Kilchoman – verlassener Ort voller Geschichte auf Islay

Kilchoman Cross Aufmacher
Kilchoman Cross

Kilchoman war einst eine blühende Gemeinde auf Islay – heute erinnern nur noch der gruselige Friedhof, die verfallene Kirche und das alte Steinkreuz an die Menschen von früher. Doch genau deswegen lohnt sich ein Besuch. Deswegen – und wegen der Distillery und dem traumhaften Strand in der Nähe natürlich.

Die wenigen Gebäude von Kilchoman werden dominiert von der grauen, schmucklosen und etwas unheilvoll wirkenden Kirche. Sie ist keine Schönheit und weist auch kein beeindruckendes Alter auf: 1827 hat man sie erbaut, bis 1977 wurde sie wohl noch benutzt. Doch nachdem die Gemeinde sie verlassen hatte, stürzte das Dach ein. So bleibt nun also eine Ruine, mit einem kantigen Turm, auf dem allerhand Krähen sitzen.

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Um die Kirche herum erstreckt sich der viele Jahrhunderte alte Friedhof. Die Grabsteine sind teilweise gespalten und stark verwittert. Dennoch kann man viele Inschriften noch lesen. Oft kommen Besucher aus Übersee, um hier ihre schottischen Wurzeln und frühere Verwandten zu finden.

Im Friedhof steht auch das alte Keltenkreuz, das aber kein Grab markiert. Es ist mit 2,57 Metern Höhe fast so groß, wie das Kildalton Cross, ist dabei jedoch viel flacher. Es stammt auch „nur“ aus dem 14 Jahrhundert. Dennoch ist es ein Meisterstück und wunderschön anzusehen.

Die feinen Gravuren zeigen Szenen aus der Kreuzigung Jesu Christi, einige Engel und Heilige, sowie vermutlich Abbilder des Stifters des Kreuzes und seines Vaters. Auf der anderen Seite des Kilchoman Cross finden sich dagegen typisch keltische Muster.

Persönliche Anmerkungen: Der Geist der Clearances

Hier spürt man das Verlassensein deutlich. Wenn man sieht, wie viele Menschen hier begraben liegen, vermag man sich vorzustellen, wie viele Menschen früher hier gelebt haben. Vergleicht man das mit heute … die Highland-Clearances haben eben Schlimmes bewirkt.

Wissen: Was hinter der „Old Parish Church“ steckt

In Kilchoman stehe, so sagen die Einwohner, die „old parish church“. Parish heißt nichts weiter als Gemeinde, und Kilchoman war früher eine große und traditionsreiche Gemeinde, die den Nord-Westen der Insel als Einzugsgebiet hatte. Doch wie auf der ganzen Insel nahm die Bevölkerung seit der Mitte des 19. Jahrhunderts schnell ab: Waren es damals noch rund 15.000 Einwohner, gibt es heute gerade mal um die 3.ooo – und die leben meist in den Ballungszentren wie Bowmore.

Der Begriff „alt“ passt für Kilchoman Church – wie oben erwähnt – aber nicht wirklich. Denn der jetzige Bau hat eine Kirche aus dem 14. Jahrhundert ersetzt. Und die wiederum hat davor eine frühchristliche Kapelle aus dem 6. Jahrhundert (!) abgelöst. Alleine daran ahnt man aber schon die Tradition des Ortes.

Der Name Kilchoman übrigens wird etwa „Ki-la-cho-man“  ausgesprochen. „Kil“ kommt aus dem Gälischen und heißt Kirche. Die Silbe trifft man auf Islay häufig an etwa bei Kildalton und Kilchiaran. Kilchoman heißt „Kirche des heiligen Comman“. Comman war ein irischer Heiliger aus dem 7. Jahrhundert, der Frühzeit der Christianisierung.

Tipp: Das zweite Steinkreuz im Feld und der Militärfriedhof

Ein kleiner Spaziergang lohnt sich. Im nahen Feld, ca. 300 Meter Richtung Südwesten, verbirgt sich ein weiteres, kleineres Kreuz, von dem man vermutet, dass es bis ins 9. Jahrhundert zurückreicht.

