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Rannoch Station – so schön ist die Einsamkeit wilder Highland-Moore

Ein bisschen Eisenbahnromantik mitten im Moor: Die Rannoch Station markiert den Beginn der unwegbaren Wildnis der westlichen Highlands. Schöner kann Einsamkeit nicht sein.

Rannoch Station
Rannoch Station

Mitten im wilden Nichts der schottischen Highlands liegt Rannoch Station. Eine weite Landschaft aus Farnen, Heide und Gräsern, gesprenkelt von kleinen Tümpeln in Senken, umgibt den alten Bahnhof. Am Rande dieser Landschaft erheben sich die fernen Berge des Glen Coe und der Grampian Mountains. Nur mühsam quälen sich hier die Dieselzüge der West Highland Linie das Rannoch Moor hinauf, ehe sie wieder auf einen Hauch Zivilisation treffen: das Ende einer Straße, ein Hotel und eben die Bahnhofsgebäude.

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Das war’s. Ansonsten sagen sich hier Hirsch und Fasan gute Nacht.

Hirsche bei Rannoch Station
Hirsche bei Rannoch Station

Und doch: Die paar Gebäude reichen, um einen ganz besonderen Ort zu schaffen. Etwas Wärme in der kargen Wildnis; eine Basis für Spaziergänger in das Moor, die sich danach im Tearoom des Bahnhofs mit einem Tee und etwas Gebäck stärken.

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Der Bahnhof von der Fußgängerbrücke aus
Der Bahnhof von der Fußgängerbrücke aus

Der Bahnhof selbst ist eine wirkliche Sehenswürdigkeit. Er steht hier seit Eröffnung der Strecke 1894 und wurde – wie viele seiner Kollegen auf der Strecke – im Stile eines Schweizer Landhauses gebaut. Das heißt: Sein flaches mit Holzschindeln gedecktes Dach ist weit vorgezogen und bietet den außen wartenden Zugreisenden darunter Schutz vor dem Wind und Regen der schottischen Highlands. Durch die Farbmischung aus rostrotem Backstein, weißen Wänden und grünen Holzrahmen bettet sich die Rannoch Station harmonisch in die umgebende Natur ein.

In einem Teil des Gebäudes lädt der behagliche Tearoom auf eine Suppe, belegte Toasts und Kuchen ein.

Unterstand am Bahnhof
Unterstand am Bahnhof

Der Warteraum dagegen vermittelt mit einer kleinen Ausstellung Einblicke in die Mühsal des damaligen Eisenbahnbaus und erklärt die Natur der umgebenden Moore.

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Ausstellung im Bahnhof
Ausstellung im Bahnhof

Verlässt der Reisende das Hauptgebäude, kann er vor zum alten Stellwerk gehen, in dem die roten, blauen, gelben und schwarzen Signal- und Weichenhebeln noch zu sehen sind.

Hebelbank des alten Stellwerks
Hebelbank des alten Stellwerks

Heute wird die Strecke freilich elektrisch reguliert, doch diese sogenannte Hebelbank ist denkmalgeschützt – wie übrigens fast das gesamte Bahnhofsensemble. Auch die rostige Eisenbrücke, die den Parkplatz mit dem Bahnsteig verbindet, der als Insel zwischen den beiden Schienensträngen liegt.

Fußgängerbrücke der Rannoch Station
Fußgängerbrücke der Rannoch Station

Der Bahnsteig in der Mitte zweier Schienen macht Rannoch Station so wichtig. Denn hier können sich Züge aus beiden Richtungen auf der sonst einspurigen Strecke kreuzen.

Kurz vor dem Bahnhof ist die Strecke noch einspurig
Kurz vor dem Bahnhof ist die Strecke noch einspurig

Hundert Meter nach Norden führt die Bahnstrecke dann über ein sehenswertes Viadukt aus einer grün gestrichenen Stahltrasse gestützt von gemauerten Pfeilern.

Viadukt bei Rannoch Station
Viadukt bei Rannoch Station

Diese Brücke zeigt zugleich, wie schwierig es war, die Eisenbahn durch das Moor zu legen. Denn die Fundamente sind hier „schwimmend“ verlegt – auf Grassoden und Reisig. Die West Highland Line ist wirklich auch heute noch ein Meisterwerk der Baukunst.

Nach der Brücke verliert sich die Strecke dann endgültig im Moor – nächster Halt: die geheimnisvolle Corrour Station, zu der noch nicht mal mehr eine Straße führt.

Nach dem Bahnhof geht es eingleisig weiter
Nach dem Bahnhof geht es eingleisig weiter

Wissen: Das Moor um Rannoch Station

Der Klimawandel vor rund 5.500 Jahren hat Schottland schwer getroffen. Wo einst Pinien-Wälder gediehen, hat heute das Moor übernommen. Doch dann wurde das Klima kälter und nässer, ideal für Mose. Die haben sich bei höherer Feuchtigkeit stark vermehrt und dabei den Boden versauert, bis die Bäume starben. Nur am Rande des Moors stehen einige Kiefer-Forste, die von Menschen hier zum Holzschlagen gesät wurden.

