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St Giles’ Cathedral in Edinburgh – Prachtbau an der Royal Mile

St Giles’ Cathedral ist Edinburghs wichtigste Kirche, erzählte viele Geschichten und verzaubert durch ihre Schönheit. Warum sich ein Besuch dort lohnt.

St Giles’ Cathedral bei Nacht
St Giles’ Cathedral bei Nacht

Als der Westgotenkönig Wamba den Pfeil von der Sehne seines Bogens schnellen ließ, wollte er eine Hirschkuh erlegen. Doch er traf versehentlich einen Mann, der sich schützend vor das Tier gestellt hatte. Dieser Mann war Ägidius und die Hirschkuh – so will es die Legende – hatte ihn zuvor mit ihrer Milch gesäugt. Was das nun alles mit Edinburgh und Schottland zu tun hat?

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Ägidius, seine Tat und sein späteres Wirken im 8. Jahrhundert nach Christus machten ihn zu einem der 14 Nothelfer-Heiligen, die im Mittelalter oft um Hilfe angefleht wurden. Auf Englisch lautet sein Name: St Giles. Die Kathedrale im Herzen der Hauptstadt Schottlands ist ihm geweiht.

St Giles’ Cathedral liegt, wie so viele Sehenswürdigkeiten Edinburghs, an der Royal Mile etwa auf der Hälfte des Weges zwischen Edinburgh Castle und dem Hollyrood Palace. Nähert sich ihr der Besucher von vorne, fällt zuerst der Kirchturm in Form einer Krone auf. Heute ein Wahrzeichen der Skyline Edinburghs. Über den Parliament Square geht es dann vorbei an der Statue des Politikers Walter Montagu Douglas Scott.

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Vielleicht wichtiger als das, was AUF dem Parliament Square steht, dürfte das sein, was DARUNTER liegt. Denn dort, wo Teile des Platzes sich ausbreiten und heute das große Gerichtsgebäude des „High Court“ steht, lag der zur Kathedrale gehörende Friedhof. Im High Court tagte vor der Vereinigung Schottlands und Englands das schottische Parlament.

Durch ein reich verziertes Tor mit vielen Statuetten kann der Besucher die Kirche betreten.

Torbogen der St Giles’ Cathedral
Torbogen der St Giles’ Cathedral

Das Hauptschiff der Kirche eröffnet sich den Blicken, mit dem Sanktuarium und dem Kommunionstisch in der Mitte. Dahinter der Chor der Kathedrale, der seinen Abschluss in einem großen Buntglasfenster findet.

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Sanktuarium und Chor der St Giles’ Cathedral
Sanktuarium und Chor der St Giles’ Cathedral

Links und rechts des Hauptschiffes verlaufen, durch Säulen getrennt, weitere Gänge. Rechts vom Eingang liegt ein Seitenschiff namens „Moray Aisle“.

Moray Aisle
Moray Aisle

An der Wand hängen verschiedene Gedenktafeln. Am wichtigsten sicherlich Robert Louis Stevensons Relief. Dennoch bleiben viele Besucher eher an dieser Schrift hängen und schmunzeln:

Plakette von James Young Simpson
Plakette von James Young Simpson

Simpson hatte das Chloroform keineswegs erfunden, doch dem schottischen Geburtshelfer war es zu verdanken, dass das Narkose-Mittel in kurzer Zeit in vielen Operations- und Kreissälen eingesetzt wurde.

Schreitet man den Gang weiter nach hinten, passiert man die Holy Blood Aisle. Die kleine Kapelle gedenkt dem Halbbruder von Maria Stuart, James Stewart, Earl of Moray. Er wurde 1570 ermordert – den Gedenkgottesdienst hielt der berühmte Reformator John Knox. Dieser Gottesdienst ist im unteren Teil des Buntglasfensters verewigt.

