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Maes Howe – Haus der Toten auf Orkney

Dieser unscheinbare Hügel hat schon viel mitgemacht: Totenrituale, Wikinger-Graffiti und Ufo-Forscher. Und einmal im Jahr, pünktlich zur Wintersonnenwende, sieht das Innere von Maes Howe sogar die Sonne.

Das Hügelgrab Maes Howe
Das Hügelgrab Maes Howe

„Quatsch! Elvis war viel zu unfit, um das zu bauen!“, weist eine Frau ihren Ehemann zurecht.

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Die Historikerin, die die Führungen in Maes Howe betreut, hört von ihren Besuchern bisweilen abenteuerliche Geschichten über Sinn und Zweck des uralten Stein-Grabs. Die Idee dieses Mannes: Elvis Presley habe das Grab errichtet, um darin perfekte Akustik zum Singen zu haben. Und das Licht, das zu jeder Wintersonnenwende in die Steinkammer fällt, sei die Bühnenbeleuchtung. Allerdings hat die Dame, die ihren Mann eingangs anherrschte, es durchaus auf den Punkt gebracht: Mit den tonnenschweren und meterlangen Steinquadern hätte Elvis sich schwer getan.

Maes Howe Gang
Maes Howe Gang (copyright reserved/Rechte vorbehalten)

Maes Howe ist ein Hügelgrab, und was für eins! Eines der beeindruckendsten in ganz Europa. Obwohl man das von außen nicht gleich erkennt, denn da sieht man eben nur einen großen Grasbuckel. Wie so oft ist es das Innere, das zählt: Die Gras- und Lehmschicht verbirgt aufeinander geschichtete Sandsteine – einige von der Länge eines Autobusses.

Hinein gelangen Besucher über ein schmales Portal und einen langen unterirdischen Gang, der in der großen Kammer endet. Das Dach dieser Kammer stützen vier gigantische Steinpfeiler. Es ist durchaus geräumig hier. Eine Gruppe von 20 Besuchern muss sich weder bücken, noch steht sie sich gegenseitig auf den Füßen. Die Decke schwebt in vier Metern Höhe.

Maes Howe Nebenkammer
Maes Howe Nebenkammer (copyright reserved/Rechte vorbehalten)

Mörtel? Nicht nötig. Die Architekten waren Meister des Trockenbaus und dichteten das Grab so stark ab, dass es selbst im Klima Schottlands im Inneren nicht feucht wurde.

Doch wenn Elvis schon Maes Howe nicht bauen konnte, wie konnten es dann Menschen aus der Steinzeit vor 5.000 Jahren? Wie brachten sie zum Beispiel einen zehn Meter langen und drei Tonnen schweren Stein vom Meer hierher? Wie hievten sie diesen Riesen auf die anderen Steine, so dass er mit ihnen den Eingangstunnel bildet? Und das Alles in einer Ära, als die Ägypter noch nicht einmal an Pyramiden dachten.

Konnte das überhaupt ohne übersinnliche – oder mindestens außerirdische – Hilfe vonstatten gehen?

Die Wissenschaft weiß es nicht. Sie hat Theorien – und dagegen stehen dutzende andere von Ufologen und Esoterikern. Doch immerhin kann man die Theorie der Wissenschaftler auf Plausibilität prüfen. So glauben die Historiker, dass die Steine mit Schlick und Tang unterlegt und auf der so entstandenen Rutsche hierher gezogen wurden, zum Schluss dann bergauf auf die anderen Steine. Und das lässt sich durchaus nachvollziehen, ja sogar nachstellen.

Zeitsprung! Von heute zurück ins 12. Jahrhundert. Derselbe Ort. Es ist Winter und im Inneren des Grabes langweilen sich einige Kreuzritter aus Norwegen. Als sie ein Wintersturm überraschte, brachen sie in das Grab ein, um sich dort vor der Kälte zu schützen.

Doch was tut man schon in einem Grab? Nun, was Männer eben so tun, wenn sie alleine sind: Zotige Sprüche über Frauen kursieren, man prahlt mit seinen Fähigkeiten und träumt von Reichtum. Und damit die Nachwelt auch etwas von diesen Sprüchen hat, ritzen die Nordmänner sie gleich in den Stein von Maes Howe.

Runen aus Maes Howe
By Islandhopper (from the files of the author Islandhopper) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or CC-BY-2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.5)], via Wikimedia Commons
Quasi Runen-Grafitti als Zeitvertreib.

Und so liest sich das auch. Zum Beispiel die Zeilen über die schöne Witwe Ingeborg, die sich allzu bereitwillig hingeben haben soll. Heute würde man noch eine Telefonnummer darunter kritzeln. Teilweise wurden die Runen sehr explizit.

Andere wiederum versprechen einen Schatz, der ganz in der Nähe versteckt sein soll – bisher jedenfalls wurde nichts gefunden.

