Heute dominiert die Whisky-Destillerie die Bucht von Lagavulin auf Islay. Doch früher stand hier eine der wichtigsten Burgen Schottlands: Dunyvaig Castle.

Eine geschützte Bucht, die das Meerwasser mit grüner Wiese umarmt. Und obwohl die weiße Destillerie fast alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, steht hier noch ein anderes Bauwerk. Als wollten sie das kostbare Wasser des Lebens beschützen, das aus der Brennerei kommt, erheben sich auf einem Fels die Reste einer alten Burg: Dunyvaig Castle.
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Viel ist nicht mehr übrig von den Befestigungsanlagen und es vermag doch einiger Fantasie, um sich ihre einstige Größe vorzustellen. Zum einen war da der Wohnturm, dessen Mauern noch heute zu erkennen sind, zum anderen lag aber unterhalb ein viel größerer ummauerter Hof, in dem weitere Gebäude Platz hatten.

Das Alter von Dunyvaig ist schwer zu schätzen. Man geht davon aus, dass sogar die erste Burg bereits auf einem prähistorischen Fort errichtet wurde und aus dem 12. Jahrhundert stammt. Immer wieder wurde danach daran gearbeitet.
Sicher ist, dass die Lords of the Isles, deren Rat sich in Finlaggan auf Islay traf, die Burg bereits nutzten. Ein Sohn des ersten Lords of the Isles namens Iain Mhòir, oder English John Mor, erhielt Dunyvaig und gründete dort einen eigenen Zweig des Clans, die „MacDonalds of Dunnyveg and the Glens“. Das Clangebiet umfasste später Islay und Kintyre, aber auch – darauf weist das Wort „Glens“ hin – Antrim, also das heutige Nordirland.

Um dieses Reich zu verwalten, war Dunyvaig optimal gelegen. Bei klarem Wetter kann man hier auch heute in der Ferne die Ufer Nordirlands und Kintyres erkennen. Dunyvaig lag also als Hafen und Knotenpunkt mitten im Reich.

Obwohl das große Reich der Lords of the Isles 1493 endete, konnten sich die MacDonalds of Dunnyveg and the Glens noch eine Weile behaupten. Doch immer wieder wurde ihre Burg umkämpft und wechselte den Besitzer. Am Ende war es das Betreiben der Erzfeinde, der Campbells, die den Niedergang der MacDonalds of Dunnyveg besiegelte. Ab 1614 erhielten die Campbells ganz Islay und auch die Castle in der Bucht von Lagavulin. Der letzte MacDonald of Dunnyveg starb 1626 in London.
Die Burg war für die Campbells bald nicht mehr von Nutzen. 1677 ließ Hugh Campbell die Mauern einreißen und zog in sein neues Islay House.

Heute steht nur noch ein Stumpf des Wohnturms hier. Doch das soll sich zumindest bald bessern, denn schon im Sommer 2018 sollen Ausgrabungen an Dunyvaig Castle starten. Auch der Zugang für Besucher soll dann sicherer werden.
Wissen: Der gälischen Name Dunyvaig
Hinter der englischen Aussprache „Dunyvaig“ sehen einige das gälische „Dùn Naomhaig“. Das Wort Dùn bedeutet Befestigung oder Burg und kommt in vielen schottischen Namen vor – Dunvegan Castle zum Beispiel. „Naomh“ hingegen heißt „heilig“. So könnte es also „Heilige Burg“ bedeuten. Andere Quellen schreiben den gälischen Namen der Burg aber „Dùn Naibhig“. „Naibh“ bedeutet „Schiff“ und so wäre es die Burg des kleinen Schiffs. Im Zusammenhang mit der geschützten Bucht, würde das Sinn ergeben.

Der Whisky und die Bucht, von der er seinen Namen bezieht, heißt auf Gälisch „Lag a’Mhuilin“ – die „Senke der Mühle“.
Persönliche Anmerkung: Dunyvaig ist noch sehr gefährlich
Bis auf ein Warnschild im Gras gibt es hier keine Sicherungsmaßnahmen. Wer also die Mauern der Burg erkunden und den Blick von dort oben genießen möchte, tut das auf eigene Gefahr. Durchaus geht man hier an einigen engen, steil abfallenden Stellen vorbei.
Oben gibt es dafür einen herrlichen Blick auf die Destillerie und auch auf das Meer. Manchmal sieht man auf den Steinen der Bucht sogar Seehunde.

Anfahrt:
Mit Navigationsgerät: „PA42 7DX“ in das Navi eintippen. Das bringt einen bis in den Ort Lagavulin.
Ohne Navi: Von Port Ellen aus folgt Ihr der Straße A846 nach Osten. Ausgeschildert ist „Ardbeg“. Auf der Straße vorbei an der Laphroaig-Distillery, dann erscheint die Brennerei von Lagavulin direkt an der Straße. Vorbei an allen Häusern des Ortes, erscheint nach einigen Metern eine Abfahrt nach rechts. Sie führt hinab in die Bucht.