Holy Blood Aisle St Giles
Holy Blood Aisle St Giles

Ein Stück weiter nach hinten in diesem Seitengang, vorbei an der österreichischen Orgel, betritt der Besucher einen geschichtsträchtigen Teil der Kirche. In der Preston Aisle hängen die 16 Banner der Damen und Ritter des Distelordens. Noch wichtiger aber: An einer Stellwand, geschützt unter Glas, hängt das National Covenant von Schottland. Es legte den Grundstein für die heutige reformierte Kirche Schottlands. Aber es war auch ein Ausgangspunkt für den Bürgerkrieg Mitte des 17. Jahrhunderts.

Einer der Hauptakteure dieses Krieges liegt in der angeschlossenen Chapman Aisle: der Marquess of Montrose. Er unterstützte den König Charles I und dessen Nachfolger Charles II gegen die schottischen Covenanter. Nach einigen anfänglichen Siegen musste er fliehen. Später wurde er ausgeliefert und hingerichtet. Nur wenige Zeit bestieg Charles II den Thron und rehabilitierte Montrose. Dessen Überreste wurden mit einem Gedenkgottesdienst in der Chapman Aisle beigesetzt. Das Grab ziert eine lebensgroße Marmorstatue des Marquess.

Montrose Denkmal
Montrose Denkmal

Ein Stück weiter in der St Giles’ Cathedral, durch die kleine Tür rechts, erreicht man die Distel Kapelle. Sie gehört zu den schönsten Teilen der Kirche, auch wenn sie erst 1911 vollendet wurde.

Die Distel Kapelle
Die Distel Kapelle

Hier treffen sich auch heute noch die Damen und Ritter des Distelordens zum Gebet. „The Most Ancient and Most Noble Order of the Thistle“ ist auch heute noch Schottlands wichtigster Orden und die Distel eines der wichtigsten Wahrzeichen.

Fast die gesamte Wand der Kapelle ist mit aufwendig geschnitzten Täfelungen und Wappen verziert. Ganz vorne das Pult mit dem britischen Wappen (alle Infos zum schottischen Wappen und der Flagge hier).

Pult in der Thistle Chapel
Pult in der Thistle Chapel

Mit der Distel Kapelle ist das Ende der Kathedrale erreicht. Zurück geht es nun im Nordgang. Auch hier gibt es einige Seitenkapellen wie die St Eloise Aisle. In ihr wird Archibald Campbell, Marquess of Argyll gedacht. Campbell war ein glühender Covenanter und – ironischerweise – der direkte Gegner des gegenüberliegenden Marquess of Montrose.

St Eloise Chapel mit Archibald Campbell-Denkmal
St Eloise Chapel mit Archibald Campbell-Denkmal

Und schließlich begegnet der Besucher auch noch eine der wichtigsten Menschen für die schottische Kirche: John Knox. Der Reformer steht als Bronzestatue nahe dem Ausgang der Kathedrale.

John Knox Statue
John Knox Statue

Bevor der Besucher St Giles’ Cathedral wieder verlässt, präsentiert sich das große Buntglasfenster über dem Eingang in all seiner Pracht. Es erinnert an den Poeten Robert Burns.

Hauptfenster über dem Eingang
Hauptfenster über dem Eingang

St Giles’ Cathedral in Edinburgh steckt voller schottischer Geschichte und künstlerischer Schönheit. Es lohnt sich, die Geschäfte und die Hektik der Royal Mile für einen ruhigen Rundgang durch diese Kirche einzutauschen.

Wissen: Geschichte der St Giles’ Cathedral

König Alexander von Schottland gründete die erste Kirche an dieser Stelle im Jahr 1124. Dass man heute davon nichts mehr sieht, ist einem Feuer im Jahr 1385 geschuldet, das den alten Bau verwüstete. Im 14. bis 16. Jahrhundert wurde St Giles dann im gothischen Stil neu erbaut. Dabei wuchs sie auch, indem immer mehr kleine Kapellen, englisch „Aisles“, hinzugefügt wurden.