Zudem findet man Richtung Strand einen Militär-Friedhof. Hier liegen 71 Seeleute begraben, die 1918 bei einem Schiffsunglück in der nahen Machir Bay ums Leben kamen.

Anfahrt:

Von Port Ellen kommend die Hauptstraße A847 Richtung Bruichladdich fahren, vorher aber rechts nach Sanaigmore und Kilchoman abbiegen. Die B 8018 entlang, dann aber nicht nach Sanaigmore, sondern geradeaus nach Kilchoman. Bald sieht man links die graue Kirche. Dort hin fahren, die Straße endet in einer Wendeschleife. Hier kann man parken.

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Kilchoman Infos

BesonderheitTraditionsreiche, aber verlassene Kirche mit gruseligem Friedhof und wunderschönem Keltenkreuz

Öffnungszeitimmer offen

Kostenkeine

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6 Kommentare zu “Kilchoman – verlassener Ort voller Geschichte auf Islay

    Von Armin

    Kleine Korrektur: Die Haeuser im Hintergrund sind die Kilchoman House Cottages (self catering holiday cottages), ein B&B gibt es dort nicht.

    Stimmt. Im Text steht es auch richtig, ich hatte die Bilder zuerst beschriftet. Me Culpa. Danke für den Tipp.

    Von Stephan

    Eine tolle Website! Allerdings ist Ihnen auf der Seite der Kilchoman Destille ein kleiner Fehler unterlaufen. Dass Kilchoman ehemalige Bourbon-Fässer einsetzt ist kein Kompromiss, sondern normal in allen schottischen Destillen. Nebenbei werden aber auch ehemalige Sherry-Fässer, oder Rotwein-Fässer verwendet. Nur der amerikanische Wiskey wird in frischen Fässern gelagert und das auch nur ein einziges Mal. Dann müssen die Fässer vom Gesetz her erneuert werden. Das haben sich die Schotten zu Nutze gemacht :-)

      Hallo,

      ja das stimmt. Keine Ahnung, wie ich auf diesen Satz gekommen bin. Ich kann es nur damit entschuldigen, dass es einer meiner frühen Artikel war und ich noch nicht so viel Whisky getrunken habe wie heute :)
      Mittlerweile weiß ich das. Ich stehe auf Whisky aus Sherry-Fässern.

      Danke für den Hinweis, ich verbessere es gleich. Und danke für das Lob.

      Viele Grüße

      Stephan

    Von Michael

    Hallo!
    Zunächst vielen Dank für die Tipps zu Wanderungen etc. Allerdings habe ich bezüglich der gälischen Aussprache von Kilchoman andere Informationen. Uns sagte man vor Ort (u.a. in der Destillerie selbst), dass es in etwa „Kilhoomen“ ausgesprochen wird.

      Habe ich auch schon von den Leuten aus der Distillery gehört. Am besten folgt man deren Aussprache.

      Warum aber schreibe ich das oben dann? Dazu muss ich erklären, dass ich selbst nun seit einigen Jahren Schottisch-Gälisch lerne und ich dabei zwei Dinge erfahren habe:

      1. die Aussprache der Destillerien differieren oft deutlich vom Gälisch: Caol Ila etwa höre ich meist als „Kall Ihla“. Würde man Caol aber Gälisch aussprechen, wäre es eher „kööhl“ – und ich habe diese Aussprache zum Beispiel von Einheimischen zur Meeresenge (wovon die Destille den Namen bezieht) schon so gehört. Wieder andere Experten sprechen von „Kuuhl Eila“ (was ich für totalen Humbug halte).
      2. Islays Gälisch unterscheidet sich dann doch oft erheblich von anderen Gälisch-Dialekten. Und das CH Mag im Zuge der schnellen Aussprache weggeschliffen sein.

      „Hoch“gälisch würde das CH meines Wissens gesprochen. CH kommt im Gälischen nicht selten vor. Alleine in den Verneinungspartikel „chan“ und „nach“. In beiden wird das CH sehr deutlich gesprochen. Insofern sei mir persönlich ein deutliches Cille Chomain mit CH gestattet. :o)

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