Und dann ist das Botschaft, die einfach nur besagt, dass der Verfasser der beste Schreiber der westlichen Welt sei. Warum er schreibe? Weil er es könne – und das auch in Geheimsprache, was er sogleich beweist.

Doch es gibt auch wirkliche Kunst bei den Inschriften, nämlich die detailliert herausgearbeiteten Tierdarstellungen. Ein Drache, ein Wolf, eine Schlange.

Zurück ins Jetzt. Was den Norwegern Zeitvertreib war, ist für die Wissenschaftlern heute ein Schatz. Denn Maes Howe hat heute die größte Sammlung an Runenschriften an einem Ort, mit drei unterschiedlichen Schriftarten.

Wieder etwas, was diesen unscheinbaren Hügel so einzigartig macht. Es braucht also weder Elvis, noch Ufos um hier ins Staunen zu kommen.

Tormiston Mill Maes Howe Visitor Centre
Tormiston Mill – Maes Howe Visitor Centre

Wer sich Maes Howe nun selbst ansehen möchte, kann das ganzjährig tun. Früher war Tormiston Mill das Visitor Centre von Maes Howe. Heute aber starten die Touren von Skara Brae aus. Dort kann man die Tickets kaufen und wird per Bus nach Maes Howe gebracht. In das Grab kommt man nur mit dieser Tour.

Wissen: Zahlen und Daten zu Maes Howe

Maes Howe Aufrisszeichnung
Fantoman400 at en.wikipedia [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], from Wikimedia Commons
Der Hügel von Maes Howe ist sieben Meter hoch und im Durchmesser 35 Meter breit. Der Gang ist fast zwölf Meter lang, die Kammer am Ende hat die Maße von 4,7 x 4,7 Metern und geht auf 3,8 Meter Höhe. Es befinden sich drei weitere kleine Kammern in den Seitenwänden, die jeweils durch einen Stein verschlossen werden konnten.

Um den Hügel verläuft ein Graben, der teilweise bis zu 14 Meter breit ist. Man vermutet, dass hier die Erde ausgehoben wurde, die den Hügel bedeckt.

Die Höhe der Kammer in Maes Howe (copyright reserved/Rechte vorbehalten)
Die Höhe der Kammer in Maes Howe (copyright reserved/Rechte vorbehalten)

Die Wissenschaftler datieren Maes Howe vorsichtig auf die Jahre von 3200 bis 2800 vor Christus.

Der Zweck ist tatsächlich ziemlich unklar, die Historiker vermuten, dass im Inneren Knochen aufbewahrt wurden. Spuren finden sich dazu jedoch nicht mehr. Das Grab wurde bis zirka 2000 vor Christus genutzt.

Erste Ausgrabungen gab es im 19. Jahrhundert, dabei wurde auch viel zerstört. Die Decke etwa musste dann erneut gebaut werden – und das hat man leider schlechter gemacht, als die Bauherren von damals, so dass einige der großen Steinquader brachen.

Tipp: Erlebnis Wintersonnenwende

Der Gang von Maes Howe ist genau auf den Sonnenuntergang der Wintersonnenwende ausgerichtet. Das heißt: Um die Zeit des 21. Dezembers herum leuchtet die sinkende Sonne direkt in das Grab und erleuchtet es gespenstisch.

Dieses Spektakel kann man vor Ort erleben – oder aber auf der Webseite verfolgen, nämlich hier.

Einen guten Eindruck gibt das Video von Maeshowe.co.uk wieder, dass ich eingebunden habe.

Persönliche Anmerkung: Elvis und mehr

Als die Fremdenführerin von Historic Scotland die Geschichte von Elvis erzählte, hat es mich vor Vergnügen fast aus den Socken gehauen. Und das blieb so, denn die sachkundige Dame hat nicht nur Wissen vermittelt, sondern mit einer Prise Humor auch für die Sache begeistert. Solche Führungen finde ich dann wirklich lohnenswert.

Einziger Wermutstropfen: Ich durfte im Inneren nicht fotografieren, so dass ich für diesen Text nur wenig Fotos zur Verfügung hatte und teilweise auf Wikipedia zurückgreifen muss. Allerdings haben mir die Guides von Maes Howe freundlicherweise auch Fotos vom Inneren zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank!

Anfahrt:

Mit Navigationsgerät: „KW16 3HH“ eingeben und dann rechtzeitig auf die Schilder achten.

Ohne Navi: Von Stromness kommen gleich die A965 nach Kirkwall nehmen. Nach zirka 10 Minuten und ebenso vielen Kilometern erscheint rechts die Tormiston Mill mit dem Besucherparkplatz.

Von Kirkwall aus auf die A965 nach Stromness fahren und nach 15 Minuten und 15 Kilometern links auf den Parkplatz des Visitor Centres fahren.

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