Dennoch ist der alte Wald noch da: im Moorboden.Denn manchmal lässt das Moor die alten Hölzer wieder frei. Hier und da schauen dann alte Wurzelstümpfe hervor. Die sind dann gespenstisch gebleicht und geben der Szenerie einen morbiden Charme.

Reste eines alten Baums im Moor
Reste eines alten Baums im Moor

Doch Moor bedeutet nicht nur Tod, sondern Lebensraum für viele besondere Spezies. Für die Insekten-verschlingende Pflanze Sonnentau etwa. Für etliche Vögel. Für Farne, Heide und Moose. Das Moor ist sogar Namenspate einer Pflanze, dem „Rannoch Rush“. Auf Deutsch heißt sie allerdings nur „Blumenbinse“.

Leider fühlt sich im Sommer hier auch eine lästige Tierart heimisch. Midges, die fiesen Beißfliegen der Highlands, fühlen sich in der feuchten Umgebung pudelwohl. Darum ist das Moor auch im Spätherbst, Winter und frühen Frühling für Menschen attraktiv, wenn die kleinen Biester nicht fliegen.

Tipps: Ausflug von der Rannoch Station

Gegenüber dem Hotel geht ein Weg seitlich Richtung Schienen ab und überquert diese südlich von der Bahnstation. Hier beginnt der Weg nach Westen ins Moor und den Wald hinein.

Das Moor of Rannoch Hotel
Das Moor of Rannoch Hotel

Er ist gut ausgebaut und breit, aber für die meisten Autos gesperrt. Er führt zunächst am Duch Lochan vorbei zum Loch Laidon – einem acht Kilometer langen See mitten im Moor.

Loch Laidon vom Weg aus gesehen
Loch Laidon vom Weg aus gesehen

Freilich führen hier auch Pfade hinunter zu seinen sandigen Ufern. Ein Blick lohnt sich. Der Weg setzt sich dann weiter in einem Wald fort.

Im Wald am Loch Laidon
Im Wald am Loch Laidon

Der breite Weg hört nach einigen Kilometern auf, doch folgt man den Strommasten, erreicht man einen weiteren Pfad, der bis zum Kinghouse Hotel im Glen Coe führt. Wir haben diese fast 20 Kilometer lange Wanderung nicht unternommen, sondern sind umgekehrt zu Rannoch Station. Eine englische Beschreibung für den Weg gibt es hier.

Weitere Ausflüge: Eine Zugfahrt zum nächsten Bahnhof, die Corrour Station. Von dort gibt es einen Wanderweg zurück zur Rannoch Station, der einfach zirka zehn Kilometer lang ist.

Im Häuschen am Parkplatz der Station gibt es eine interessante Übersichts-Tafel der Umgebung mit eingezeichneten Wegen.

Karte Umgebung Rannoch-Station
Karte Umgebung Rannoch-Station

Persönliche Anmerkung: Besondere Züge

Als ich nachts hier ankam, stand am Bahngleis ein ganz besonderer Zug. Ich bin nicht sicher, ob es der Royal Scotsman war – ein Zug mit alten Waggons nur für Luxusreisende – oder eine Sonderfahrt der West Coast Railways. Den Hauch Eisenbahnromantik im November mitten im Moor habe ich sehr genossen.

Pullmanwagen
Pullmanwagen

Übrigens haben meine Frau und ich im Hotel hier übernachtet. Es ist nicht nur sehr gemütlich und herrlich einsam, es bietet auch sehr gute und feine Küche an.

Anfahrt:

Die beste Anfahrt freilich erfolgt per Zug. Bis zu viermal am Tag kann der Reisende entweder aus der Richtung Glasgow oder Fort William hier ein- oder aussteigen. Fahrplan und Preise stehen auf der Seite von Scotrail.

Ein Dieselzug fährt ein
Ein Dieselzug fährt ein

Mit Navigationsgerät: „PH17 2QA“ eingeben und der Straße bis zum Ende folgen.

Ohne Navi: Auf der A9 kommend von Inverness oder Edinburgh nimmt man die Ausfahrt nach „Kinloch Rannoch“. Auf der stellenweise einspurigen B8019 geht es entlang dem Loch Tummel. Wer Lust hat, hält hier am wunderbaren Aussichtspunkt von Queen’s View. Dann geht es weiter am Loch Rannoch vorbei bis zu Station. Auch am Loch Rannoch lohnt sich übrigens ein Stopp.

Loch Rannoch am Abend
Loch Rannoch am Abend
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Nach rund 50 Kilometern erreicht man das Ende der Straße beim Hotel und dem Bahnhof. Hier ist auch etwas Platz zum Abstellen des Autos.

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