1559 bekam St Giles einen neuen Pfarrer. Sein Name: John Knox. Er ging als der Reformator der schottischen Kirche in die Geschichte ein. Das Kirchengebäude spielte also eine große Rolle dabei, dass heute die reformierte „Church of Scotland“ dominiert und es ist seit damals auch nicht mehr katholisch sondern presbyterianisch.

St Giles Cathedral
St Giles Cathedral

1635 erhob Charles I St Giles zur Bischofskirche – erst seit dieser Zeit ist sie also eine Kathedrale und die „High Kirk of Edinburgh“, der wichtigste Ort, an dem sich die Anhänger der Church of Scotland versammeln.

Erstaunlicherweise aber war St Giles zu dieser Zeit gar nicht mehr nur ein Kirchengebäude. Tatsächlich waren es vier für die vier verschiedenen Gemeinden. Sie waren zwar alle in der Kathedrale aber tatsächlich durch Steinwände voneinander getrennt. So hieß zum Beispiel eine davon „Tolbooth Kirk“, wie der Stadteil weiter unten an der Royal Mile.

Im 19. Jahrhundert begann Edinburgh unter der Leitung von William Chambers die Kathedrale zu restaurieren und die Aufteilung wieder aufzuheben.

Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts erhielt das Kirchengebäude dann wunderbare Buntglasfenster, was nicht selbstverständlich ist, da die Presbyterianer das eigentlich in ihren Kirchen ablehnen. Doch die Szenen auf den Fenstern gehören heute zu den Schönheiten von St Giles. Wer sich genau über die Fenster informieren möchte, findet hier eine Sammlung mit englischer Erklärung.

Tipp: Engel mit Dudelsack

Hinweis einiger MyHighlands.de-Leser: Im Gebäude befinden sich wohl auch kleine Reliefs und Statuetten, die Engel zeigen. Das Besondere an diesen: Sie spielen Dudelsack. Leider habe ich bei meinem Besuch das noch nicht gewusst, darum habe ich keine Bilder. Allen künftigen Besuchern: Viel Spaß beim suchen.

Persönliche Anmerkung: Schon die Distelkapelle allein ist den Besuch wert

Die fein ausgeführten Schnitzereien in der Thistle Chapel sind im Stil der Neugothik und des Jugendstil gehalten. Jugendstil gefällt mir sehr gut, darum hat es mir die Kapelle am Ende der St Giles’ Cathedral auch besonders angetan.

Einhorn in der Thistle Chapel
Einhorn in der Thistle Chapel

In der Kapelle stand ein alter Mann, der Besuchern hier Fragen beantwortet. Ich bin schnell mit ihm ins Gespräch über Wappen gekommen – schließlich gibt es hier genug davon. Sogar die Decke zeigt mehrere.

Decke in der Thistle Chapel
Decke in der Thistle Chapel

Solche Gespräche und Fachsimpeleien machen mir immer wieder Spaß und man erfährt vieles, was nicht auf den Info-Tafeln und Faltblättern steht.

Anfahrt:

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St Giles’ Cathedral liegt mitten auf der Royal Mile. Die meisten Besucher erreichen sie daher zu Fuß. Über öffentliche Verkehrsmittel und Anreisemöglichkeiten nach Edinburgh, steht hier mehr.

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2 Antworten zu “St Giles’ Cathedral in Edinburgh – Prachtbau an der Royal Mile”

  1. Steckler Daniel

    Ich verfolge als Schottlandfan Deine Reisetipps mit Interesse. Hätte da aber eine Frage kennst Du in Edinburgh ein Geschäft das Kilts und historische Brautkleider für 1 bis 2 Tage vermietet. Wurde leider nicht fündig. Möchten nächstes Jahr in Schottland heiraten. Gerne unterstütze ich Dich über PAY PAL oder Steady. Lieber Gruss aus der Schweiz

    Antworten
    • Hallo Daniel,

      erst einmal: tolle Sache!
      Leider kann ich da nicht viel helfen, das ist ein Metier, in dem ich mich nicht auskenne. Sorry 🙁

      Viele Grüße

      Stephan

      Antworten

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