North Ronaldsay – Schafe, Leuchttürme und Vogelwelt am Ende der Orkneys

Schluss, aus, Ende – nördlicher geht es auf den Orkneys nicht mehr. Den feierlichen Abschluss bilden zwei Leuchttürme in schöner Umgebung. Doch North Ronaldsay hat noch mehr zu bieten: Schafe, die Seetang fressen, seltene Zugvögel und eine Landschaft, die ganz dem Wind und dem Meer gehört.

Blick aus dem Flugzeug auf North Ronaldsay mit Küste, Landebahn und Leuchtturm im Abendlicht
North Ronaldsay aus der Luft: Küste, Landebahn und Leuchtturm liegen dicht beieinander.

North Ronaldsay liegt so weit im Norden der Orkney-Inseln, dass hinter seiner steinigen Küste erst mal viel Meer kommt, ehe die Fair Isle und Shetlands folgen. Wiesen, Steinmauern, Strände und ein weiter Himmel bestimmen das Bild. Wer diesen Orkney-Außenposten besucht, fühlt diese Abgeschiedenheit und das Zusammenspiel mit dem Meer. Ein echtes Abenteuer!

Mein Reiseführer Orkney

Auf 234 Seiten beschreibe ich 50 Sehenswürdigkeiten auf den Inseln Mainland, Hoy, North- & South-Ronaldsay, Westray und mehr. Zusätzlich Infos zur Anreise, zum Klima, zur Geschichte, Festivals und mehr. Mit drei Tagestouren.

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Die kleine und flache Insel lässt sich dabei gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden.

Inhalt: Schafe und Sheep Dyke | Leuchttürme | Wanderung | Vogelwelt | weitere Ziele | Anreise | Fragen

Besonderheit: Die Schafe von North Ronaldsay

Die berühmtesten Bewohner North Ronaldsays weiden nicht auf den grünen Wiesen. Sie leben am Strand und ernähren sich überwiegend von Seetang und anderen Küstenpflanzen. Die North-Ronaldsay-Schafe haben sich an diese ungewöhnliche Nahrung angepasst und bilden eine eigene, seltene Rasse.

Herde dunkel- und hellwolliger North-Ronaldsay-Schafe auf grüner Weide
Die genügsamen North-Ronaldsay-Schafe sind die Besonderheit der Insel.

Eine rund 13 Meilen – also rund 20 Kilometer – lange Trockensteinmauer hält sie auf dem Küstenstreifen: der Sheep Dyke. Er wurde 1832 errichtet und umrundet die Insel fast vollständig. So blieben die Wiesen im Inneren anderem Weidevieh vorbehalten.

Wind und Wellen setzen der Mauer aber immer wieder zu. Beim jährlichen North Ronaldsay Sheep Festival kann daher jeder mithelfen, beschädigte Abschnitte auszubessern. Außerdem gibt es Touren, Workshops und weitere Veranstaltungen. Die Termine wechseln und die verfügbaren Plätze sind begehrt.

Wo so viele Schafe leben, spielt natürlich Wolle eine große Rolle. In der kleinen Wool Mill wird das Vlies zu Garn, Filz und weiteren Produkten verarbeitet. Die natürlichen Farben reichen von Weiß über Grau und Braun bis Schwarz. Führungen sind nach Absprache möglich.

North-Ronaldsay-Schaf neben einem alten Steingebäude am felsigen Strand
An der Küste finden die genügsamen Schafe Schutz zwischen Felsen und alten Gebäuden.

Sehenswürdigkeit: Der neue und der alte Leuchtturm

Der North-Ronaldsay-Leuchtturm steht in einer Wiesenlandschaft, und genau das macht den Charme dieses nördlichen Ortes aus. So lässt sich hier auch ein schöner Spaziergang zwischen den beiden Leuchttürmen unternehmen.

Schwarz-weiß gestreifter Leuchtturm von North Ronaldsay im warmen Abendlicht
Der neue Leuchtturm prägt die flache Insel schon von Weitem.

Moment mal, zwei? Ja: Der neue moderne Turm von Alan Stevenson besteht aus rotem Ziegelstein und ist mit rund 42 Metern heute noch der höchste an Land stehende Leuchtturm Großbritanniens. Schon der geschwungene Eingang ist sehenswert. An bestimmten Tagen können Besucher sogar hinauf. Aktuelle Informationen zu den Führungen gibt es auf der Insel-Webseite.

Ein Stück entfernt steht der Dennis Head Old Beacon. Sein Licht wurde bereits 1789 entzündet. Thomas Smith plante den Turm gemeinsam mit seinem Stiefsohn Robert Stevenson. Seit 1809 ist er nicht mehr aktiv. Seine steinerne Kugel an der Spitze macht ihn unverwechselbar. Mehr zur Geschichte bietet das Northern Lighthouse Board.

