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Glen Shiel – das Tal, in dem sich Europas Mächte duellierten

Glen Shiel ist ein stilles Tal, in dem es aber einst mächtig krachte. Was hinter der Schlacht dort stand und was Glen Shiel so schön macht.

Blick ins Glen ShielBlick ins Glen Shiel mit den Brücken Beul-ath Cheapain und Eas-nan-Arm
Blick ins Glen Shiel mit den Brücken Beul-ath Cheapain und Eas-nan-Arm (hinten)

Glen Shiel kennen viele Schottland-Besucher nur von der Durchfahrt. Denn durch das Hochtal führt die A87, die Verbindungs-Straße zur Eilean Donan Castle und der Brücke zur Isle of Skye. Hohe Berge geben dem Tal eine beklemmende Enge und andere Menschen trifft man meist nur gehetzt hinter dem Steuer eines entgegenkommenden Autos.

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Glen Shiel fühlt sich einsam an und meilenweit entfernt vom Rest Europas.

Und doch war es nah genug, um Spielball der europäischen Mächte des 18. Jahrhunderts zu werden. Denn im Glen Shiel fand 1719 eine Schlacht statt, an die heute noch Gedenktafeln am Rande des Weges erinnern.

Gedenktafel im Glen Shiel
Gedenktafel im Glen Shiel

Die Info-Tafeln erzählen die Schlacht recht kurz: Anhänger des abgesetzten König James – die sogenannten Jakobiter – hatten sich rechts und links an den Bergflanken verschanzt. Kanonenfeuer und Übermacht der Regierungstruppen zerstreuten die Jakobiter allerdings rasch in alle Winde. Und so klingt die Schlacht im Glen Shiel nur wie eine Randnotiz. Dabei stand ein viel größeres Geschehen dahinter (siehe weiter unten).

Ein Bach neben der Gedenktafel
Ein Bach neben der Gedenktafel

Heute ist wieder Ruhe hier eingekehrt. Nur wenige Menschen bleiben im Glen Shiel länger als eine Autofahrt über die 15 Kilometer dauert. Lediglich Bergwanderer sind hier öfter unterwegs, erklimmen beispielsweise die berühmten Five Sisters of Kintail, die im Westen von Glen Shiel liegen. Höchster Gipfel ist der Sgùrr Fhuaran mit 1.068 Metern.

Im Tal verlaufen neben der A87 auch noch Überreste der alten Militärstraße, die die Bernera Barracks nahe der Glenelg Ferry angebunden haben. Sie sollten nach 1750 die Highlander zähmen.

Ruinen der Bernera Barracks
Ruinen der Bernera Barracks

Mit all dem Wissen nehmen sich vielleicht mehr Menschen Zeit und halten wenigstens kurz am Denkmal der Schlacht.

Wissen: Der Hintergrund der Schlacht im Glen Shiel

1719 befand sich Europa wieder einmal im Krieg. Auf der einen Seite die Spanier, immer noch eine Weltmacht. Auf der anderen Seite ein Bündnis aus vier Staaten: Frankreich, Österreich, Niederlande und Großbritannien. Es ging um die Vorherrschaft im Mittelmeer und – noch wichtiger – den Anspruch der Spanier auf die französische Krone. Würde Spanien auch Frankreich regieren, wäre seine Stärke in Europa unangefochten.

Der River Shiel und die A87
Der River Shiel und die A87

Im Mittelmeer hatten die Spanier alle Hände voll zu tun. Doch wie wäre es, wenn der Krieg auch in Großbritannien ankäme? Wenn gar wieder die Stuart-Könige die Macht übernähmen – gestützt durch Spanien?

Und so schickte der spanische König 300 Soldaten zusammen mit Jakobiter-Anführern George Keith und William Mackenzie. Die nahmen zunächst die Isle of Lewis ein, ehe sie weiterzogen und Eilean Donan Castle besetzten. Zu den Spaniern kamen Clansmänner der Mackenzies, MacKinnons und MacGregors hinzu.

Es wurde eine Besatzung auf der Burg gelassen, der Rest der Truppe marschierte Richtung Inverness ins Glen Shiel hinein. Weit kamen sie nicht, ehe sie sich in Stellung brachten, um die Regierungstruppen zu erwarten.

Eilean Donan Castle bei Nacht
Eilean Donan Castle bei Nacht

Eilean Donan Castle wurde derweil von britischen Schiffen eingenommen. Und auch die Schlacht im Glen Shiel war schnell entschieden. Die Anführer entkamen immerhin. Unter ihnen auch Lord George Murray, der 26 Jahre später den großen Aufstand mit anführen sollte.

Ein Berggipfel heißt übrigens Sgùrr nan Spainteach, Gipfel der Spanier.

Die Briten bedankten sich bei Spanien kurz darauf mit einer eigenen Invasion.

Noch einmal allerdings kam ein Jakobit hierher: Charles Edward Stuart erreichte auf seiner Flucht durch die Highlands und Islands Glen Shiel, nur um dort die entmutigende Nachricht zu erhalten, dass sein Fluchtschiff abgesegelt war.

Tipp: Fotomotiv alte Brücke

Ein kurzes Stück westlich der Gedenktafel liegt die Brücke Drochaid Beul-ath Cheapain, eine Steinbrücke aus dem Jahr 1815. Ein Stück dahinter die neue Eas-nan-Arm Betonbrücke. Es erhebt sich hier auch ein Hügel, der leicht zu erklettern ist. Von da aus kann man gut Aufnahmen des Tals und der Brücken schießen.

Anfahrt:

Ein Hinweisschild zeigt den Ort der Schlacht
Ein Hinweisschild zeigt den Ort der Schlacht

Mit Navigationsgerät: „IV40 8HU“ bringt einen ins Tal.

Ohne Navi: Im Great Glen geht die A87 ab von der A82 und führt Richtung Isle of Skye. Das Tal beginnt direkt nach dem Cluanie Inn, dass am Loch Cluanie liegt. Der Ort der Schlacht ist durch ein braunes Schild mit gekreuzten Säbeln gekennzeichnet. Es gibt einen kleinen Parkstreifen.

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