausstellung, wenn alles fertig ist – (Photographs provided courtesy The Willow Tea Rooms Trust)

Das Teehaus soll im Juni 2018 wiedereröffnen. Und ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung, wie das klappen soll. Doch Alan Woods, der Bauleiter der unsere Gruppe durch die Baustelle führt, erklärt es. Pro Tag arbeiten hier bereits 50 Personen gleichzeitig, und sie stocken auf bis zu 80.

Die untere Halle des Mackintosh at the Willow
Die untere Halle des Mackintosh at the Willow

Und tatsächlich blitzen hier und da schon die Kunstwerke von Charles Rennie Mackintosh durch. An der Wand etwa.

Wandschmuck im Erdgeschoss
Wandschmuck im Erdgeschoss

Oft verstecken sich die Schönheiten noch unter Schutzfolie, wie die wunderschönen Spiegel.

Spiegel im ersten Stock
Spiegel im ersten Stock

Einige der Spiegel-Paneele wurden vorsichtig herausgenommen und sind beim Restaurieren.

Um die kleinen Fenster in den oberen Stockwerken rankt sich eine besonders schöne Geschichte. Jedes Fenster hat fünf Kobaltglaseinsätze in Tropfenform.

Fenster mit Kobaltglaseinsatz
Fenster mit Kobaltglaseinsatz

Bei den vier Fenstern war nur ein einziger Tropfen kaputt – doch woher nun eine Kopie bekommen? Der Willow Tearoom Trust fand heraus, dass die Glasfirma noch existierte, die die Originale hergestellt hatte. Heute geführt vom Enkel des damaligen Unternehmers. Und der entdeckte in den alten Studios tatsächlich noch ein Ersatzstück, das bereits damals für den Tearoom hergestellt wurde.

Anders beim Glas des großen Bogenfensters. Es ist zwar nur durchsichtig, aber bei genauem Blick erkennt man eine Art Muster darin, wie Schlieren. Beim Imitieren dieser und anderer Glasteile wurde auch eine deutsche Firma beauftragt, die Glashütte Lamberts.

Fenster
Fenster

Glas und Spiegel spielen im Ensemble des Mackintosh by the Willow eine große Rolle. Auch als schmückendes Gehänge.

Glaszierde im Tearoom - (Photographs provided courtesy The Willow Tea Rooms Trust)
Glaszierde im Tearoom – (Photographs provided courtesy The Willow Tea Rooms Trust)

Mit jedem Schritt, den ich hier gehe und mit jeder Geschichte, die Alan Woods erzählt, wird mir bewusst, wie viel Leidenschaft in dem Projekt steckt. Und wie viel Arbeit. Und zwar sowohl im Großen – die Galerie etwa ist noch nicht zu erkennen – als auch im Kleinen, wie zum Beispiel winzige Quadrate an den Treppen.

Die Treppen sind mit winzigen schwarzen Quadraten verziert
Die Treppen sind mit winzigen schwarzen Quadraten verziert

Sie müssen alle wiederhergestellt werden.

Am Ende der Führung merke ich: Hier entsteht etwas ganz Besonderes, hier entsteht eine neue Top-Sehenswürdigkeit in Glasgow. Ich werde wiederkommen, wenn Mackintosh at the Willow seine Türen öffnet.

So soll der Tearoom fertig von außen aussehen - (Photographs provided courtesy The Willow Tea Rooms Trust)
So soll der Tearoom fertig von außen aussehen – (Photographs provided courtesy The Willow Tea Rooms Trust)

Wissen: Warum es „Macktinosh at the Willow“ heißt

Willow heißt auch Deutsch „Weide“. Im Glaswegian Dialekt Scots heißt Weide „sauch“ und „haugh“ ist eine Niederung oder Aue. Die Sauchiehall Street ist also die Straße der Weiden-Flussaue.

„The Willow Tearooms“ – nicht zu verwechseln mit „Mackintosh at the Willows“

Darum nannte Mrs Cranston das Teehaus, das sie hier eröffnete, „Willow Tearooms“. Allerdings hat bereits im Jahr 1983 Anne Mulhern ein Teehaus im Stile von Charles Rennie Mackintosh in der Buchanan Street eröffnet. Die Namensrechte für „The Willow Tearooms“ liegen nun bei ihr und der wirkliche, originale Tearoom wird deshalb nun „Mackintosh at the Willow“ genannt.

Anfahrt:

Das neue Mackintosh at the Willow liegt mitten in der Fußgängerzone der Sauchiehall Street, nicht weit entfernt von den Buchanan Galleries. Zu Fuß dauert es vom zentralen George Square etwa zehn Minuten. Mit dem Auto kommt man dort nur schwer hin.

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