Eingerüsteter Dennis Head Old Beacon an der felsigen Küste von North Ronaldsay
Der Dennis Head Old Beacon während Restaurierungsarbeiten an der Nordküste.

Wanderung: An der Nordküste von Leuchtturm zu Leuchtturm

Länge: 2,4 Kilometer | Zeit: etwa 30 Minuten bis eine Stunde | Grad: leicht

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Mehr Informationen

Der Norden von North Ronaldsay läuft flach aus. Die Wiesenlandschaft endet an einer steinigen Küste, dahinter das Meer und erst Shetland ist die nächste Station. Ein wunderbarer Ort für einen ausgedehnten Spaziergang.

Startpunkt ist der neue Leuchtturm. Hier führen Treppen hinab zu einigen weißen kleinen Gebäuden. Achtung, manchmal sind die Stufen glitschig. Die kleinen Bauten gehörten einst zum Nebelhorn.

Von hier aus geht es entlang der Küste nach rechts, also Richtung Osten. Es gibt keinen eindeutig erkennbaren Pfad, stattdessen hält man sich an der Grenze zwischen Steinstrand und Wiese. Es tauchen kreisrunde Steinummauerungen auf, in denen die Einwohner North Ronaldsays früher Kohl angepflanzt haben.

An einer Stelle findet sich seitlich an einer Steinmauer eine Senke. Hierbei handelt es sich wohl um ein Grab aus der Zeit, als die Norweger hier herrschten. Die Infotafel erzählt die Geschichte von Halfdan Langbein, der hier grausam hingerichtet wurde. Ob das wirklich sein Grab war, bleibt allerdings offen.

Eine Senke im Boden mit Steinen darum. Vermutlich ein Grab. Es wird Halfdan Langbein zugeschrieben.
In dieser Mulde soll einst der Wikinger Halfdan Langbein begraben gewesen sein.

Die kleine Wanderung geht weiter an der Küste entlang auf den alten Leuchtturm zu, der auf dem Dennis Head steht. Weitere Mulden in der Wiese wurden zur Kelp-Veraschung benutzt. Auch das ist ein interessanter Teil der orkadischen Geschichte.

Der Leuchtturm auf dem Dennis Head ist gerade einmal halb so hoch wie der neue. Dafür ist er ein gutes Stück älter – und von seiner Art existieren nur noch wenige.

Folgt man weiter der Küstenlinie, läuft man zwischen Meer und dem Dennis Loch, bis man auf das alte Pier trifft. Die Steinhäuser hier stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Von hier aus geht es schnurstracks auf der geteerten Straße auf den großen Leuchtturm zu.

Alter steinerner Anleger zwischen Tang und Felsen an der Küste von North Ronaldsay
Tang, Felsen und ein alter Anleger an der Küste von North Ronaldsay.

Vogelwelt: Ein Zentrum für Vogelfreunde und andere Besucher

Manchmal stehen hier lange Reihen an Menschen mit großen Spektiven und viel Geduld. Denn auf North Ronaldsays Südspitze landen immer wieder seltene Vögel.

Blaunachtigall, Schwirrnachtigall und Gelbbrauenammer – wen diese Namen in wohlige Erregung versetzen, für den ist das North Ronaldsay Bird Observatory ein lohnenswertes Ziel. Hier ziehen immer wieder mehr oder weniger seltene Vögel durch und lassen sich mit etwas Geduld beobachten.

Gebäude der Vogelwarte von North Ronaldsay mit großen Fenstern im Abendlicht
Die Vogelwarte ist Anlaufstelle für Naturbeobachter und Übernachtungsgäste.

Für Vogelunkundige bietet das Zentrum immerhin noch einen größeren Shop und eine Gastronomie. Übernachten lässt es sich im Bird Observatory ebenfalls: Es gibt Gästezimmer, Hostelbetten und Campingmöglichkeiten.

Selbst außerhalb der Zugzeiten bleibt die Küste lebendig. Seehunde sind häufig, und mit Glück ziehen Wale vorbei. So lohnt sich auch ein Besuch im frühen Herbst.

Sandstrand und türkisfarbenes Meer auf North Ronaldsay mit einem Schwarm Vögel am Himmel
An den Stränden von North Ronaldsay lassen sich zahlreiche Zug- und Seevögel beobachten.

Entdecken: Weitere Sehenswürdigkeiten auf North Ronaldsay

  • Flughafen: Selbst wer mit der Fähre kommt, sollte den kleinen Flughafen besuchen und einer Maschine beim Landen und Starten zusehen.
  • Standing Stone: Zwischen dem Holland House und dem Bird Observatory steht im Feld westlich der Straße ein großer Monolith mit einem Loch darin.
  • Island Archives: Das Inselarchiv zeigt in Text und Bild das Leben der Bewohner von North Ronaldsay.
  • Bell Cairn: Sowohl Winde als auch Glocke an diesem kuriosen Steinhaufen könnten von einem Holzfrachter stammen, der hier 1882 strandete. Sicher ist das aber nicht.
  • Strand an der South Bay: Einer der schönsten Strände liegt nahe dem Fähranleger der Insel.
Hoher Menhir auf einer grünen Wiese vor der Küste von North Ronaldsay
Der Standing Stone ragt weithin sichtbar aus der flachen Insellandschaft.

North Ronaldsay lässt sich gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden. Die Insel ist klein und beinahe vollständig flach. Wer mehr Zeit mitbringt, kann längere Abschnitte des Sheep Dyke verfolgen und dabei immer wieder zwischen sandigen Buchten, Felsküste und Weideland wechseln.

Anreise: Flug oder Fähre nach North Ronaldsay?

Pilot im Cockpit eines Loganair-Flugzeugs auf dem Flug nach North Ronaldsay
Der Flug nach North Ronaldsay ist kurz – und bietet besondere Einblicke.

Die meisten Inseln lassen sich mit Fähren in einer passablen Fahrtzeit erreichen und bringen einen abends auch wieder zurück. Lediglich nach North Ronaldsay lohnt sich der Flieger. Die kleinen Maschinen starten in Kirkwall und verbinden die äußerste Nordinsel regelmäßig mit dem Mainland. Besonders im Sommer sollte man früh reservieren. Den aktuellen Plan veröffentlicht der Orkney Islands Council; gebucht wird bei Loganair.

Loganair-Propellerflugzeug auf dem kleinen Flughafen von North Ronaldsay im Abendlicht
Das Flugzeug nach North Ronaldsay in der Morgendämmerung

Auch Orkney Ferries fährt von Kirkwall nach North Ronaldsay. Die Verbindungen sind jedoch seltener, dauern länger und können von Tide und Wetter beeinflusst werden. Wer Zeit mitbringt oder ein Fahrrad transportieren möchte, prüft den aktuellen Fährplan von Orkney Ferries.

Betonpier am Hafen von North Ronaldsay zwischen Felsen und bewegter See
Der Fähranleger von North Ronaldsay

Übernachten und essen: Lieber mehr als einen Tag bleiben

Ein Tagesausflug ist möglich. Wer aber über Nacht bleibt, hat mehr Zeit für die Küste, die Vogelwelt und Begegnungen mit den Inselbewohnern – und muss nicht ständig auf den Rückflug schauen.

Das Bird Observatory bietet Gästezimmer, Hostelbetten und Campingplätze. Weitere Ferienhäuser, darunter ehemalige Leuchtturmwärter-Cottages, sind über die Insel-Webseite zu finden. Das ObsCafe ist die zentrale Adresse für Mahlzeiten, Bar und Einkauf. Öffnungszeiten und Verfügbarkeit sollte man vor der Reise prüfen.

Häufige Fragen zu North Ronaldsay

Was ist das Besondere an den North-Ronaldsay-Schafen?

Die seltene Rasse lebt fast das ganze Jahr an der Küste und ernährt sich überwiegend von Seetang und Küstenpflanzen. Der historische Sheep Dyke hält die Tiere vom kultivierten Inselinneren fern.

Wie kommt man nach North Ronaldsay?

Von Kirkwall aus gibt es Flüge und Fähren. Für einen Tagesausflug ist das Flugzeug meist praktischer. Fährverbindungen sind seltener und stärker von Wetter und Tide abhängig.

Was sollte man auf North Ronaldsay sehen?

Zu den wichtigsten Zielen gehören der neue Leuchtturm, der Old Beacon am Dennis Head, der Sheep Dyke mit den berühmten Schafen, das Bird Observatory, die South Bay und das Inselarchiv.

Kann man North Ronaldsay ohne Auto erkunden?

Ja. Die Insel ist klein und flach und eignet sich sehr gut zum Wandern und Radfahren. Fahrräder können nach vorheriger Reservierung auf der Insel gemietet werden.

Wann ist die beste Zeit für Vogelbeobachtung?

Besonders ergiebig sind die Zugzeiten im Frühjahr und Herbst. Dann können neben den regelmäßigen Gästen auch außergewöhnlich seltene Arten auftauchen.

Lohnt sich eine Übernachtung?

Ja. Ein Tagesausflug zeigt die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, doch erst mit einer Übernachtung bleibt genug Zeit für längere Küstenwanderungen, Vogelbeobachtung und die ruhige Atmosphäre der Insel.

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